EU-Verordnung  Wer wäre noch vom Aus der Krabbenfischerei betroffen?

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 05.04.2023 12:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In dem Geschäft von Sandra Braun kaufen überwiegend Touristen ein. Foto: Wagenaar
In dem Geschäft von Sandra Braun kaufen überwiegend Touristen ein. Foto: Wagenaar
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Wir haben einen Blick nach Greetsiel geworfen und uns gefragt, welche Unternehmen noch von der geplanten EU-Verordnung betroffen wären. Bei vielen wachsen die Sorgen.

Greetsiel - Wenn man an Greetsiel denkt, denkt man an den Hafen, die Fischer, Krabben und vor allem an Touristen. Fehlten die Fischer und ihre Krabben, kämen auch keine Touristen mehr in das Fischerdorf, so die Befürchtung. Derzeit herrscht Aufregung wegen einer geplanten EU-Verordnung, die es vorsieht, die Fischerei mit Grundschleppnetzen, also Netzen, die den Meeresboden berühren und auch für die Krabbenfischerei in der Nordsee verwendet werden, spätestens ab 2030 zu verbieten. Das würde nicht nur das Aus für die Fischereibetriebe bedeuten, sondern hätte auch Auswirkungen auf die Verarbeitungsbetriebe, den Tourismus, Restaurants oder Souvenirshops. Eine exemplarischer Blick auf Betriebe aus Greetsiel, die neben den Fischern von der EU-Verordnung betroffen wären:

Ostfriesland und Krummhörn Touristik

“Man findet in Greetsiel nur wenige Betriebe, die nicht von der Verordnung betroffen wären“, sagt Wolfgang Lübben, Marketings- und Vertriebsleiter der Krummhörn Touristik GmbH. Als Beispiel nennt er neben Restaurants, Hotels und Geschäften unter anderem auch den Steuerberater, der ohne die Nordseefischer weniger Kunden hätte. Auch der Tourismus „hängt sehr doll damit zusammen“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Fischerei und die Häfen stellten für viele Sehnsuchtsorte dar. „Und das wollen viele im Urlaub erleben.“ Wenn dieser Werbefaktor wegfiele, wäre das ein „großer Schlag“ für den Tourismus.

Greetsiel an einem Dienstagnachmittag: Jede Menge Touristen nutzen das Wetter. Foto: Wagenaar
Greetsiel an einem Dienstagnachmittag: Jede Menge Touristen nutzen das Wetter. Foto: Wagenaar

Das gleiche Bild zeichnet auch Wiebke Leverenz, Pressesprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH. „Die Fischerei hat einen ganz stark imageprägenden Charakter. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für unsere Region“, sagt sie. Das Werben mit „Hafenromantik pur“ funktioniere nur, wenn die Kutter tatsächlich in Betrieb seien. Marktforschung habe gezeigt, dass nicht wenige Touristen nur aufgrund der Fischer nach Ostfriesland kämen.

Krabben- und Fischhandel de Beer

“In unserer Firma hängen etwa 50 Arbeitsplätze an der Krabbenfischerei“, sagt Geschäftsführer Bernd de Beer auf Nachfrage dieser Zeitung. Weitere 50 Personen arbeiten im Fischhandel und im Imbiss - fast alle kommen aus Greetsiel und Umgebung. An der Demo am 23. März in Büsum haben fast alle Angestellten der Firma de Beer teilgenommen. Einer von ihnen ist Hinderk Bruns. Er arbeitet seit knapp 30 Jahren bei de Beer und auch seine Frau und sein Sohn sind dort beschäftigt. „Ich hoffe, dass mein Sohn das auch noch eine Zeit lang machen kann“, sagte er bei der Demo gegenüber dieser Zeitung.

Bei der Firma de Beer arbeiten etwa 100 Personen. Knapp die Hälfte von ihnen hat unmittelbar mit der Nordseekrabbe zu tun. Foto: Krummhörn Touristik
Bei der Firma de Beer arbeiten etwa 100 Personen. Knapp die Hälfte von ihnen hat unmittelbar mit der Nordseekrabbe zu tun. Foto: Krummhörn Touristik

In Büsum ging es laut Bernd de Beer vor allem darum, ein Zeichen zu setzen. Sollten die geplanten Maßnahmen der EU tatsächlich umgesetzt werden, geht er davon aus, dass sich der Protest aber noch einmal verschärfen würde. „Wenn die Verordnung käme, dann müssten wir unsere Produktion umbauen“, sagt der Geschäftsführer. Eine Möglichkeit könnte Futterherstellung sein. „Für mich gibt es aber aktuell noch keinen Grund, mir konkrete Gedanken zu machen, was ich dann tun könnte.“

Restaurant „Fischerhus“

Wirft man einen Blick auf die Speisekarte des „Fischerhus“ im Greetsieler Hafen, kommt man an Nordseekrabben nicht vorbei. Greetsieler Krabbensuppe, Claas Puul, Ofenkartoffel gefüllt mit Greetsieler Krabben oder Liason von Lachs und Krabbe, heißt es da. Laut Restaurantchef Tobias Sinagowitz sind diese Gerichte und somit die Nordseekrabben auf seiner Speisekarte nicht wegzudenken - und bei seinen Gästen sehr beliebt.

Tobias Sinagowitz leitet seit dem 1. Februar das "Fischerhus" im Greetsieler Hafen. Bei ihm stehen viele Gerichte mit Krabben auf der Karte. Foto: Wagenaar
Tobias Sinagowitz leitet seit dem 1. Februar das "Fischerhus" im Greetsieler Hafen. Bei ihm stehen viele Gerichte mit Krabben auf der Karte. Foto: Wagenaar

„Wenn keine Touristen mehr im Hafen wären, wäre das natürlich sehr blöd für uns“, sagt er. Sinagowitz ist in Greetsiel geboren und aufgewachsen und hat das Restaurant erst Anfang Februar übernommen. Seine Zukunft als Gastronom hat er also noch vor sich. Im „Fischerhus“ arbeiten sechs Angestellte, die alle besorgt auf die mögliche EU-Verordnung blicken. „Ein Verbot ist auf eine Art und Weise sicherlich sinnvoll, aber unsere kleinen Fischer können da nichts für.“

Feinkost- und Souvenirladen „Geschmackssachen“

“Das ist eine ganz traurige Geschichte“, sagt Sandra Braun, Inhaberin des Geschäfts „Geschmackssachen“ in der Greetsieler Fußgängerzone. Zwar haben die von ihr angebotenen Waren - sie verkauft vor allem Liköre, Öle und Geschenkartikel - eher weniger mit Nordseekrabben zu tun. Doch die meisten ihrer Kunden besuchten das Fischerdorf aus touristischen Gründen.

Sandra Braun bietet in ihrem Geschäft Spirituosen, Öle und Geschenkartikel an. Foto: Wagenaar
Sandra Braun bietet in ihrem Geschäft Spirituosen, Öle und Geschenkartikel an. Foto: Wagenaar

Sollte der schlimmste Fall eintreten und tatsächlich die Krabbenfischerei in der Nordsee verboten werden, würde sie demnach einen Großteil ihrer Kunden verlieren. „Auch, wenn ich nicht glaube, dass dann gar keine Touristen mehr nach Greetsiel kommen würden“, hofft sie.

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