Elektro-Mobilität  Eine Testfahrt mit dem neuen Weltauto aus Emden

Alexander Voigt
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Von Alexander Voigt
| 05.04.2023 00:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In den Bergen von Alicante: Noch darf lediglich der verhüllte Prototyp des ID.7 gezeigt werden. In gut anderthalb Wochen folgt dann die Präsentation des tatsächlichen Serienmodells. Fotos: Volkswagen AG
In den Bergen von Alicante: Noch darf lediglich der verhüllte Prototyp des ID.7 gezeigt werden. In gut anderthalb Wochen folgt dann die Präsentation des tatsächlichen Serienmodells. Fotos: Volkswagen AG
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Der neue ID.7 ist erstaunlich agil und bietet viel Komfort – vor allem auf längeren Reisen. Was das Auto kann und was noch kommt.

Alicante - Einsame Bergtäler oberhalb der spanischen Mittelmeerküste weit im Süden zwischen Valencia und Alicante, der neue Volkswagen noch in einer bunt gefleckten, folierten „Schlafanzug“-Tarnung – aber immerhin schon auf den engen Kurvenstrecken fahrend: An diesen Fakten der äußeren Umstände kann man schon erkennen, dass dort etwas Wichtiges präsentiert werden sollte. Ungetarnt wird die Weltpremiere erst am 17. April zeitgleich in New York, Berlin und in China stattfinden.

Vorab gewährte Volkswagen vor wenigen Tagen im Rahmen eines sogenannten Covered Drives eine erste Tuchfühlung des künftigen Topmodells der vollelektrischen ID.-Familie. Der neue ID.7 soll im Segment der gehobenen Mittelklasse – wie sein SUV-Bruder ID.4 – zu einem echten „Weltauto“ werden. Die Wolfsburger planen den Verkauf der klassischen Limousine auf Basis des Modularen E-Antriebsbaukastens (MEB) – nach dem ID.3, ID.4, ID.5, ID.6 (nur in China) und dem ID.Buzz nun das sechste Mitglied der Volkswagen ID.-Familie – in Europa und Asien (noch 2023) sowie in Nordamerika (ab 2024).

Das kleine Display ausschließlich für den Fahrer.
Das kleine Display ausschließlich für den Fahrer.

Welche Maße hat der ID.7?

Gebaut wird der ID.7 – neben zwei Werken in China – insbesondere für die USA und Europa im VW-Werk in Emden. Dort sind auch die ersten Serienmodelle entstanden, die nun noch im Status eines Prototyps in der spanischen Frühjahressonne in Augenschein genommen und bewegt werden konnten.

Mit dem neuen ID.7 wird Volkswagen in Europa zukünftig parallel zum Passat Variant – für den ebenfalls 2023 eine letzte Aktualisierung ansteht – ein zweites Mittelklassemodell (B-Segment) im Programm haben. Aufgrund seiner Größe, der hochwertigen Ausstattung und Haptik sowie neuester technischer Features grenzt die vollelektrische Limousine bereits an das C-Segment. Der ID.7 misst in der Länge 4,96 Meter und ist damit lediglich sieben Zentimeter kürzer als der VW-Meilenstein Phaeton. Zwischen der Front- und Heckpartie des neuen Modells spannt sich ein großer Radstand von 2,97 Metern, der damit bereits mit dem des ID.Buzz vergleichbar ist. Das schafft viel Platz für die Passagiere, die aufgrund der Besonderheiten des MEB um sieben Zentimeter höher als im Passat sitzen und auch darüber hinaus das Raumempfinden des C-Segments genießen können. Unter einer großen Heckklappe verbergen sich 532 Liter Kofferraum.

Was bietet das Cockpit?

Einem komplett neuen Weg folgt die Konzeption des Cockpits: Es gibt in dem neuen Topmodell keine klassischen Instrumente mehr. Der ID.7 setzt auf das Zusammenspiel eines kleinen, digitalen Cockpits und eines serienmäßigen sogenannten Augmented-Reality-Head-up-Displays. Der kleine Bildschirm in einem nur noch angedeuteten Instrumentenschacht – zum Glück nicht mehr auf der Lenksäule thronend – zeigt nur noch notwendige Standardinfos und Warnmeldungen an. Die wesentlichen Informationen erhält der Fahrer über das Head-up-Display.

Zahlreiche Bedienmöglichkeiten auch am Lenkrad.
Zahlreiche Bedienmöglichkeiten auch am Lenkrad.

Optimal einsehbar und zu bedienen ist zudem das im Durchmesser 38 Zentimeter (15 Zoll) große Infotainmentdisplay mit einer komplett neu gestalteten Menüstruktur im oberen Bereich der Mittelkonsole. Permanent angezeigt werden im Display unter anderem die Einstellungen der Klimaanlage sowie der Zugriff auf die Sitzheizung, Sitzbelüftung und Sitzmassage.

Welche Antriebsmodelle gibt es?

Einige dem Fahrer zugewandte frei belegbare Icons am oberen Rand erleichtern das Auffinden häufig benötigter Funktionen zusätzlich. Diese Menüstruktur ist eine echte Verbesserung. Und auch die Touchslider für die Klimabedienung unter dem Display sind nun hinterleuchtet. Das neue Lenkrad – weg von Touchflächen, zurück zu mechanischen Tasten – dürfte leider erst 2024 verbaut werden.

Der in den zwei Ausstattungs- und Antriebsversionen „Pro“ und „Pro S“ startende ID.7 ist das erste MEB-Modell mit einem neu entwickelten Antrieb. Das zentrale Modul dieses Antriebs ist eine neue, die zweite ID.-E-Maschine mit einer Leistung von 210 kW (286 PS) und einem maximalen Drehmoment von 545 Newtonmetern. Sie bildet zusammen mit dem zweistufigen Ein-Gang-Getriebe und dem Pulswechselrichter – der intelligenten Steuerung des Antriebs – ein in die angetriebene Hinterachse integriertes Modul. Und dann gibt es ja noch die Absicht der Wolfsburger Zentrale, wirklich jedem ID.-Modell auch eine allradgetriebene GTX-Performance-Version zu verpassen.

Taugt der ID.7 für die Reise?

Der neue ID.7 ist selbst im getarnten Prototypenstatus bereits eine komfortable Reiselimousine, deren ausgewogene Dämpfung in Verbindung mit dem langen Radstand für ein sicheres Fahrniveau in allen Situationen sorgt. Positiv wirkt sich – wie bei jedem ID.-Modell – der tiefe Schwerpunkt des Fahrzeugs durch die im Wagenboden integrierte Batterie auf das Fahrverhalten aus. Die neue E-Maschine sorgt insbesondere im Bereich von null bis 90 Stundenkilometern für eine enorme, durchzugsstarke, sofort abzurufende Agilität, die einfach – insbesondere im Stadtverkehr und auf abwechslungsreichen Landstraßen – für eine gehörige Portion Fahrspaß sorgt.

Das Grundlayout des Fahrwerks besteht aus einer MacPherson-Vorderachse und einer Fünflenker-Hinterachse. Verfeinert wurde zudem der Regler der optionalen, adaptiven Fahrwerksregelung DCC. Dabei nutzt der mit einer neuen Volkswagen-Software ausgestattete DCC-Regler mehr Sensorsignale des Fahrzeugs. Das System kann deshalb besser als je zuvor unterscheiden, wie sich die Räder und der Aufbau bewegen, um aufgrund dessen mit verfeinerten Algorithmen die Dämpfer zu steuern. Der Fahrer hat dank DCC zudem die Möglichkeit, das Fahrwerk über das ausgewählte Fahrprofil (Eco, Comfort und Sport) sowie im Individual-Modus über einen Slider komfortabler oder sportlicher einzustellen.

Welche Kunden werden angesprochen?

Für die Energieversorgung des ID.7 ist die im Fahrzeugboden angeordnete Lithium-Ionen-Batterie zuständig. Sie wird es zunächst in zwei Größen geben: in der ersten Version mit einem Netto-Energiegehalt von 77 kWh (brutto: 82 kWh). Die zweite Batterieversion setzt später ein und wird im ID.7 Pro S einen Netto-Energiegehalt von 86 kWh (brutto: 91 kWh) bieten. Offizielle Verbrauchswerte und Reichweiten liegen für den neuen Volkswagen noch nicht vor. Mit der 77-kWh-Batterie könnte die WLTP-Reichweite des ID.7 Pro bei rund 615 Kilometern liegen. Dank der 86-kWh-Batterie könnte sogar eine Reichweite von circa 700 Kilometer (WLTP) erreicht werden. Damit unterstreicht der ID.7 seine Langstreckentauglichkeit vor allem für Vielfahrer und Flottenkunden. Dieser „Business-Class“ dürfte auch die Preisliste entsprechen, die erst zur Weltpremiere veröffentlicht wird.

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