Krabbenfischertreffen in Neuharlingersiel Wie man Fischer gegen sich aufbringt und trotzdem abwehrt
Angespannte Atmosphäre: Beim Runden Tisch zwischen CDU-Politikerinnen und Krabbenfischern in Neuharlingersiel wurden erst Argumente ausgetauscht, alles betont sachlich. Dann gab es doch noch Ärger.
Neuharlingersiel - Dass es am Montagnachmittag in Neuharlingersiel einmal mehr um die Zukunft der Krabbenfischer geht, bleibt erstmal unbemerkt. Keine Proteste im Hafen, nur ein paar Banner erinnern die spärlichen Besucher daran, dass die Küstenidylle gerade täuscht. Kein Vergleich also zu den lautstarken Protesten vor knapp zwei Wochen bei der Agrarministerkonferenz in Büsum. Aufgebrachte Fischer sind am Montag aber trotzdem da. Und laut wird es zwischendurch auch; wenn auch von ungewohnter Seite.
Die CDU hatte zu einem Gespräch eingeladen, in Form von vier Frauen: Die drei Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann (Unterems), Anne Janssen (Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund) und Astrid Damerow (Nordfriesland-Dithmarschen Nord). Letztere ist Mitglied im Agrarausschuss und dort Berichterstatterin für Fischerei. Außerdem dabei an diesem Montagnachmittag: die Landtagsabgeordnete Saskia Buschmann aus Aurich. Ihnen sitzt oben im Kurverein eine Herrenriege gegenüber, vor allem Fischer aus den Häfen der ostfriesischen Halbinsel, aber auch Verbandsvertreter aus der Fischerei und der Landwirtschaft.
Worum es geht
Es soll um Austausch gehen, die Politikerinnen sind angereist, um sich die Sorgen der Fischer aus erster Hand anzuhören. Es gibt Tee und Kaffee, Butterkuchen und viele gute Worte. Die Argumente sind natürlich bekannt und oft ausgetauscht, seit der EU-Aktionsplan für eine nachhaltigere Fischerei bekannt wurde. Dieser Plan sieht unter anderem vor, die Grundschleppnetzfischerei in Meeresschutzgebieten, also etwa in Nationalparken und Natura-2000-Gebieten, bis 2030 schrittweise einzustellen. Der Plan soll aber zunächst noch beraten werden.
Die Krabbenfischer mit ihren Netzen sehen sich durch den Aktionsplan in ihrer Existenz bedroht. Mittlerweile haben die Agrarminister und -ministerinnen von Bund und Ländern sich allerdings einstimmig gegen ein pauschales Verbot der Fischerei mit Grundschleppnetzen ausgesprochen. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) will sogar in Brüssel gegen ein pauschales Schleppnetzverbot und damit für die deutsche Krabbenfischerei kämpfen. So sagte er jedenfalls selbst nach dem lautstarken Treffen in Büsum.
Wo es Streit gab
„Wir setzen voraus, dass es weitergeht mit der Küstenfischerei“, erklärt denn auch die Fischerei-Berichterstatterin der CDU im Bundestag, Damerow, nach kurzer Zeit und leitet über zu anderen Themen, zu denen sie Auskunft von den versammelten Fischern möchte. Auch einige der anderen Politikerinnen bitten immer wieder um Aufklärung zu bestimmten fischereitypischen Sachverhalten. Die Fischer stehen Rede und Antwort, bis einem von ihnen der Kragen platzt. All diese Fragen, schimpft er, wieso denn niemand Bescheid wisse. Dabei stünde ihm und seinen Kollegen doch das Wasser bis zum Hals. Dass das drohende Aus der Küstenfischerei tatsächlich vom Tisch ist, das glaubt auf der Seite der Fischer und ihrer Branchenvertreter nämlich niemand – so viel wird am Montag in Neuharlingersiel deutlich.
Die Politikerinnen nehmen diesen Ausbruch krumm und wollen ihn auch nicht auf sich sitzen lassen. Vor allem Connemann wird scharf und laut und empfiehlt den Fischern schließlich, zu kämpfen und ja nicht nachzulassen. Doch wann und wo? Der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, Dirk Sander, weiß Rat: Am 25. und 26. April findet in Hamburg ein Treffen statt, zu dem die EU-Kommission und das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft gemeinsam einladen, es läuft unter dem Namen „Restore our Ocean and Waters by 2030“. Ob es dabei tatsächlich auch um den Aktionsplan geht, ist noch ungewiss. Doch die niedersächsische Landwirtschaftskammer, die ebenfalls in Neuharlingersiel dabei ist, will nun sehen, ob sich eine Teilnahme in Hamburg organisieren lässt.