Von Ostfriesland in die Welt  Schon 1979 war Emden als Fährhafen eine Idee

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 03.04.2023 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ab Juni soll die MS Romantika ab Emden regelmäßig Richtung Norwegen starten. Erste Überlegungen, Emden als Fährhafen zu etablieren, gab es aber schon viel früher. Symbolfoto: Kooren/Archiv
Ab Juni soll die MS Romantika ab Emden regelmäßig Richtung Norwegen starten. Erste Überlegungen, Emden als Fährhafen zu etablieren, gab es aber schon viel früher. Symbolfoto: Kooren/Archiv
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Bereits vor Jahrzehnten wurde auf Initiative eines Emder Kapitäns untersucht, ob Emden als Fährhafen Richtung Norwegen geeignet sei. Was damals fehlte, hat nun der Zufall gebracht.

Emden - Ab Juni will „Holland Norway Lines“ (HNL) regelmäßig mit der Fähre MS Romantika von Emden aus in Richtung Kristiansand (Norwegen) und wieder zurück sowohl Menschen als auch Güter transportieren. Die Stadt erhofft sich davon viel. Und wie sich herausstellt: Neu ist die Idee nicht, es fehlte bislang nur das Quäntchen Glück und Zufall.

Denn: Mit dem Studienabschluss in der Tasche fing Arnulf Hader 1979 beim Institut für Seeverkehrswirtschaft in Bremen an. Einer seiner ersten Aufträge, daran erinnert sich der heute 71-jährige Verkehrsgeograf noch genau, war eine grundlegende Analyse, ob Emden denn als Fährhafen nach Kristiansand geeignet wäre.

1979 sah es schon gut aus

„Es war keine Studie zur Wirtschaftlichkeit, sondern eher ein Blick auf den Markt und auf die Voraussetzungen“, erinnert sich Hader im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Initiative sei damals von Adolf Janssen, Kapitän und Lotse, ausgegangen. „Es war seine Idee und ich habe mit meinen Arbeiten dazu beigetragen“, sagt Hader heute. „Wir waren die Ersten, die da wirklich dran gearbeitet haben.“

„Kapitän Adolf Janssen hatte als Lotse auf der Ems wohl öfters darüber nachgedacht, dass sich Emden auch als Fährhafen eignen müsste. In den 1960er und 1970er Jahren waren weltweit immer mehr und längere Fährdienste für Passagiere, Auto und Lkw und sogar Eisenbahnen entstanden. Die Meyer Werft in Papenburg baute die dazu notwendigen Schiffe“, beschreibt Hader gegenüber dieser Zeitung die damalige Situation. Die erste Studie habe für eine Verbindung nach Kristiansand dann auch schon gute Bedingungen festgestellt. „Die Route von Emden nach Norwegen kann ein Fährschiff bequem in einer Nacht zurücklegen“, so Hader. Dazu sei bereits 1979 „nicht einmal eine Schnellfähre“ notwendig gewesen.

Schon vor Jahrzehnten gute Anbindung

Besonders wegen seiner Verkehrsanbindung sei, zu dem Schluss kam Hader schon vor mehr als 40 Jahren, Emden besonders gut als Fährhafen geeignet. „Emden liegt zwar zu weit westlich für Hamburg und Schleswig-Holstein, aber sehr günstig für den Verkehr mit dem bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen und für die gesamte Industrie im Rhein-Ruhr-Gebiet bis hinunter nach Basel. Dazu kommen die nahen Niederlande und der Westen Europas“, so die Schlussfolgerung. Auch die Zuganbindung und die damals noch im Bau befindliche Autobahnanbindung waren Pluspunkte.

Später, in einer weiteren Studie, hat Hader auch noch untersucht, ob sich eine Fährverbindung nach England lohnen würde. „Nach Dover wäre da gar nicht so gut“, hatte er herausgefunden. Geeignet wäre damals „der Hafen Hull in Mittelengland“ gewesen, „um den Engpass um London herum zu umgehen“. An den Untersuchungen beteiligte sich laut Hader auch Oberstadtdirektor Dr. Jürgen Hinnendahl, „mit dem wir Mittelengland oder eine Konferenz in Amsterdam besuchten“.

2021 kam die Idee wieder auf

Nun liegen die Studien schon Jahrzehnte zurück. Aber gerade Adolf Janssen, der mittlerweile in Oldenburg wohne, habe das Thema nie losgelassen. Später habe sich Janssen, so Hader, noch einmal bei ihm gemeldet. „Und so fuhr ich mal wieder nach Emden und wir trafen uns auf dem Feuerschiff: Adolf Janssen, Dr. Hinnendahl und ich. Thema: Fährverkehr von Emden.“ Wiederum Jahre später, 2021, wurden die Ideen der Stadt Emden nochmal vorgestellt. Per Brief, mehr war wegen Corona nicht möglich. Mittlerweile hat sich Janssen aus Altersgründen aus der Sache zurückgezogen.

Aber warum wurde aus den Untersuchungen und den Bemühungen nie ein tatsächliches Projekt? Das hängt vor allem mit zwei Faktoren zusammen, einen davon benennt schon Hader: „Nach dreieinhalb Jahrzehnten Berufserfahrung konnte ich immer noch bestätigen, dass die Lage Emdens für Fährverkehr gut ist, das Problem liegt bei den Fährreedereien“, so Hader. „Die wenigen großen Gruppen, die die Nordsee beherrschen, wollen sich nicht selbst Konkurrenz mit einer neuen Linie machen. Für eine unabhängige Linie braucht man Mut.“

Stadt hat auf Hafennutzung wenig Einfluss

Der andere Faktor liegt in den Zuständigkeiten. „Die Stadt Emden ist und bleibt eine Seehafenstadt“, so die Stadt Emden in einer Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung. „Gleichwohl ist der gewerblich genutzte Teil des Binnen- und Außenhafens im Landeseigentum und wird durch NPorts betrieben und vermarktet.“ Hinzu kommen private Akteure wie die AG Ems. Die Stadt Emden selbst könne hier also gar nicht so viel einwirken. „Der Teil, auf den die Stadt Emden Einfluss hat oder den sie genehmigen kann, ist aufgrund der oben genannten Rahmenbedingungen ein eher kleinerer. Die Rolle der Stadt Emden / der Wirtschaftsförderung ist hier eine moderierende Rolle, um alle Beteiligten zusammenzubringen.“

Das wurde auch beim Gespräch zur neuen HNL-Verbindung Emden-Norwegen ab dem 1. Juni deutlich. Auch hier betonte die Stadt, dass man zwar sehr interessiert an der Fährverbindung sei, schlussendlich aber eher zwischen den Entscheidern vermitteln könne. Die Probleme, die HNL in Eemshaven hat, sind also das Quäntchen Glück, welches Emden gebraucht hat: ein Unternehmen mit einer neuen Linie. Wie lange die Fährverbindung ab Emden bestehen bleibt, ist aber noch offen. HNL will eigentlich weiter von Eemshaven aus operieren.

Die Stadt will unterdessen das Unternehmen möglichst langfristig von Emden überzeugen. „Das Thema einer internationalen Fährverbindung ist für den Standort spannend und Emden als Einsteige- und Ausstiegshafen ein hervorragender Anziehungspunkt“, heißt es auf Anfrage. Besonders interessant sei es, „wenn die Menschen nicht nur zur Überfahrt kommen, sondern länger vor Ort bleiben“. Dies könne auch ein weiterer Puzzlestein für den Tourismus in Emden sein.

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