Wohnung durchsucht  Ostfriese nach Cyber-Attacke auf Polizei im Visier der Ermittler

| | 31.03.2023 16:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wer aktuell auf die Webseite der Verdächtigen geht, sieht aktuell nur dieses Bild.
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Ein 19-Jähriger aus dem Landkreis Aurich soll Teil eines Cybercrime-Netzwerks sein, mit dessen Servern die hessische Polizei attackiert wurde. Jetzt schlugen die Ermittler zu – auch an anderen Orten.

Aurich/Wiesbaden - Am Donnerstag haben Ermittler die Wohnung eines 19-Jährigen im Kreis Aurich durchsucht. Gemeinsam mit weiteren vier Tatverdächtigen soll er seit Mitte 2021 einen Internetdienst betrieben haben, mit denen er Cyberkriminellen Internet-Server zur Begehung von Straftaten zur Verfügung gestellt haben soll. Die Verdächtigen sind 16 bis 24 Jahre alt; außer aus Ostfriesland stammen sie aus Braunschweig und München sowie aus den Landkreisen Oberbergischer Kreis (Nordrhein-Westfalen) und Prignitz (Brandenburg). Die Kriminellen, die den mutmaßlich auch von dem Ostfriesen angebotenen Dienst genutzt haben sollen, sind allerdings weiterhin unbekannt.

Das Hessische Landeskriminalamtes (HLKA) und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt/Main zufolge wirft den Verdächtigen insbesondere vor, die Infrastruktur für mehrere Angriffe auf die Webseiten der hessischen Polizei und mehrere Unternehmen in Hessen und Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt zu haben. Zahlreiche Medien hatten im vergangenen Jahr über den Fall berichtet: Die Polizei hatte ihre zentrale Webseite nach den Attacken aus Sicherheitsgründen mehrere Tage lang komplett vom Netz genommen. „Mögliche strafrechtliche Aspekte der Angriffsversuche werden derzeit durch das hessische Landeskriminalamt überprüft“, hatte es Anfang Mai geheißen.

Handys, Laptops und handschriftliche Notizen

Bei den Angriffen handelte es sich nicht um klassisches Hacking, bei dem sich die Kriminellen Zugriff auf eine Webseite verschaffen. Stattdessen führten die Täter sogenannte DDoS-Angriffe aus. Dabei wird eine Vielzahl von Datenpaketen in kürzester Zeit durchs Netz in Richtung des Ziels geschickt – im vorliegenden Fall in Richtung der Polizei-Webseite. Das soll zu einer Überlastung des Datenverkehrs und schlussendlich zum Ausfall der Webseite für normale Besucher führen. Im aktuellen Fall hatten die Täter damit Erfolg. Um solche Attacken durchzuführen, bedarf es aber auch Seiten der Kriminellen einer gewissen Server-Leistung. Die sollen der Ostfriese und die anderen vier Verdächtigen zur Verfügung gestellt haben.

„Durch aufwändige und komplexe Ermittlungen, auch in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BKA), war es den Ermittlungsbehörden gelungen, die von den Beschuldigten betriebenen Server in Deutschland, Finnland und den Niederlanden zu lokalisieren sowie zu beschlagnahmen“, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung von HLKA und ZIT. Am Donnerstag seien schließlich die Wohnungen der fünf Tatverdächtigen durchsucht worden. An Beweismitteln hätten die Einsatzkräfte beispielsweise Handys, Laptops, Tablet, Speichermedien, handschriftliche Aufzeichnungen und „Vermögenswerte“ – beispielsweise Geld – sichergestellt, hieß es.

ZIT-Pressesprecher und Staatsanwalt Sebastian Zwiebel sagte auf Nachfrage der Redaktion, dass dem 19-jährigen Auricher konkret die Beihilfe zur Computersabotage vorgeworfen werde. Das Strafgesetzbuch sieht für die Computersabotage in der Regel eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Gefängnis vor. Höher bestraft wird allerdings derjenige, der beispielsweise als Mitglied einer Bande oder gewerbsmäßig handelt. In diesem Fall wäre keine Geldstrafe möglich, sondern nur noch bis zu zehn Jahre Haft. Ebenfalls härter als mit höchstens drei Jahren Haft bestraft wird eine Tat, „wenn sie Daten betrifft, die für einen fremden Betrieb, ein fremdes Unternehmen oder eine Behörde von wesentlicher Bedeutung“ sind. Zu klären wird im Falle einer Verurteilung sein, ob der Ostfriese noch nach Jugendstrafrecht zu bestrafen ist. Das ist auch mit 19 Jahren je nach Reife noch möglich.

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