Deutschland-Ticket Zum Pauschalpreis durch ganz Ostfriesland
Der Nachfolger für das 9-Euro-Ticket kommt. VEJ-Geschäftsführer Tilli Rachner ist überzeugt, dass das Deutschland-Ticket auch die Verkehrswende voranbringt.
Ostfriesland - Im vergangenen Jahr hat das 9-Euro-Ticket in Deutschland für Furore gesorgt. Rund 52 Millionen Tickets wurden nach Angaben des Verbandes der Verkehrsunternehmen (VdV) in den drei Monaten der Gültigkeit bundesweit verkauft, Busse und Bahnen waren voll. Zum 1. Mai soll jetzt mit dem Deutschland-Ticket ein Nachfolger bereitstehen. 49 Euro wird es kosten, und ermöglicht bundesweit die Nutzung des Nahverkehrs - auch in Ostfriesland. Doch wird es auch zum Klima-Ticket?
Tilli Rachner, Geschäftsführer der Verkehrsregion Nahverkehr Ems-Jade (VEJ), blickt positiv auf das neue Angebot. „Das Deutschland-Ticket wird es natürlich auch bei uns geben und es ist ein deutlicher Schritt nach vorne für den öffentlichen Nahverkehr und die Verkehrswende in Deutschland“, betont er: „Ein Ticket, das relativ kostengünstig ist und bei dem man sich bundesweit keine Gedanken mehr über unterschiedlichste Tarifstrukturen machen muss.“ Rachner schätzt das Unkomplizierte, das den Einstieg in die Welt der Busse erleichtert.
„Das bringt die Verkehrswende voran“
Rachner ist davon überzeugt, dass der Nahverkehr in Ostfriesland und die daran beteiligten Unternehmen von der Einführung des Deutschland-Tickets profitieren werden. „Das Deutschland-Ticket bringt uns Stück für Stück mehr Menschen, die erkennen, dass sich auch mit dem Öffentlichen Nahverkehr viele Dinge erledigen lassen. Das bringt auch die Verkehrswende voran, die wir angesichts des Klimawandels benötigen.“ Auch andere Verkehrsexperten sehen beim Deutschland-Ticket durchaus potenzial.
So sieht Jan Christian Schlüter von der Technischen Universität Dresden die Erfolgschancen ähnlich positiv wie Rachner. „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Vor allem wegen der längeren Laufzeit: Die Leute können nun wirklich darüber nachdenken, ob sie mittelfristige Investitionen zurückstellen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Konkret gemeint ist der Kauf eines neuen Autos. „Ich denke, dass einige die Neuanschaffung eines Autos verschieben – oder verzichten.“
Attraktives Angebot für den Umstieg
Mut macht die Bilanz des VdV nach drei Monaten 9-Euro-Ticket: Auf etwa eine Milliarde pro Monat, bezifferte der Verband die Zahl der Fahrten, die mit dem Ticket angetreten wurden. Etwa zehn Prozent dieser Fahrten seien für Strecken genutzt worden, die sonst mit dem eigenen Auto gefahren worden wären. Das Resultat sind einer Schätzung des Verbandes zufolge eingesparte Schadstoffemissionen in Höhe von 1,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das sei in etwa die Menge, die auch ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen im Laufe eines Jahres bringen würde.
VEJ-Geschäftsführer Rachner ist sich ebenfalls sicher, dass das Deutschland-Ticket Menschen überzeugen kann auf Busse und Bahnen umzusteigen, die mit dem öffentlichen Nahverkehr in den vergangenen Jahren eher wenig am Hut hatten. „Das Deutschland-Ticket ist nicht nur für viele unserer Kunden vor Ort ein gutes Angebot. Das Deutschland-Ticket ist attraktiv. Wir wollen damit auch neue Kunden ansprechen und für uns gewinnen.“
„Wir brauchen deutlich mehr Geld“
Natürlich werde nicht jeder, der einmal in den öffentlichen Nahverkehr reinschnuppert, sofort auf sein Auto verzichten, sagte Rachner. Er sei aber überzeugt, dass die Qualität der Busverbindungen in Ostfriesland besonders in der Freizeit attraktiv sei. Kontinuierlich sei das Angebot in den vergangenen Jahren verbessert worden. Und weitere Verbesserungen würden angestrebt.
Hier sieht Rachner auch Bund und Land in der Pflicht. Das Deutschland-Ticket allein werde die Verkehrswende nicht stemmen können. „Wir brauchen deutlich mehr Geld für den öffentlichen Personennahverkehr. Sonst wird es nicht gelingen, den Nahverkehr im Zuge der Mobilitätswende so zu stärken, wie es politisch gewünscht ist.“ Nötig sei ein Ausbau des Angebots, vor allem im ländlichen Raum. Das zusätzliche Angebot sei dann aber nur sinnvoll, wenn es auch genutzt werde. „Busse die leer durch die Gegend fahren, die helfen auch dem Klima nicht.“
Das Deutschland-Ticker werde im gesamten Gebiet des Verkehrsverbundes Ems-Jade gültig sein - wie ursprünglich konzipiert für eine Person. Unverständlich ist für Rachner, das einzelne Verkehrsverbünde in Deutschland, wie zu hören ist, Sonderregeln einführen könnten: etwa eine kostenlose Fahrradmitnahme oder auch im Familienbereich. „Grundgedanke war doch, ein einheitlichen Fahrschein für ganz Deutschland zu schaffen“, ärgert sich der VEJ-Geschäftsführer.