Köln WDR wagt Experiment: Wie wird man zum Schlagerstar?
In der WDR-Doku „Ausgerechnet Schlager“ will Moderator Daniel Aßmann testen, ob er Schlagerstar werden kann. Ist das leicht verdientes Geld oder harte Arbeit? Ein Blick hinter die Kulissen der Schlagerwelt.
Hohe Einschaltquoten und gigantische Shows: Schlagersänger treffen beim Publikum offenbar einen Nerv. Stars wie Helene Fischer und Roland Kaiser spielen in ausverkauften Hallen. Im Jahr 2022 performte Fischer in München vor 130.000 Fans.
Was braucht man, um im Schlager Erfolg zu haben? In der WDR-Doku „Ausgerechnet Schlager“ wagt Moderator Daniel Aßmann den Selbstversuch – vom Komponieren im Studio bis hin zur Bühnenshow. „Ich habe das Gefühl, es gibt keine Musikrichtung, die mehr diskutiert wird als Schlager“, sagt der 39-Jährige. Entweder liebe man den Schlager – oder „hasse ihn irgendwie“.
Für den Schlagererfolg braucht es zunächst einen Song mit Hit-Potenzial. Dafür trifft sich Aßmann mit Florian Krahe und Daniel Sommer. Sie stecken hinter Roland Kaisers Song „Wir spielten immer ohne Regeln“. Die beiden Produzenten nehmen mit Aßmann im Tonstudio einen Schlager auf („Mein Herz schlägt Ruhrgebiet“), den er einsingt.
Historiker Ingo Grabowsky, der 2008 in Bonn eine ganze Ausstellung über die Schlagerwelt zusammengestellt hatte, erklärt, was die Musik ausmacht.
Schlager greife immer die musikalischen Trends auf, die gerade angesagt sind – und das mit Erfolg: Etwa jeder Dritte Deutsche hört laut Statista-Befragung gerne Schlager. Schlagerstars verdienten im Jahr 2021 insgesamt über 60 Millionen Euro mit CD-Verkäufen und Downloads, heißt es in der WDR-Doku.
Und wer verdient am Erfolg des Schlagers? Bei bekannten Namen gehe am Ende der Künstler mit dem meisten Geld nach Hause, sagt Schlagerproduzent Mike Rötgens. Im Normalfall sehe das aber anders aus: Von 1,29 Euro Downloadpreis für einen Song gingen 39 Cent an das Label und 39 Cent an den Künstler. 10 Cent bekäme dessen Management, 2 Cent die Produzenten, 13 Cent die GEMA. 26 Cent deckten die Vertriebskosten. Auch an Auftritten im Fernsehen verdiene das Label mit.
Bei Helene Fischers neuer Tour mit Cirque du Soleil schätzen Experten die Brutto-Einnahmen der Sängerin pro Auftritt auf 225.000 Euro.
Newcomer müssten sich laut Rötgens oft auf schlechtere Deals einlassen. Sie bekämen oft Verträge, bei denen die Plattenfirmen rundum verdienten. „Sie verdienen an den Verkäufen, an deinen Auftritten. Die werden sogar versuchen, bei den Textern und Komponisten was abzugreifen“, so Rötgens.
Eine gute Nachricht hat der Produzent allerdings für Schlager-Neuling Aßmann: Im Bereich der Partyschlager könne auch ein komplett unbekannter Sänger mit nur einem Lied durchstarten und schnell Erfolge feiern.
Das Bühnencoaching für Assmann übernimmt Sängerin Sonia Liebing. Ihr Tipp: fließende Bewegungen, die Gestik solle nicht zu „gekünstelt“ wirken.
Am Ende des Experiments präsentiert der Moderator seinen Song live vor Publikum in Duisburg. Das Publikum klatscht, Aßmann freut sich über das herzliche Willkommen in der Welt des Schlagers. Trotzdem resümiert der Bühnen-Neuling nach den Tagen im Tonstudio und beim Coaching: „Man merkt einfach: Von heute auf morgen wirst du kein Schlagerstar.“
Sendungshinweis: Hier finden Sie „Ausgerechnet Schlager“ in der ARD-Mediathek