Personal in Emden Was macht die erste ostfriesische Managerin von Klimafolgen?
Ann-Cathrin Neumann ist die Neue im Klima-Team der Stadt Emden. Ihre Stelle gibt es landesweit noch nicht oft. Aber was genau macht sie eigentlich? Und was macht Emdens Klimaschutzmanager?
Emden - Ihr neuer Titel ist ein ganz schöner Brocken: Ann-Cathrin Neumann ist Ostfrieslands erste Klimafolgen-Anpassungsmanagerin. Sie hat sich gegen etwa 25 Bewerberinnen und Bewerber durchgesetzt. Vor knapp einem Monat hat sie in Emden ihre Stelle angetreten, die zu 80 Prozent vom Bund gefördert wird. Die Stadt zahlt insgesamt rund 42.000 Euro. Erst einmal soll sie für zwei Jahre bleiben. Eine Verlängerung auf fünf Jahre kann aber beantragt werden.
Die Hafenstadt ist damit Vorreiterin: In Niedersachsen gebe es noch nicht viele Kommunen, die einen solchen Posten eingeführt haben, erklärt Jann Gerdes im Pressegespräch. Er ist seit 2012 Klimaschutz-Manager in Emden. Auch seinen Posten haben längst noch nicht alle Kommunen in der Region eingerichtet. Bis vor kurzem hatte die Stadt Emden auch eine Nahmobilitätsmanagerin. Die hat allerdings vor etwa einem Monat gekündigt, so Gerdes. Die Stelle soll neu besetzt werden.
Was machen die Manager für Emden?
Simpel formuliert, kümmert sich Jann Gerdes seit Dienstantritt darum, dass Emden den Klimawandel nicht mit vorantreibt, sondern stattdessen dabei hilft, diesen abzubremsen. Dabei geht es etwa um den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen beispielsweise auf Schuldächern, eine bessere Energiebilanz in Privathäusern durch Beratungen und Projekte wie die „Grüne Hausnummer“. Er schaut sich angesichts von Energieberichten und Treibhausgas-Bilanzen an, wo er den Hebel ansetzen muss, damit Emden weniger Schadstoffe erzeugt.
Trotz aller Mühen ist das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und damit verheerende Folgen für Mensch und Umwelt einzudämmen, wohl nicht erreichbar. Der gesellschaftliche Wandel vollzieht sich zu langsam. Das haben Klimaforschende aktuell berichtet. Fakt ist also: Auch in Emden werden die Folgen der stärkeren Wetterextreme zu spüren sein. Da setzt Ann-Cathrin Neumanns Arbeit an. Sie kümmert sich derzeit um eine Ausschreibung, durch die ein externes Fach-Ingenieurbüro gesucht wird. Das soll - ebenfalls durch die Bundesmittel gefördert - die erwartbaren Folgen des Klimawandels beziehungsweise einer möglichen Betroffenheit für die Stadt Emden in verschiedenen Szenarien analysieren. Dafür werde eine spezielle Software verwendet, die die Stadt nicht habe, so Gerdes. Aus dem Gutachten sollen Maßnahmen entwickelt werden, die die studierte Nachhaltigkeitsökonomin innerhalb der zwei beziehungsweise fünf Jahre anleitet und begleitet.
Welche Maßnahmen könnte Emden brauchen?
Durch das Gutachten soll unter anderem aufgezeigt werden, wo sich im gesamten Emder Stadtgebiet sogenannte Hitzeinseln befinden, erklärt Ann-Cathrin Neumann. Damit sind Orte gemeint, in denen es im Sommer gnadenlos heiß wird und wo ein Hitzeschutz, Beschattung durch Bäume oder anderes empfehlenswert wäre. Das betrifft nicht nur öffentliche Bereiche, sondern könnte auch in Beratungen für Privatleute münden. Wie werden etwa Hitzetage im Altersheim abgemildert? Wie im Kindergarten?
Das Wassermanagement ist ein wichtiges Thema angesichts von Starkregen-Ereignissen und langen Trockenzeiten, so die 28-Jährige. Ein lokales Beispiel: Im Emder Ökowerk wurde vor Jahrzehnten noch alles dran gesetzt, das Gelände zu entwässern. Jetzt müssen Apfelbäume und Co. bewässert werden. Das Problem betrifft insbesondere auch die Landwirte. Es werden bei Starkregen Unmengen an Wasser aus dem Landesinnern in die Ems geschleust und in Dürre-Zeiten fallen mittlerweile einige Gräben trocken. Auch die Schutz-Maßnahmen können durch die Bundesmittel gefördert werden.
Was bringt das Bemühen der Stadt schon?
Emden will deutlich früher klimaneutral sein als vom Europäischen Parlament vorgeschrieben. Bis 2050 soll der Kontinent sich in Sachen Mobilität, Energie und Ressourcen allgemein so umstrukturiert haben, dass nur noch unvermeidbare Treibhausgase ausgestoßen und diese wenigen Emissionen vollständig ausgeglichen werden, also etwa durch Aufforstung oder andere Maßnahmen.
Deutschland will es bis 2045 schaffen und Emden, wenn es nach den Ratsgrünen geht, bis 2035. Alle privaten Emder Haushalte sollen bis zum Jahre 2030 zu 100 Prozent mit Grünstrom und klimaneutralem Erdgas beliefert werden, ist ein Vorsatz der Stadtwerke. Die Stadt ist bereits eine vom Bund geförderte „Masterplan-100-Prozent-Klimaschutz-Kommune“.
Dabei ist die Stadt offenbar auf einem sehr guten Weg. Laut einer Studie des IRS-Leibniz-Instituts und der Universität Potsdam kommt Emden bundesweit auf den 20. Platz von 104 verglichenen Städten. Die Forschenden hätten sich überrascht gezeigt, dass selbst kleine Städte wie Emden „eine Spitzenposition im Klimaschutz belegen“ können, sagte Jann Gerdes bei der Vorstellung der Studie im vergangenen Oktober.