Hamburg Preis, Funktionen, interne Zweifel: Was wir über Apples kommendes VR-Headset wissen
Apples Headset für virtuelle und gemischte Realität gilt als größte Neuheit des Unternehmens seit dem iPhone. Noch in diesem Jahr soll es erscheinen; trotz interner Zweifel an Sinn und Zweck des Geräts. Was – neben dem wohl hohen Preis – bereits durchgesickert ist.
Journalisten, Analysten und Blogger mit Apple-Schwerpunkt haben bereits zahlreiche Informationen zu Apples VR-Headset zutage gefördert – darunter auch die Bedenken von Apple-Mitarbeitern. Eine Übersicht.
Marktstart: Apple arbeitet seit etwa sieben Jahren an einem Gerät, das die digitale und die reale Welt zusammenführt. Im Juni soll das Unternehmen dieses Headset für virtuelle (VR) und gemischte Realität (XR) vorstellen und einen Verkaufsstart für Herbst oder Ende des Jahres ankündigen. Auch ein Marktstart Anfang 2024 scheint möglich. Als Name werden „Reality Pro“ und „Reality One“ gehandelt.
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Preis: Apples VR-Headset soll rund 3000 US-Dollar kosten, umgerechnet rund 2900 Euro. Diesen hohen Preis hatte zunächst der US-Journalist und Apple-Experte Mark Gurman von Bloomberg News genannt, verschiedene weitere Berichte haben ihn seitdem bestätigt. Das hat auf Twitter bereits für Spott gesorgt.
Optik: Das Gerät soll unter anderem laut einem Bericht der „New York Times“ (NYT) einer Skibrille ähneln. Ein Gestell aus Karbon soll im Vergleich zu anderen VR-Brillen für ein geringes Gewicht und höheren Tragekomfort sorgen. Die Apple-Gerüchte-Seite macrumors.com hat einen Entwurf auf Grundlage der bisher bekannten Informationen erstellt:
Bildschirme: Unter anderem die NYT und Mark Gurman berichten, dass Apple in seiner VR-Brille zwei Micro-OLED 4K-Bildschirme verbaut. Dort sollen nicht nur digitale Inhalte, Apps oder Filme angezeigt werden: Nutzer sollen dank nach außen gerichteter Kameras auch ihr Umfeld weiterhin im Blick haben; mit einem „Reality Dial“ sollen sie regeln können, ob und mit welcher Sättigung die reale Welt und die virtuelle Welt angezeigt werden. Vorbild für das „Reality Dial“ könnte der Lautstärkeregler „Digital Crown“ von Apples Kopfhörern Airpods Max sein.
Laut Gurman soll ein nach außen gerichteter Bildschirm zudem die Augen des Trägers anzeigen. Dieses Gerücht ist jedoch umstritten. Da das Headset offenbar nicht mit einer herkömmlichen Brille getragen werden kann, soll Apple kostenpflichtige Linsen anbieten. Außerdem soll Augen-Tracking für scharfe Darstellung beim Nutzer sorgen.
Technik: Laut Mark Gurman wird Apples VR-Headset vom firmeneigenen M2-Chip angetrieben. Außerdem soll das Gerät einen gesonderten Bildbearbeitungsprozessor sowie 16 Gigabyte Arbeitsspeicher haben.
Apples Headset soll keine Joysticks für die Hände haben, wie unter anderem von Metas Quest oder Sonys Playstation VR2 bekannt. Stattdessen sollen Nutzer Inhalte und Menüs mit Hand- und Findergesten steuern, die von den Außenkameras erfasst werden.
Batterie: Laut mehreren Berichten wird Apple dem VR-Headset ein externes Batterie-Paket beilegen. Dieses sollen Nutzer an der Hüfte oder der Hosentasche befestigen und per Kabel mit der Brille verbinden. Die externe Batterie soll verhindern, dass sich das Headset im Betrieb stark erwärmt, wie es bei anderen VR-Brillen der Fall ist. Möglich scheint, dass sich auch die Computereinheit im Hüftpaket befindet. Die Batterielaufzeit soll rund zwei Stunden betragen.
Einsatz: Apple VR-Brille soll vor allem für Videoanrufe via Apples Facetime-App geeignet sein. Allerdings ist Facetime vor allem in der Geschäftswelt kaum verbreitet. Auch Gaming soll ein wichtiger Bereich für die neue Geräteklasse werden. Laut Mark Gurman sollen Filme und Serien von Apple TV+ und Disney VR-Inhalte bekommen. Außerdem sollen Mac-Nutzer mit VR-Headset einen großen, virtuellen Arbeitsplatz erschaffen können. Auf Apples VR-Brille soll das Betriebssystem „xrOS“ arbeiten, das im Betrieb stark an das vom iPhone bekannte iOS erinnern soll.
Überraschende interne Kritik: Laut NYT sind selbst jetzt – wenige Wochen vor der gehandelten Vorstellung des Headsets während der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni – zahlreiche Apple-Angestellte ungewöhnlich skeptisch, ob das Gerät insgesamt eine gute Idee ist. Demnach suchten die Mitarbeiter vergeblich nach dem herausstechenden und massentauglichen Anwendungszweck des Headsets – besonders vor dem Hintergrund des mutmaßlich hohen Verkaufspreises von 3000 Dollar. Ein ähnliches Fazit hatte auch der US-Apple-Blogger John Gruber in seiner Analyse gezogen.
Laut „Financial Times“ hat sich Apples Design-Team von Anfang an gegen den Bau eines VR-Headsets im Stil eine Skibrille ausgesprochen. Die Designer wollten stattdessen ein Gerät entwickeln, das wie eine herkömmliche Brille aussieht. Allerdings wird es noch Jahre dauern, bis die verfügbare Technik solche Geräte ermöglicht.
Apples Begründung: Apple-Chef Tim Cook hat mehrfach betont, dass er VR und XR als sehr wichtige Technologie für die Zukunft betrachtet. Apple soll das erste VR-Headset laut NYT als Brückentechnologie verstehen, so die NYT. Mit der ersten Version will das Unternehmen demnach Erfahrungen sammeln und verstehen, wofür Kunden das Gerät verwenden. Außerdem sollen Entwickler Inhalte, Apps und Spiele für die neue Plattform bauen, um mehr Kunden anzulocken.
Unter anderem Mark Gurman und der gut informierte Analyst Ming-Chi Kuo berichten, dass Apple bereits an günstigeren sowie leistungsstärkeren Folgemodellen des Headsets arbeitet.