Berlin  Datingerfolg durch KI? Wenn der Computer das Flirten übernimmt

Anneke Rieterken
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Von Anneke Rieterken
| 27.03.2023 20:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Chatbot der mit Frauen schreibt und Männern Dates organisiert - das könnte bald Normalität werden. Foto: IMAGO IMAGES/Westend61
Ein Chatbot der mit Frauen schreibt und Männern Dates organisiert - das könnte bald Normalität werden. Foto: IMAGO IMAGES/Westend61
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Ein Chatbot, der frustrierten heterosexuellen Männern Dating-Erfolge verspricht – und das ganz ohne eigenes Zutun. Was absurd klingen mag, machen die Entwickler der App CupidBot möglich. Ihr Versprechen: Mehrere Dates pro Woche. Was dahinter steckt.

Mehrere Dates pro Woche, genau den Typ Frau finden, der einem gefällt, keine Matches mit Bekannten und die automatische Integration von Dates in den eigenen Kalender: Das ist nur eine Auswahl der Versprechen, mit denen die Macher von CupidBot dating-frustrierte Männer anlocken wollen. Für 30 Dollar im Monat soll die App nach Abschluss einer aktuell laufenden Testphase das komplette Online-Dating-Prozedere ihrer User übernehmen.

Auch für die Sparfüchse hat CupidBot eine Option in petto: Für 15 Dollar kann man einer Testgruppe beitreten und die Beta-Version der App mit eigenen Daten antrainieren. Nach Launch der App sollen die Beta-Nutzer noch drei Monate lang von einer vergünstigten Version profitieren können.

Mithilfe der App soll Männern, die ihr Glück auf Dating-Plattformen noch nicht finden konnten, das als lästig dargestellte Flirten abgenommen werden. Was für den Mann nach Entspannung und höchstens einem kleinen Nervenkitzel klingt, könnte seinem weiblichen Gegenüber jedoch negativ aufstoßen. Denn im Zweifel wird aus dem wortgewandten Chatpartner ein stillschweigendes Date. Von dem Fakt, dass man mit einem Computer geflirtet hat, abgesehen.

Warum die App nur männliche Nutzer anspricht, erklärte der Sprecher von CupidBot dem „Vice Magazine“ mit dem angeblich hohen Leidensdruck der Männer: „Wir fokussieren uns auf die Dating-Erfahrung von heterosexuellen Männern, weil diese Gruppe am meisten unter Dating-Apps leidet. Es kostet sie immens viel Zeit, auch nur ein einziges Date pro Monat zu haben.“

Dass CupidBot die passenden Machtes findet, gelingt durch den Einsatz einer Künstlichen Intelligenz. Dem „Tagesspiegel“ zufolge handelt es sich bei der KI um eine zugeschnittene Version des von OpenAI entwickelten Programs GPT-4. Die KI wertet für den Nutzer Bilder, Biographien und Interessen von weiblichen Profilen auf Dating-Plattformen aus und kann darauf trainiert werden, Personen nur dann zu matchen, wenn sie optisch in das eigene Suchschema passt.

Auch wenn die App-Entwickler mit Sätzen, wie „Was wäre wenn dein Wingman [als Wingman bezeichnen die Entwickler die KI, die für die männlichen Nutzer mit den Frauen chattet] 20.000 Dates und Telefonnummer bekommen hätte?“ werben, weisen sie Kritik an eben dieser Herangehensweise zurück. Ein Sprecher rechtfertigte sich gegenüber dem „Vice Magazine“ und erklärte, dass es nicht das Ziel von CupidBot sei, Dating-Apps mit künstlichen Konversationen zu überschwemmen oder Frauen zu objektivieren.

Dass Frauen auf Dating-Apps ohnehin schon mit falschen Versprechungen, Bedrohungen und sexuellen Übergriffen konfrontiert sind, geht aus verschiedenen Medienberichten hervor. Bisher ist unklar, inwiefern die Unsicherheit, ob man mit einem Chatbot oder einem Menschen schreibt, das Vertrauen von Frauen in Dating-Apps steigern wird.

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