Gastronomie in Aurich Hafenkiste ist im Internet schwer zu finden
Die vor drei Wochen wiedereröffnete Hafenkiste in Aurich muss sich gegen digitale Spuren des vorherigen Betreibers im Netz behaupten. Das ist schwerer, als es klingt.
Aurich - Wo kann ich was essen? Kaum eine Frage kann drängender sein, wenn Urlauber in einer fremden Stadt sind und Hunger haben. Eine der wichtigsten Quellen, um Restaurants zu finden, sind Suchmaschinen im Internet. „Google hat einen sehr hohen Stellenwert für uns“, sagt David Zirnsack. Er ist seit 1. Januar Betreiber des Restaurants Hafenkiste in Aurich. Das Gebäude der Gaststätte gehört der Stadt, die es früher an Ewald Maas verpachtet hatte. Der Auricher Unternehmer hatte die Hafenkiste zwei Jahre lang geschlossen. Seine Begründung: Er finde kein Personal. Damit hat David Zirnsack nach eigenen Aussagen keine Probleme: „Ich habe derzeit 32 Mitarbeiter und bin immer noch auf der Suche, weil ich im Sommer sicher noch mehr Angestellte benötige, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.“ Der neue Hafenkiste-Pächter hat aber ein anderes Problem. Wenn der Name seines Restaurants in die Suchmaschine Google eingegeben wird, taucht der Begriff „Unbenanntes Dokument“ auf. Es ist zwar möglich, die dahinterliegende Seite mit einem Klick zu öffnen. Dann ploppt eine einzige Seite auf, die auf das Frühstücksbuffet und das große Schlemmer-Frühstücksbuffet der Hafenkiste hinweist − inklusive der Öffnungszeiten. Diese sind sehr gästefreundlich: Täglich von 9 Uhr bis open end kann die Hafenkiste besucht werden.
Was und warum
Darum geht es: Über ein neues Restaurant kursieren falsche Fakten im Netz.
Vor allem interessant für: Gäste und Betreiber von Gaststätten
Deshalb berichten wir: Der Redaktion war bei einer Recherche die Widersprüchlichkeit der Informationen über die Gaststätte aufgefallen. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Irritierend ist, dass noch alte Öffnungszeiten im Netz kursieren. Wenn man bei anderen Suchmaschinen „Hafenkiste“ eingibt, wird als Information von Tripadvisor angezeigt, dass das Restaurant am Montag geschlossen ist. Tripadvisor ist nach eigenen Angaben das größte Gaststätten-Bewertungsportal der Welt. Pro Monat, so das Unternehmen, besuchen 463 Millionen Nutzer die Internetseite oder die App, um sich im Urlaub oder auf Ausflügen zu orientieren, Restaurants und Sehenswürdigkeiten zu suchen und zu bewerten. Tripadvisor hat eine entsprechend große Marktmacht − wie viele andere Portale dieser Art auch.
Verwirrende Angebotsvielfalt
Renate Mitulla bestätigt auf Anfrage der Redaktion, wie wichtig diese Portale für ein Restaurant oder eine Kneipe seien, wenn man ein „Social-Media affines Publikum habe“ . Die Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Niedersachsen fügt allerdings auch sofort hinzu, dass sie es aufgegeben habe, eine Übersicht über diese Angebote im Netz zu erstellen. Sie könne auch nicht sagen, wie viele Portale es gebe. „Das läuft uns davon. Es ändert sich so viel. Das bezieht sich auch auf die Frage, ob die Registrierung kostenlos ist oder nicht.“ Jeder Betreiber eines Restaurants müsse sich bei den meisten Portalen selbst anmelden. Es gebe einen Button „Ein Unternehmen hinzufügen“, den man aktivieren müsse. Dann öffne sich ein Fenster, durch das das Eintragen der wichtigsten Informationen möglich ist, nämlich Name, Adresse und Restaurant-Typ. Viele Portale funktionieren über die Bewertungen der Gäste, die zwangsläufig subjektiv sind. Darauf weist Tripadvisor ausdrücklich hin: „Diese Bewertung ist die subjektive Meinung eines Tripadvisor-Mitglieds.“ Aber: Tripadvisor versichert, Bewertungen zu überprüfen, ohne zu erklären, wie das funktioniert.
Kein Wunder also, dass der Dehoga in NRW solche Portale nicht unkritisch sieht. Vor allem Fake-Bewertungen, also bewusst falsche Bewertungen, könnten ein Problem sein, so der Verband. Bei einer Dehoga-Umfrage im Jahr 2020 gaben 78 Prozent der befragten Gastronomen an, bereits ungerechtfertigt im Internet bewertet worden zu sein, 29,5 Prozent davon „leider schon oft“ . Ungerechtfertigt seien Online-Bewertungen dann, wenn zum einen sogenannte „Fake-Gäste“ Bewertungen abgeben, also vermeintliche Gäste, die den Betrieb gar nicht besucht haben, oder wenn zum anderen Gastronomen mit schlechten Bewertungen gedroht würde, falls keine Vergünstigungen gewährt werden, so der Dehoga. Wenn indessen die Fakten über ein Restaurant, nämlich die Öffnungszeiten oder die Adresse, fehlerhaft seien, schlage das auf beiden Seiten negativ durch, sagt Renate Mitulla. „Wenn eine Gaststätte im Internet als geöffnet geführt wird und die Gäste reisen an, stehen aber vor verschlossener Tür, ist die Enttäuschung begreiflicherweise groß. Andersherum ist es für einen Betreiber misslich, der schon lange geöffnet hat, sich aber wundert, dass keiner kommt, weil fehlerhafte Informationen über seinen Betrieb kursieren.“
Restaurant muss zustimmen
Auch die Ostfriesland Tourismus GmbH hat die Wichtigkeit von Essen und Trinken für den Gast erkannt: „Kulinarik ist ein ganz großes Thema“, sagt Sprecherin Wiebke Leverenz. Deshalb biete man unter www.ostfriesland.travel.de eine Übersicht der Gaststätten und Cafés in der Region an. Man sei allerdings darauf angewiesen, dass die erforderlichen Informationen von den Tourismusbeauftragten in den jeweiligen Städten und Gemeinden komme. In Aurich ist dafür der Verkehrsverein zuständig. „Um im konkreten Fall die Information über die Hafenkiste weitergeben zu können, benötigen wir eine Zustimmung des Restaurants. Die steht bisher noch aus“, sagte eine Sprecherin des Verkehrsvereins.
Sie könne verstehen, dass es für den Betreiber einer Gaststätte in den Wirren der Eröffnung keine Priorität habe, sich um die Präsenz seines Restaurants in der digitalen Welt zu kümmern. Gegessen werde schließlich immer noch analog. Auch David Zirnsack ist zuversichtlich, dass seine Präsenz im Internet Schritt für Schritt besser und aktueller wird. Für Rückfragen von Gästen ist er bis auf Weiteres unter 0152/31343005 erreichbar. Der Festnetz-Anschluss funktioniere nämlich noch nicht. Und der werde im Netz leider immer noch bekannt gegeben.