Datenerhebung mal anders  Müllfahrzeuge spüren Mobilfunklöcher auf

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 28.03.2023 10:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch im Landkreis Leer werden Messgeräte in Müllwagen installiert. Fahrer Kai Möller legt das Gerät auf dem Armaturenbrett ab. Fotos: Archiv/Wehry
Auch im Landkreis Leer werden Messgeräte in Müllwagen installiert. Fahrer Kai Möller legt das Gerät auf dem Armaturenbrett ab. Fotos: Archiv/Wehry
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Wie löchrig ist das Mobilfunknetz im Landkreis Aurich wirklich? Das wird seit August mithilfe von Messboxen in Müllfahrzeugen untersucht. Einige Lücken haben sich bereits herauskristallisiert.

Aurich - Das Mobilfunknetz im Landkreis Aurich ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Das weiß jeder, der auf dem Weg von Großefehn nach Norddeich oder von Greetsiel nach Plaggenburg ein längeres Telefongespräch führen will. Doch wie schlecht ist es um die Netzabdeckung tatsächlich bestellt? Seit dem 1. August vergangenen Jahres sind Müllfahrzeuge im Landkreis Aurich dabei, ein Jahr lang Funklöcher in den 4G- und LTE-Netzen aufzuspüren. Da die Müllfahrzeuge jeden Haushalt anfahren, wird das Kreisgebiet automatisch flächendeckend untersucht – mit Ausnahme der Vogelinsel Memmert.

So sehen die Messgeräte aus.
So sehen die Messgeräte aus.

Drei Sammelfahrzeuge des Abfallwirtschaftsbetriebs seien mit sogenannten Echtnetz-Boxen der Firma STF ITech GmbH aus Dülmen (NRW) ausgestattet worden, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage mit. Damit werde die Mobilfunkleistung kontinuierlich gemessen. Die achteckigen Geräte werden über den Zigarettenanzünder mit Strom versorgt und versuchen immer wieder, sich in die Mobilfunknetze einzuwählen. Der Landkreis will ein umfassendes Bild. Jedes Mobilfunkloch soll aufgespürt werden, auch auf den Inseln. Dort sind die Messboxen teilweise auf Pferdefuhrwerken installiert worden.

Nur die Vögel haben kein Netz

Memmert ist laut dem Mobilfunkatlas des Breitbandzentrums Niedersachsen-Bremen eines der wenigen Funklöcher im Landkreis Aurich. Das Problem: Als weiße Flecken gelten nach der Definition des Breitbandzentrums nur Gebiete, die von keinem der drei großen Mobilfunknetzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland versorgt werden. Wenn aber nur eines der drei Netze funktioniert, stecken die Kunden der anderen Anbieter in der Regel trotzdem im Funkloch. Erschwerend kommt hinzu, dass das Breitbandzentrum Daten verwendet, die von den Anbietern selbst kommen, nicht von Nutzern oder Kommunen. Die Angaben sind also womöglich geschönt.

Eben das soll nun durch eine eigene Abdeckungskarte des Landkreises geändert werden. Die Daten dazu kommen von den Müllfahrzeugen. „Nach gut der Hälfte der Zeit haben sich bereits einige Versorgungslücken herauskristallisiert, die damit jetzt bestätigt und offiziell dokumentiert sind“, schreibt die Pressestelle der Kreisverwaltung. Wo sich diese Lücken befinden, verrät Pressesprecherin Christel Foortmann nicht. Nach Abschluss der Messungen werde man das Gesamtergebnis dem Wirtschaftsausschuss des Kreistags vorstellen, also erst in der zweiten Jahreshälfte.

Der Landkreis Leer macht es genauso

Das Projekt endet am 31. Juli. Direkt im Anschluss will der Landkreis gemeinsam mit den Mobilfunkunternehmen prüfen, wie die Versorgung verbessert werden kann. Wo sich der Ausbau für die Netzbetreiber wirtschaftlich nicht lohnt, soll mit staatlichen Fördermitteln nachgeholfen werden – wie beim Breitbandausbau.

Auch der Landkreis Leer hat im Oktober 2022 damit begonnen, die Mobilfunkabdeckung mithilfe von Müllfahrzeugen zu untersuchen. Er nutzt dieselbe Technik wie die Kollegen im Landkreis Aurich, hat allerdings nur zwei Geräte gemietet, eins weniger als Aurich. Auch im Kreis Leer werden die Ergebnisse nach Angaben der Pressestelle erst zum Ende der Datenerhebung vorgestellt.

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