Neue Arbeitsmodelle Mit „Workation“ Arbeit und Urlaub vereinen
Die RVB Aurich arbeitet an einem Konzept, es möglich zu machen: dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Eine Ostfriesin, die „Workation“ schon ausprobiert hat, erzählt von ihren Erfahrungen.
Ostfriesland - Wie schaffe ich es, mir gute und qualifizierte Arbeitskräfte ins Unternehmen zu holen? Diese Frage beschäftigt in Zeiten des Fachkräftemangels wohl die meisten Führungskräfte und Personalleiter, so auch bei der Raiffeisen-Volksbank (RVB) Aurich. Die Antwort darauf scheint zu sein, Arbeitsmodelle neu zu denken. Denn gerade jungen Menschen und Angestellten mit Familien wird ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben – Work-Life-Balance genannt – immer wichtiger. Sie wünschen sich Home-office-Möglichkeiten und mehr Freizeit, zum Beispiel in Form von Vier-Tage-Wochen.
Was und warum
Darum geht es: Arbeiten von wo man will, das meint der Begriff „Workation“. Die RVB Aurich will das einführen und so auf dem Arbeitsmarkt attraktiver werden. Eine Ostfriesin, die schon so arbeitet, erzählt, wie das bei ihr so läuft.
Vor allem interessant für: Arbeitgeber und -nehmer
Deshalb berichten wir: Der RVB-Vorstandschef hatte in den sozialen Medien gepostet, dass dort über das Modell nachgedacht wird. Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de
Letzteres wurde in diesem Jahr testweise für 44 Vollzeit-Angestellte bei der RVB Aurich eingeführt. Und nun hat deren Vorstandsvorsitzender Johann Kramer eine weitere Idee auf den Weg gebracht: „Workation“ nennt sich das Ganze – eine Kombination aus den englischen Wörtern Work (Arbeit) und Vacation (Urlaub). Arbeiten, von wo man möchte. „Wir bieten unseren Angestellten da, wo es möglich ist, zwei Tage die Woche mobiles Arbeiten an. An sich spricht nichts dagegen, die Mitarbeitenden von der Pflicht zu entkoppeln, das von zu Hause aus zu tun“, so Kramer. Dadurch will die Bank nicht nur denen, die bereits dort angestellt sind, bessere Bedingungen schaffen, sondern auch als Arbeitgeber attraktiver werden. „Einige große Firmen bieten das an. Wir müssen sehen, dass wir da als kleines regionales Institut mithalten können“, sagt der RVB-Vorstandschef.
Arbeitsgruppe feilt an Rahmenbedingungen
Dafür müssten jedoch einige Anforderungen von den Angestellten erfüllt werden: Eine stabile und vor allem sichere Internetverbindung, bei der keine Daten abgegriffen werden können, müsse ebenso gegeben sein, wie ein separater Arbeitsplatz. „Das Bankgeheimnis muss gewahrt werden. Da kann man nicht mit seinem Laptop im Liegestuhl am Strand liegen“, stellt der Kramer klar. Kontrolliert werde das jedoch nicht: „Wir vertrauen unseren Mitarbeitenden und setzen auf Eigenverantwortung. Das tun wir im Home-Office ja auch“, so Kramer.
Nun werde in einer Arbeitsgruppe an den Rahmenbedingungen gefeilt, die dann in einer Betriebsvereinbarung festgehalten werden. Nach Ostern soll es für die Angestellten offiziell möglich sein, „Workation“ zu machen. „Es ist nur ein erster Schritt, der als Einstieg zu verstehen ist“, erklärt Kramer. So sei es zunächst nicht möglich, gleich 14 Tage am Strand von Griechenland zu arbeiten. „Es sollen erst einmal nur vereinzelte Tage als ‚Workation‘ genommen werden können, das bietet sich bei Brückentage zum Beispiel an“, sagt er. „Das kann in ein paar Jahren aber schon ganz anders aussehen. Wir tasten uns langsam an das Thema heran“, sagt er.
Tagsüber Anrufe, abends Urlaub
Für die Wahl-Hamburgerin Maraike Franzen, die ursprünglich aus Remels kommt, ist das schon Realität. Sie arbeitet in einem Medienunternehmen in der Hansestadt und hat kürzlich zum ersten Mal „Workation“ in Frankreich gemacht. „Bei uns dürfen die Mitarbeitenden bis zu sechs Wochen im Jahr im europäischen Ausland arbeiten. Das habe ich genutzt, um eine Woche lang eine Freundin im Elsass zu besuchen“, erzählt die 27-Jährige. Da sie eh viel im Home-Office arbeitet, mache ein weiterer Arbeitsort außerhalb der Firma für sie keinen großen Unterschied. „Wir haben viele internationale Partner. Deshalb finden die meisten Termine sowieso online per Video-Call statt“, sagt sie.
Bedenken, dass durch die Verbindung von Arbeitszeit und Urlaub die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem verschwimmen, hatte Franzen nicht. „Dadurch, dass ich in Hamburg oft von zu Hause arbeite, habe ich diese Trennung inzwischen schon gelernt“, so die 27-Jährige. Für sie sei es eher ein Vorteil, dass sie sich für ihre Reise nicht extra Urlaub nehmen musste. Aber: „Das Ganze muss natürlich vorher gut geplant und im Team abgesprochen werden“, sagt die 27-Jährige. Außerdem müsse die „Workation“ bei der Personalabteilung im Voraus angemeldet werden. „Das habe ich im Januar gemacht. Und jetzt hatte ich tagsüber Calls und abends Urlaub. Das war super“, findet Franzen. Sie hat sich vorgenommen: „Das werde ich öfter so machen.“
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