Fragen und Antworten  Die neue Fähre von Emden nach Norwegen – das müssen Sie wissen

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 27.03.2023 16:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Die Fähre „MS Romantika“ bietet Platz für bis zu 2500 Passagiere – und soll ab Juni von Emden aus regelmäßig Kristiansand in Südnorwegen anlaufen. Foto: Kooren/HNL
Die Fähre „MS Romantika“ bietet Platz für bis zu 2500 Passagiere – und soll ab Juni von Emden aus regelmäßig Kristiansand in Südnorwegen anlaufen. Foto: Kooren/HNL
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Die niederländisch-norwegische Reederei HNL wird Emden als Hafen für eine Fährverbindung von und nach Norwegen nutzen. Darin liegen nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen für die Stadt.

Emden - Es ist Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) am Freitag anzumerken, wie zufrieden er ist. Der Stadt ist es gelungen, die niederländisch-norwegische Reederei HNL (Holland Norway Lines) zumindest für die kommende Saison nach Emden zu holen. Ab Juni will der Fähranbieter bis auf Weiteres regelmäßige Fährverbindungen von Emden nach Kristiansand im Süden Norwegens anbieten.

Was und warum

Darum geht es: Ab Juni soll es ein Fährangebot von Emden nach Kristiansand geben.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Anbindung Emdens an andere Orte interessieren; Touristen; Emder, denn: da wird noch eine Schippe Verkehr Richtung Borkumkai draufgelegt.

Deshalb berichten wir: Am Freitag gab es eine Pressekonferenz mit der Reederei HNL.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Bis zu 250.000 Passagiere sollen, so eine Schätzung von HNL-Geschäftsführer Morten Aggvin, die Verbindung nutzen. Bislang startete das Unternehmen vom niederländischen Eemshaven aus. Das ist, unter anderem aufgrund eines unsicheren Liegeplatzes, aber nicht mehr zuverlässig möglich. Seit Anfang des Jahres suchte das Unternehmen deswegen nach einer Alternative. Bis in Emden alles vorbereitet ist, wird HNL ab April die Verbindungen zunächst über Cuxhaven anbieten.

Warum hat sich HNL für Emden entschieden?

Die Häfen in Eemshaven und Emden seien sich „ähnlich“, so Aggvin auf einer Pressekonferenz im Hub in Emden am Freitag. In Emden sei bereits genügend Infrastruktur vorhanden, so dass man mit wenig Aufwand von hier aus starten und hier anlanden könne. Zudem sei Emden für die niederländischen Kunden gut zu erreichen. Man verspreche sich auch eine noch bessere Erschließung des deutschen Marktes, ohne den niederländischen Markt zu vernachlässigen.

Wie lange wird HNL in Emden bleiben?

Das ist noch offen. „Wir sind ein niederländisches Unternehmen“, betonte Aggvin am Freitag mehrfach. Ziel von HNL, die erst seit April vergangenen Jahres ihre Fährverbindungen anbieten, sei es weiterhin, von Eemshaven aus zu operieren. Es sei aber „sehr sicher“, dass sich da für diese Saison keine Lösung finden werde, so Aggvin. Wie lange Emden im Endeffekt durch die Norwegen-Fähre „MS Romantika“ bedient wird, ist aber offen. Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff hofft, „dass HNL die Vorteile des Standorts Emden erkennt“. Eine dauerhafte Ansiedlung, vielleicht auch im Wechsel mit Eemshaven, könne er sich „sehr gut vorstellen“.

Das Unternehmen habe, so heißt es in einer ergänzenden Pressemitteilung am Freitag, aber bereits die Absichtserklärung unterschrieben, ab Juni Emden anzulaufen. Das wird auch seit dem Nachmittag auf der Internetseite von HNL so kommuniziert. In einer Pressemitteilung von HNL heißt es, dass man bemüht sei, ab Januar 2024 wieder Fahrten ab Eemshaven anzubieten.

Warum erst die Abfahrten ab Cuxhaven?

Bevor es in Emden losgehen kann, müssen noch ein paar Fragen geklärt werden. Die Stadt tritt hier vor allem als Mittler zwischen der Reederei HNL, Niedersachsen-Ports als Besitzer der Hafenflächen und der AG Ems auf. In Cuxhaven gebe es aktuell ein nicht genutztes Terminal am Hafen, welches die Reederei anlaufen kann, so Aggvin. Daher biete man die Überfahrten zunächst von dort aus an. Der Reederei gehe es vor allem darum, sich weiter am Markt zu etablieren. Das sei in Eemshaven gerade nicht möglich, weil der priorisierte Liegeplatz entfallen sei.

Von wo aus wird die MS Romantika abfahren?

Eine der Fragen, die in Emden noch geklärt werden muss, ist die Nutzung der sogenannten RoRo-Rampe. RoRo steht für „Roll on, roll off“, bezeichnet also größere Schiffe, die mit Autos und Lastwagen befahren werden können. Die notwendige Rampe existiert seit rund 20 Jahren, so Marcel Diekmann, Geschäftsführer von EMS Maritime Offshore, einer Tochtergesellschaft der AG Ems. Aktuell werde die Rampe vor allem für die Auslieferung von VW-Fahrzeugen für den englischen Markt genutzt. „Die Rampe liegt im Sicherheitsbereich“, so Diekmann. Hier müsse man noch in Absprache mit Niedersachsen-Ports eine Möglichkeit finden, dass der Bereich ohne Sicherheitsausweis betreten werden kann.

Marcel Diekmann (AG Ems, von links), Morten Aggvin (HNL), Emdens Touristik-Chefin Martje Merten und Oberbürgermeister Tim Kruithoff präsentierten den Stand der Planung. Foto: Hock
Marcel Diekmann (AG Ems, von links), Morten Aggvin (HNL), Emdens Touristik-Chefin Martje Merten und Oberbürgermeister Tim Kruithoff präsentierten den Stand der Planung. Foto: Hock

Die große Rampe steht an einem Liegeplatz in direkter Verlängerung des Borkum-Anlegers der AG Ems im Emder Außenhafen. Die dortige Infrastruktur werde auch ab Juni weiterhin von anderen Hafennutzern wie Volkswagen benötigt, so Diekmann. „Auch das müssen wir noch genau planen und abstimmen.“

Wie viele Passagiere passen auf die MS Romantika?

Die 2002 gebaute Fähre, die von der estländischen Firma Tallink an HNL verchartert wird, fasst bis zu 2500 Passagiere sowie zwischen 250 und 300 Autos. Um einen reibungslosen Ablauf in Emden zu ermöglichen, muss HNL noch etwas Infrastruktur aufbauen, unter anderem einen Check-In-Bereich. Dies sei, so Aggvin, aber ohne Probleme in der verbleibenden Zeit zu schaffen. Stellflächen für die wartenden Autos seien am Anleger vorhanden, dort würde auch VW Autos für den Weitertransport geparkt werden.

Wie hoch wird die Belastung für Emden?

Die zusätzlichen Autos und Lastwagen werden, das steht außer Frage, für eine zusätzliche Belastung auf Emdens Straßen sorgen. „Wir haben das simuliert und halten es für machbar“, so Oberbürgermeister Kruithoff. Dennoch müsse man beispielsweise die Beschilderung noch optimieren. „Und wir müssen das auch genau takten, so dass es nicht zu Problemen beispielsweise zum Schichtwechsel bei VW kommt“, so Kruithoff.

Die zusätzliche Verkehrsbelastung sei vor allem bei der ankommenden Fähre zu erwarten, so Kruithoff. „Diejenigen, die von hier aus wegfahren wollen, kommen nicht alle auf einmal“, sagte er. Anders sei das natürlich, wenn gleichzeitig viele Autos die Fähre verlassen und zum Beispiel Richtung Autobahn wollen.

Was verspricht sich Emden von der neuen Fähre?

Die Stadt hofft vor allem darauf, dass durch die Fähre auch zumindest Tagesgäste in die Stadt kommen. Vor allem bei den Abfahrenden, die vielleicht früher anreisen, erhofft man sich, dass diese „auch Wertschöpfung in die Stadt bringen“. Man sei bereits mit HNL in Gesprächen, ob man dies mit besonderen Angeboten noch verstärken könne. Die Hoffnung ist, dass es zu einer dauerhaften Ansiedlung kommt.

Mit den Abläufen im Hafen hat die Stadt so derweil nichts zu tun. Das wird über die Hafenwirtschaft erledigt. Aggvin betonte, dass man auch bei Wartung und Unterhalt während der Liegezeiten auf örtliche Dienstleister setzen wolle.

Welche Überfahrten werden angeboten?

HNL will drei bis vier Überfahrten pro Woche ab Emden in der Hauptsaison anbieten. Im Winter drei Überfahrten pro Woche. Von Eemshaven aus braucht die MS Romantika rund 18 Stunden bis Kristiansand. Aggvin geht davon aus, dass die Überfahrt ab Emden nur geringfügig länger dauern wird. Das hänge aber auch vom Wetter sowie weiteren Faktoren ab.

Was kostet die Fahrt?

Online kann ein Ticket schon gebucht werden. Die Preise variieren stark. 380 bis 710 Euro pro Fahrt, wenn man auch sein Auto unterbringen muss, scheinen der Standard zu sein, wobei der günstigere Preis vor allem bei der Rückfahrt von Kristiansand zu greifen scheint. Wenn man ohne Auto unterwegs ist, liegen die Preise bei den Stichproben dieser Zeitung konstant bei 170 Euro, egal welcher Starthafen.

Hinzu kommen stets die Kosten für die Kabine, die laut HNL gebucht werden muss. Hier geht es bei rund 100 Euro los. „Wie bei den meisten Fährunternehmen und anderen Reiseveranstaltern orientieren sich unsere Preise an Angebot und Nachfrage. Die Preise in der Nebensaison sind niedriger als in der Zwischen- und Hochsaison. Ferner variieren unsere Preise je nach Auslastung der jeweiligen Überfahrt“, heißt es auf der Internetseite der Reederei dazu. Neben der Überfahrt und den Kabinen kann man noch zahlreiche Zusatzoptionen buchen, darunter fällt auch beispielsweise das Frühstück.

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