Klimawandel und Photovoltaik  Alte Häuser umrüsten – wer soll das bezahlen?

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 23.03.2023 14:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Uli Maus im Garten ihres Hauses in Moorweg. Das Dach ziert seit neuestem eine Photovoltaikanlage. Foto: Oltmanns
Uli Maus im Garten ihres Hauses in Moorweg. Das Dach ziert seit neuestem eine Photovoltaikanlage. Foto: Oltmanns
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Ein Großteil der privat verbrauchten Energie geht für‘s Heizen drauf. Vor allem in alten Häusern, wo meist ältere Menschen leben, die kaum Geld für den Umbau haben. Ein Dilemma.

Wittmund/Moorweg - Uli Maus ist ziemlich stolz auf ihre Photovoltaikanlage, so viel wird beim Gang um ihr Haus in Moorweg jedenfalls klar. Nagelneu, flach und dunkel liegen die Module auf dem hellroten Dach. Die Anlage ist erst Anfang März in Betrieb gegangen, der Speicher noch gar nicht am Start. Trotzdem: Ein Drittel ihres Strombedarfs werde schon von der neuen Anlage gedeckt, sagt Maus. Dabei sei es in den letzten Wochen meist nicht besonders sonnig gewesen. Genau wie an diesem Tag, graue Regenschleier ziehen übers Land, ein Tag zum Drinbleiben.

„Mir geht es um die Wärmewende und die funktioniert nicht ohne Photovoltaik“, erklärt die 61-Jährige zurück in der warmen Küche. Die Anlage auf dem Dach ist nur der erste Schritt. Sie soll künftig den Strom liefern für die Wärmepumpe, die noch in diesem Herbst kommen und die bisherige Gasheizung ersetzen soll. Der energetische Umbau des Hauses ist ihr wichtig. Und eigentlich nicht nur der ihres eigenen Heims; alle alten Häuser müssten energetisch umgerüstet werden, findet sie. Maus ist in Wittmund Kreistagsmitglied für die Grünen.

Alte Häuser, alte Bewohner

Doch Photovoltaikanlagen für alle alten Häuser? Da gibt es ein Problem: „In älteren Häusern wohnen meist ältere Menschen und die können solche Kosten oft gar nicht stemmen“, stellt die Grünen-Politikerin fest. Da klafft also eine Finanzlücke. Die will Maus gern behoben sehen. In seiner jüngsten Sitzung beauftragte der Wittmunder Kreistag auf ihren Wunsch hin den Landrat Holger Heymann (SPD) damit, sich auf Bundes- und Landesebene für eine finanzielle Förderung von Photovoltaikanlagen auf Wohngebäuden der älteren Baualtersklassen einzusetzen.

Um mal ein paar Zahlen zu nennen: Die neue Photovoltaikanlage kostet Maus und ihren Mann rund 24.000 Euro. Inklusive Mehrwertsteuer wären es gut 28.000 Euro. Diese Steuer bräuchten sie aber nicht bezahlen, sagt Maus, leider die einzige Möglichkeit, beim Kauf einer solchen Anlage Geld zu sparen. Das bestätigt ein Blick auf die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen: „Da PV-Anlagen in der Regel wirtschaftlich zu betreiben sind, gibt es derzeit nur noch einen Kredit bei der KfW, jedoch keine sonstigen Förderungen mehr vonseiten des Bundes und des Landes“, heißt es dort. Einen Anreiz nennt die Agentur aber auch: Die Einspeisevergütung für PV-Strom, der ins Netz eingespeist werde, bestehe weiter und werde 2023 erhöht. Aber reicht das als Anreiz?

Altes Haus wird neu

Uli Maus und ihr Mann leben in einem alten Hofgebäude in der Nähe von Esens. Nicht ganz Alleinlage, aber viele Nachbarn gibt es auch nicht gerade. Wind und Regen haben hier freie Bahn. Das Heim besteht aus zwei Hausteilen, Baujahr 1938 und 1947. Maus und ihr Mann haben das Hofgebäude Anfang der 1990er gekauft und so nach und nach renoviert und energetisch besser aufgestellt. Also: Erstmal Ölheizung raus, Gasheizung rein. Dann neue Fenster, Dachdämmung, neue Heizkörper. Wärmepumpe war zwar angedacht, doch woher den Strom nehmen? Photovoltaik, hieß es in den ersten Jahren, mache in ihrem Haus keinen Sinn, da die Dächer nach Osten und Westen gingen.

„Aber dann kam das Solarkataster“, sagt Maus. Da habe es sich gezeigt, dass die Dachfläche nach Osten ausreichend Platz biete, um Sonnenenergie einzusammeln. Hintergrund: Die benachbarten Landkreise Friesland und Wittmund bieten seit Sommer 2021 ein gemeinsames Solarkataster an, auf dem jeder online prüfen kann, ob sein Haus für Photovoltaik geeignet ist – oder für Solarthermie oder eine Begrünung des Dachs. Tatsächlich kann man sich mit Hilfe des Katasters sogar genau ausrechnen lassen, wieviel Energie Module auf dem eigenen Dach erzeugen könnten.

Jede Menge alte Häuser

Der Bestand an alten Gebäuden ist in ländlichen Gebieten wie Ostfriesland nicht eben gering. In den Landkreisen Friesland und Wittmund gab es dazu im Vorfeld des Solarkatasters sogar ganz konkrete Untersuchungen. Mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass neue energieeffiziente Gebäude nicht eben der Standard sind.

Die Experten haben sogar ganz genau nachgezählt: Im Kreis Wittmund etwa gibt es gut 24.500 Häuser. Davon werden 23.740 bewohnt. Auch das Alter wurde ermittelt: 68 Prozent aller Gebäude in Friesland und Wittmund stammen aus den Jahren zwischen 1949 und 2001. Und was den Energieverbrauch für die Wärme angeht: Gut 40 Prozent des gesamten Wärmebedarfs entfällt auf Wohnhäuser mit dem Baujahr 1949 bis 1978.

Wer in solchen Häusern wohnt, kann sich unter anderem bei der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen informieren, welche Möglichkeiten es gibt, um Energie zu sparen. Dort werden unter anderem auch verschiedene Fördermöglichkeiten für energetische Sanierungen aufgeführt.

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