Einkaufen in Leer  Was wird aus den Leerständen in der Innenstadt?

Katja Mielcarek Michael Kierstein
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Von Katja Mielcarek und Michael Kierstein
| 23.03.2023 12:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Mühlenstraße ist ein wichtiger Anlaufpunkt in Leer. Foto: Wolters/Archiv
Die Mühlenstraße ist ein wichtiger Anlaufpunkt in Leer. Foto: Wolters/Archiv
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In der Leeraner Innenstadt ist Bewegung. Eine Neuansiedlung ist klar, es gibt jedoch auch weitere Gerüchte.

Leer - Zwei Frauen stehen in der Leeraner Mühlenstraße vor einem Schaufenster. „Meinst du, hier ist bald wieder was“, fragt die eine. „Ich glaube schon, guck mal, da ist schon ein Schild“, erwidert die andere. Das Gespräch der beiden fand vor dem ehemaligen Juwelier Hurdelbrink statt.

Was und warum

Darum geht es: Leerstände und Neuansiedlungen. In der Innenstadt von Leer ist Bewegung.

Vor allem interessant für: alle, die sich für die Leeraner Innenstadt interessieren

Deshalb berichten wir: In der Leeraner Innenstadt gibt es eine Neuansiedlung.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Auslöser war ein Aufkleber der Marke „Blumenkind“, der in einem der ausgeräumten Schaufenster klebt. Doch, der österreichische Schmuck-Hersteller wird nicht in die Ledastadt kommen. Auf Anfrage hieß es: „Unser Sitz ist in Österreich, wir haben nur einige Partner in Deutschland. Wir siedeln uns also nicht dort an.“ Das Geschäft wird also vorerst leer bleiben.

Neuansiedlung

Ein anderer großer Leerstand wurde allerdings beseitigt. Und das nach recht kurzer Zeit. Der ehemalige Standort von Kücks Biomarkt ist wieder belebt. An diesem Donnerstag öffnete der Bekleidungsdiscounter NKD dort seine Türen.

Ein Leerstand beseitigt: NKD hat sich angesiedelt. Foto: Kierstein
Ein Leerstand beseitigt: NKD hat sich angesiedelt. Foto: Kierstein

Kücks Biomarkt war nach Logabirum gezogen und hatte dort Anfang März seinen neuen Standort auf dem Gelände von Backring eröffnet. NKD schließt damit einen Leerstand am prominenten Eingang der Innenstadt – dem Frisia Center. Einige Geschäfte stehen jedoch weiterhin leer.

Sorge in der Politik

Dass in der Fußgängerzone eine ganze Reihe von Ladenlokalen schon seit geraumer Zeit leer stünden, finde sie bedenklich, sagte Christiane Kühmann von den Grünen in der der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur und stieß damit eine rege Diskussion an.

Blumenkind wird nicht nach Leer kommen. Foto: Kierstein
Blumenkind wird nicht nach Leer kommen. Foto: Kierstein

Sönke Eden (SPD) wünschte sich, dass die Stadtverwaltung versuchen soll, die Vermieter in die Pflicht zu nehmen, dass sie ihre Ladenlokale nicht an irgendwen vermieten, sondern mit der Auswahl ihrer Mieter für eine attraktive Fußgängerzone sorgen. „Das reguliert der Markt“, hielt ihm Hiltrud Richmond von der CDU entgegen. Außer Gesprächen habe die Stadt keine Möglichkeit der Einflussnahme.

Stadt sucht Gespräche

Die Sorge vor Leerständen könne man tatsächlich haben, bestätigte Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) im Ausschuss. Deswegen habe er das Gespräch mit Andreas Fricke, dem Vorsitzenden der Leeraner Werbegemeinschaft gesucht. Der habe ihm versichert, dass kein Grund zur Besorgnis bestehe. Die Stadt habe nach wie vor die Kraft, diese Situation zu bewältigen.

„Unsere Innenstadt steht gut dar“, betont Fricke im Gespräch mit der Redaktion. Man habe nach den Einschränkungen durch die Pandemie wieder gut ins Geschäft gefunden. „Die Frage bleibt aber, was wird mit den Energiepreisen? Das ist die Frage, die auch auf den Konsum drücken kann“, sagt er. Besorgt ist der Vorsitzende der Werbegemeinschaft allerdings nicht. „In Leer sieht es gut aus. Die Leerstände sind überschaubar. Das, was wir sehen, sind normale Vorgänge, die in einer Innenstadt einfach dazugehören“, sagt er. Dass die Ledastadt attraktiv sei, macht er vor allem an einer Ansiedlung fest.

Rituals als Gradmesser

Im vergangenen Jahr kam Rituals neu in die Mühlenstraße. „Das war ein gutes Zeichen. Rituals siedelt sich eigentlich nur in Städten ab etwa 60.000 Einwohnern an. Die brauchen Besucher und Umsätze“, sagt er. Dass das Unternehmen sich für Leer entschieden hat – eine Stadt mit deutlich weniger Einwohnern – zeige, wie viel Strahlkraft die Innenstadt habe.

Bürgermeister Horst berichtete im Ausschuss zudem davon, dass ein Oldenburger Geschäftsmann bestätigt habe, dass die Mischung der Geschäfte in der Mühlenstraße deutlich besser und attraktiver sei als in vielen Fußgängerzonen anderer Städte in vergleichbarer Größe. „Das stimmt. Ein Kollege aus Oldenburg war öfter zu Besuch und bestätigte, dass unsere Leerstände absolut überschaubar sind“, so Fricke. Dieser Kollege sei für die Erweiterungsarbeiten, die momentan bei Leffers laufen, öfter vor Ort gewesen. Leffers weitet sich deutlich aus und hat im Nebengebäude Flächen dazubekommen. Fricke ist Geschäftsführer von Leffers. „Wir sind vom Standort auch absolut überzeugt. Sonst hätten wir das nicht gemacht. Leer hat Potenzial“, sagt er.

Bürgermeister Horst sagte im Ausschuss, dass er auch mit Immobilienfirmen gesprochen habe. Deren Verantwortlichen hätten ihm versichert, dass sich hinter den Kulissen schon einiges tue und zu erwarten sei, dass in die derzeit leerstehenden Geschäfte bald neue Mieter einziehen. Was sich jedoch in der Stadt ansiedelt, ist derzeit noch unklar. Gerüchte gehen davon aus, dass ein Lebensmitteleinzelhandel kommen solle. Rewe und Bünting haben bisher allerdings abgewunken. Es bleibt also spannend.

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