Polizei geht neue Wege  Mit künstlicher Intelligenz gegen Kinderpornografie

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 24.03.2023 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Eine Polizeibeamtin werten Dateien auf der Suche nach Kinderpornos aus. Foto: Dedert/dpa
Eine Polizeibeamtin werten Dateien auf der Suche nach Kinderpornos aus. Foto: Dedert/dpa
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Die Ermittlungen in Sachen Kinderpornografie sind für die Polizei ein Fass ohne Boden. Dabei kann künstliche Intelligenz helfen. Doch das wirft Fragen auf.

Aurich/Wittmund - Das Thema Kinderpornografie macht der Polizei in den Landkreisen Aurich und Wittmund schwer zu schaffen. 120 Fälle wurden im vergangenen Jahr aktenkundig. Das entspricht dem Vorjahresniveau. „Die Ermittlungen sind häufig ein Fass ohne Boden und sehr zeit- und personalintensiv“, sagt Kripo-Chef Dirk Oidtmann. „Aus einem sichergestellten Mobiltelefon ergeben sich in der Regel umfangreiche Folgeermittlungen. Der immer größere Speicherplatz auf den Smartphones spielt uns bei diesen Ermittlungen nicht in die Karten.“

Die Polizei muss riesige Datenmengen auswerten. Dabei wird sie zwar durch künstliche Intelligenz unterstützt, doch laut Gesetz muss jede einzelne Datei händisch ausgewertet werden. „Wir kommen personell kaum hinterher“, sagt Polizeichef Stephan Zwerg. Auch die mentale Belastung für die Kolleginnen und Kollegen sei immens.

Täter sind „Menschen aus unserer Mitte“

Dabei liegt die Lösung auf der Hand: Künstliche Intelligenz (KI) kann in einem bis drei Tagen Material sichten, für das Menschen sieben bis acht Monate brauchen. Die KI-Erkennung entwickle sich weiter und werde stetig besser, sagt Oidtmann. „Wir füttern mit jeder Auswertung Datenbanken.“ Die Justiz sei „bereit, Wege zu gehen, die den Umgang mit diesen Delikten vereinfachen“. Zwerg sagt, es sei eine politische Entscheidung: „Setze ich das Personal von Polizei und Justiz für eine 100-Prozent-Auswertung ein, oder setze ich es ein, um Täter aus der Anonymität zu holen und die Verbreitung der Dateien zu stoppen? Das ist eine Abwägung, die wir endlich mal machen müssen.“ Diese Entscheidung wolle aber niemand treffen, „weil sie uns auf die Füße fällt, wenn wir tatsächlich mal ein Opfer übersehen“.

Stephan Zwerg leitet die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund. Foto: Luppen
Stephan Zwerg leitet die Polizeiinspektion Aurich/Wittmund. Foto: Luppen
Dirk Oidtmann leitet den Zentralen Kriminaldienst. Foto: Luppen
Dirk Oidtmann leitet den Zentralen Kriminaldienst. Foto: Luppen

Bei den Sammlern und Verbreitern kinderpornografischer Dateien handele es sich meist um „Menschen aus unserer Mitte“, so der Polizeichef: um Trainer, um Lehrer, um Handwerker. „Manche sind sogar dankbar, wenn sie einen Schuss vor den Bug kriegen.“ In den meisten Fällen handele es sich um Menschen, die zwar selbst keine Kinder missbrauchten, die sich aber durch entsprechende Bilder sexuell stimulieren ließen.

Was vielen nicht klar sein dürfte: Auch Kinder und Jugendliche werden häufig zu Tätern. Bei der Verbreitung kinderpornografischer Schriften seien die Tatverdächtigen in 40 Prozent der Fälle minderjährig. Unüberlegt teilten Kinder und Jugendliche entsprechende Bilder über soziale Netzwerke. „Wir sind da am Ball, betreiben Aufklärung, versuchen, Eltern zu sensibilisieren“, sagt Oidtmann. Gruppendynamische Prozesse könne man aber nur schwer einfangen.

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