Geplante EU-Verordnung  Welche Schutzgebiete gibt es in der Nordsee?

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 23.03.2023 15:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Luftaufnahme zeigt im Vordergrund einen Ausschnitt der Vogelschutzinsel Minsener Oog (Kreis Friesland) in der Nordsee vor der Küste des niedersächsischen Wattenmeeres. Foto: Wagner dpa/lni
Die Luftaufnahme zeigt im Vordergrund einen Ausschnitt der Vogelschutzinsel Minsener Oog (Kreis Friesland) in der Nordsee vor der Küste des niedersächsischen Wattenmeeres. Foto: Wagner dpa/lni
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Die ostfriesischen Krabbenfischer fischen mit ihren Kuttern größtenteils in Schutzgebieten. Eine kurze Vorstellung von Nationalpark und Natura-2000-Gebieten.

Ostfriesland - Schwindende Fanggebiete sehen die Krabbenfischer an der Nordsee seit Jahren mit Sorge - neue Pläne der EU-Kommission für eine nachhaltigere Fischerei lassen sie nun endgültig um ihre Existenz bangen. „Wenn das durchgeht, ist es aus“, sagte der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, Dirk Sander, dazu kürzlich bei einem Treffen in Neuharlingersiel sowie bei den Protesten am Rande der Agrarministerkonferenz in Büsum.

Was und warum

Darum geht es: die Schutz- und Fanggebiete in der Nordsee.

Vor allem interessant für: alle, die sich für Fischerei und Naturschutz interessieren.

Deshalb berichten wir: derzeit wird über ein Verbot von Grundschleppnetzen diskutiert. Die Aufzählung der Schutzgebiete soll der Einordnung dienen.

Die Autorin erreichen Sie unter: h.weiden@zgo.de

Nach dem Plan der EU-Kommission soll nun die Fischerei mit Grundschleppnetzen - also Netzen, die den Meeresgrund berühren - in Schutzgebieten bis spätestens 2030 unzulässig werden. Aus Sicht der Fischer kommt das einem Berufsverbot gleich, da große Teile der Nordsee unter Schutz stehen. Anbei eine Übersicht über die bestehenden Schutzgebiete.

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wurde am 1. Januar 1986 gegründet. Das Gebiet ist etwa 288.000 Hektar groß und grenzt im Westen an das niederländische Wattenmeergebiet und im Osten an den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer und die Elbmündung bei Cuxhaven. Von der Küste aus umfasst das Schutzgebiet das Wattenmeer einschließlich der Ostfriesischen Inseln sowie die Meeresgebiete nördlich der Inseln.

Ziel des Schutzgebiets ist es laut Website des Nationalparks, die besondere Eigenart der Natur und Landschaft einschließlich des charakteristischen Landschaftsbildes zu erhalten und vor Beeinträchtigungen zu schützen. Trotzdem ist laut dem Nationalparkgesetz Niedersächsisches Wattenmeer das Fischen im Schutzgebiet erlaubt. In Paragraf neun heißt es dazu: „Der berufsmäßige Fisch- und Krebsfang und die berufsmäßige Stellnetzfischerei einschließlich der Verwendung von Schlickschlitten sind in der Ruhezone erlaubt“. In einigen Gebieten ist das Fischen aber auch hier verboten. Auf eine Nachfrage dieser Zeitung bei der Landwirtschaftskammer zu den Fanggebieten der Nordseefischer verweist Pressesprecher Wolfgang Ehrecke auf eine WWF-Studie von 2016. Demnach fand zum Erhebungszeitpunkt etwa 70 Prozent der Krabbenfischerei in den Nationalparks Niedersächsisches, Hamburgisches und Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer statt.

Niedersächsisches Wattenmeer und angrenzendes Küstenmeer

Bei diesem Gebiet handelt es sich um ein sogenanntes Natura-2000-Gebiet. Natura 2000 ist laut Bundesumweltministerium ein EU-weites Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten. Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie und den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat (FFH) Richtlinie. Auch hier ist Fischen aktuell erlaubt: „Eine Nutzung der Gebiete ist weiterhin möglich und sogar erwünscht, wenn sie die betreffenden Arten und Lebensräume nicht beeinträchtigt beziehungsweise zu deren Erhalt beiträgt“, heißt es vom Bundesumweltministerium.

Nach Angaben des Landesfischereiverbands Weser-Ems zählen rund 45 Prozent der Deutschen Meeresgebiete zu den Natura-2000-Schutzzonen. Innerhalb des Küstenmeers, in der sogenannten Zwölfmeilenzone, ist demnach sogar mehr als die Hälfte Natura-2000-Gebiet – dazu zählen auch die Nationalparks für das Wattenmeer. Außerhalb der Nationalparks gibt es fünf weitere FFH-Gebiete: Steingrund, Helgoland mit Helgoländer Felssockel, Sylter Außenriff, Doggerbank und Borkum Riffgrund.

Hier gibt es weitere Infos

Weitere Informationen zu den Schutzgebieten gibt es beim Bundesamt für Naturschutz (BfN). Dort kann man sich in einem Tool die verschiedenen Schutzgebiete (auch an Land) anzeigen lassen.

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