Osnabrück  Warum die Notenbanken von ihrem Anti-Inflationskurs nicht abweichen dürfen

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 22.03.2023 14:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank Fed. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa
Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank Fed. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa
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Als seien die hohen Inflationsraten und eine schwächelnde Konjunktur nicht schon Krise genug, gerät nun auch noch der Bankensektor ins Taumeln. Doch das darf für die Notenbanken kein Grund sein, im Kampf gegen die Teuerung nachzulassen.

Die gute Nachricht zuerst: Deutschland hat die befürchtete Rezession nach Ansicht der „Wirtschaftsweisen“ gerade noch abgewendet. Insgesamt aber bleibt die Lage angespannt, wobei eine schwache Konjunktur bei gleichzeitig steigenden Zinsen und hoher Inflation eine gefährliche Kombination sind, die Verbraucher hart trifft. Und als wäre all das nicht schon Stoff genug für eine handfeste Krise, besteht nun auch noch die Gefahr einer Bankenkrise. Das bringt die Notenbanken in ernsthafte Bredouille, geht die Schieflage einiger Banken auch auf ihre Kappe.

Allerdings ist es nicht die Aufgabe der Währungshüter, für ein stabiles Bankensystem zu sorgen, sondern die konstant hohe Kerninflation zu bekämpfen – etwas das Fed und vor allem EZB viel zu spät erkannt haben. Dies hat Glaubwürdigkeit gekostet und eine entsprechende Korrektur erfordert, die in den USA und in Europa auf Hochtouren läuft – und das ist gut so. Denn am Ende geht es um das Vertrauen in die Geldpolitik, das dabei hilft, die Preisstabilität zu sichern.

Fakt aber ist auch, dass die Kreditrisiken gestiegen sind, weil Zinsen und Schuldenberge gewachsen sind. Viele haben die Niedrigzinsphase zum Schuldenmachen genutzt. Steigen die Zinsen, wird eben jenes Schuldenmachen teurer. Gerade Unternehmen und Privatpersonen, die hoch verschuldet sind und irgendwann auslaufende Kredite durch neue ersetzen müssen, bekommen dann ein Problem.

Gleichzeitig ist zu befürchten, dass Banken, die ihre Kreditvergabestandards wegen der höheren Zinsen bereits gestrafft haben, sich wegen der aktuellen Unruhen im Finanzsektor künftig noch knauseriger bei der Kreditvergabe zeigen. Weniger Kredite bedeuten weniger Nachfrage, was die Konjunktur bremst und wiederum zu weniger Inflation führt – sofern sie denn noch nicht strukturell ist. Bloß: Können die Notenbanken in ihrem Kampf um das verloren gegangene Vertrauen darauf Rücksicht nehmen? Das wäre sehr heikel. Denn weichen sie jetzt von ihrem Anti-Inflationskurs ab, riskieren sie einmal mehr ihre Glaubwürdigkeit.

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