Inflation treibt Blüten Immer mehr Menschen stehlen Lebensmittel
Weil Lebensmittel so teuer geworden sind, werden sie immer häufiger gestohlen. Das hat die Polizei in Aurich und Wittmund festgestellt. Ein anderes Delikt hingegen ist nahezu ausgestorben.
Aurich/Wittmund - Die steigenden Preise treiben immer mehr Menschen dazu, Lebensmittel zu stehlen. Das berichtete der Auricher Polizeichef Stephan Zwerg am Mittwoch bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2022 für die Landkreise Aurich und Wittmund. Er wolle noch nicht von einem Phänomen oder einem Trend sprechen, sagte Zwerg, „aber das werden wir in den nächsten Jahren beobachten müssen, ob die Inflation dazu beiträgt, dass Menschen Lebensmittel klauen“. Die Entwicklung falle den Sachbearbeitern jedenfalls auf.
Bei den Essensdieben handelt es sich nach Angaben des Polizeichefs vorwiegend um Menschen mittleren Alters. Jugendliche und junge Erwachsene hätten es eher auf Kleidung, Parfum und Unterhaltungselektronik abgesehen. Bemerkenswert: Fast jeder zweite ertappte Ladendieb (45 Prozent) ist ein Kind, ein Jugendlicher oder ein Heranwachsender (bis 21 Jahre).
Tankstellen und Kioske rüsten auf
Insgesamt ist die Zahl der Ladendiebstähle im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent gestiegen. Die Angaben seien jedoch zum Teil verzerrt, sagte Kripo-Chef Dirk Oidtmann. Viele Läden hätten keine Videoüberwachung und stellten erst bei der Inventur fest, dass etwas gestohlen wurde. Dann würden die Fälle gebündelt angezeigt.
Mächtig aufgerüstet bei der Videoüberwachung haben hingegen Tankstellen und Kioske. Die Folge: Sie werden seltener überfallen. Raubdelikte sind stark rückläufig (minus 38 Prozent). Die meisten Kioske und Tankstellen hätten zudem nur wenig Bargeld, erklärte Zwerg. Das Risiko lohne sich für die Täter nicht. Der klassische Banküberfall sei praktisch ausgestorben, da die Tresore über Zeitschlösser gesichert werden, erklärte Zwerg auf Nachfrage. Größere Summen könnten erst nach Ablauf von 30 Minuten entnommen werden. „Man bekommt größere Beträge nicht, wenn sie nicht angemeldet sind.“
Diebstahl aus unverschlossenen Autos
Auch die Zahl der Wohnungseinbrüche ist rückläufig (minus 16 Prozent). Dazu tragen nach Angaben Oidtmanns Überwachungskameras und wachsame Nachbarn bei, aber auch die Tatsache, dass immer noch viele Menschen von zu Hause aus arbeiten.
Weiter gestiegen ist hingegen die Zahl der Diebstähle aus Fahrzeugen (plus 8 Prozent). Die Schuld dafür liege auch bei den Geschädigten, sagte Oidtmann. „Gelegenheit macht Diebe.“ Es sei unfassbar, wie viele Menschen Portemonnaies und Rucksäcke offen im Auto herumliegen ließen. „Noch unfassbarer ist, wie viele Autos nicht abgeschlossen sind.“ Fast die Hälfte der Fahrzeuge, aus denen etwas gestohlen werde, sei unverschlossen. Zwerg berichtete von Dieben, die in Wohngebieten von Einfahrt zu Einfahrt gehen und prüfen, ob das Auto abgeschlossen ist.