Ärztemangel in Niedersachsen  Längere Wartezeiten für Patienten drohen auch in Ostfriesland

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 21.03.2023 20:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen fordert zusätzliche Medizin-Studienplätze gegen den Ärztemangel, der auch in Ostfriesland droht beziehungsweise größer zu werden droht. Foto: Stephan Jansen/dpa
Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen fordert zusätzliche Medizin-Studienplätze gegen den Ärztemangel, der auch in Ostfriesland droht beziehungsweise größer zu werden droht. Foto: Stephan Jansen/dpa
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Wie viele Haus- und Fachärzte braucht Ostfriesland – und wie viele gibt es (noch)? Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen hat neue Zahlen vorgelegt. Sie warnt vor einer Unterversorgung.

Ostfriesland - In Ostfriesland gibt es 32 unbesetzte Hausarzt-Plätze – landesweit 546. Das geht aus der neuen Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) hervor. Mit Investitionskostenzuschüssen sollen Mediziner ermuntert werden, sich niederzulassen.

Kurz zur Erläuterung: Ärzte können nicht einfach irgendwo eine Praxis aufmachen, wenn sie gesetzlich krankenversicherte Patienten behandeln wollen. Sie benötigen einen Sitz der KVN – egal, ob Hausarzt, Augenarzt oder anderer Facharzt. Ostfriesland ist bei den Hausärzten in die Planungsbereiche Leer-Süd, Leer-Nord, Aurich, Emden, Norden und Wittmund aufgeteilt, bei den „allgemeinen Fachärzten“ in die Planungsbereiche Leer, Aurich/Emden und Wittmund. „Bei der Festlegung des Bedarfs an Ärzten und Psychotherapeuten wird neben der Zahl der Einwohner sowie deren Alter und Geschlecht die Häufigkeit der Erkrankungen innerhalb einer Bevölkerungsgruppe berücksichtigt“, erklärt die KVN.

Wo können sich wie viele Hausärzte in Ostfriesland niederlassen?

Im Bereich Aurich sind laut KVN-Statistik 5,5 Hausarzt-Sitze frei, in Emden 1,5, in Leer-Nord 4,5, in Leer-Süd 14,5, in Norden 0,5 und in Wittmund 5,5. Betrachtet man die Ostfriesland-Karte, sind Leer-Nord, Emden, Aurich und Norden trotzdem im grünen Bereich. Das bedeutet, dass der hausärztliche Versorgungsgrad bei mehr als 100 Prozent liegt – also bei mehr als 100 Prozent des von der KVN festgestellten Bedarfs. KVN-Vize Thorsten Schmidt wies in dieser Woche per Pressemitteilung darauf hin, dass dies „lediglich ein Rechenmodell“ sei. Wittmund liegt demnach unter 100 Prozent und Leer-Süd unter 90 Prozent.

In einer Prognose für das Jahr 2035 sieht die KVN in Ostfriesland rot. Beziehungsweise orange. Diese Farben stehen bei dem kartografisch dargestellten Blick in die Zukunft für Versorgungsgrade unter 80, 70 und 60 Prozent – wiederum bei den Hausärzten. Finanzielle Anreize sollen dieses Szenario verhindern. Für einen hausärztlichen Sitz in Emden und zwei Sitze im Bereich Leer-Süd können Mediziner jetzt „Zuschüsse bis zu 60.000 Euro“ bei der KVN beantragen.

Im ländlichen Raum droht eine fachärztliche Unterversorgung

KVN-Chef Mark Barjenbruch warnte: „In der fachärztlichen Versorgung wird es starke Tendenzen in Richtung Unterversorgung in den ländlichen Planungsbereichen geben.“ Betroffen seien die Fachgruppen der Augenärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Hautärzte, Nervenärzte und Urologen. Davon gehe die Arztzahlprognose für das Jahr 2035 der KVN aus. „Die Sicherstellung der Versorgung wird eine andere werden“, befürchtet Barjenbruch.

Auf der KVN-Landkarten für Augenärzte, Chirurgen und Orthopäden, Hautärzte und Urologen sind Leer, Aurich/Emden und Wittmund trotz aller Befürchtungen rot eingefärbt. Das bedeutet: Hier dürfen sich derzeit keine entsprechenden Fachärzte niederlassen. Dahingegen sind folgende Facharzt-Sitze zu vergeben: 1 Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Aurich/Emden und 0,5 in Wittmund, 0,5 Frauenärzte in Wittmund sowie 1 Kinder- und Jugendarzt in Leer. Darüber hinaus ist Wittmund „frei für Nervenärzte und Psychiater“ und „für alle Psychotherapeuten“, Aurich/Emden „frei für Psychiater“ und für Psychosomatiker sowie Leer „frei für alle Nervenärzte“ und für Ärztliche Psychotherapeuten.

Kassenärztliche Vereinigung fordert mehr Studienplätze in der Medizin

Bei den Kinder- und Jugendärzten sieht die KVN in ihrer 2035er-Prognose Versorgungsdefizite. Da ist die ganze Ostfriesland-Karte in einem hellen Gelb eingefärbt, das für einen Versorgungsgrad von 50 bis 100 Prozent steht.

„Neue Zahlen für alte Probleme“, kommentierte KVN-Vize Schmidt. „Selbst mit der besten Bedarfsplanung haben wir noch keinen einzigen neuen Arzt oder Psychotherapeuten.“ Die Versorgung werde immer schwieriger: „Langfristig werden sich Patientinnen und Patienten auf längere Anfahrtswege und längere Wartezeiten einrichten müssen.“ Barjenbruch forderte von der Landesregierung einen „Zuwachs an Studienplätzen in allen Bereichen der Humanmedizin“. Denn: „Eine Landarztquote, wie sie jetzt in Niedersachsen eingeführt wird, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

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