Was sich das Land wünscht  Emden kann über die Windkraft-Ausbau-Vorgaben nur müde lächeln

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 21.03.2023 18:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Blick vom Außenhafen aus auf den Windpark Borssum. Die Stadt Emden erzeugt schon heute so viel erneuerbaren Strom, dass sie zu 122 Prozent den eigenen Bedarf decken könnte. Foto: Tobias Bruns/Archiv
Der Blick vom Außenhafen aus auf den Windpark Borssum. Die Stadt Emden erzeugt schon heute so viel erneuerbaren Strom, dass sie zu 122 Prozent den eigenen Bedarf decken könnte. Foto: Tobias Bruns/Archiv
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Eine Analyse des Fraunhofer Instituts zeigt auf, wie viel Windkraft in niedersächsischen Kommunen jeweils ausgebaut werden muss. In Emden kann man sich über die Zahl nur wundern.

Emden - Die Windenergie soll in Deutschland schnell ausgebaut werden. Ein neues Gesetz schreibt vor, wie viel Prozent ihrer Flächen einzelne Kommunen in den Bundesländern dafür ausweisen sollen. Das Land Niedersachsen soll insgesamt auf mindestens 2,2 Prozent des Gesamtgebiets den Ausbau bis Ende 2026 vorantreiben. Die Stadt Emden kann darüber nur müde lächeln. Im ihrem Flächennutzungsplan sind derzeit 5,7 Prozent der Fläche des Stadtgebietes für die Windenergienutzung ausgewiesen. Das entspricht 640 Hektar, also umgerechnet fast 900 Fußballfelder.

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Dabei müsste die Stadt nur 0,08 Prozent oder neun Hektar laut der Zielvorgaben der Flächenpotenzial-Analyse des Fraunhofer Instituts für Windenergie nutzen. Laut dem Institut gebe es nur auf 0,41 Prozent der Gebietsfläche ein Potenzial für den Ausbau. Woher kommt die große Differenz zwischen Realität und Potenzial sowie schließlich auch Zielvorgabe?

Es soll auf konfliktarme Flächen gesetzt werden

Das Institut erklärt das eigene Vorgehen so: Detailliert wurde geschaut, auf welchen Flächen des Landes mit am wenigsten Konflikten gerechnet werden kann. Konflikte entstehen beispielsweise, wenn eine Fläche bereits als Naturschutzgebiet, militärisches Gelände, Siedlung, Verkehrsweg oder Erholungsgebiet genutzt wird oder sich Derartiges in direkter Nähe befindet. In Emden gibt es laut Studie also nur 0,08 Prozent konfliktarme Flächen.

Die blassen Bereiche Emdens sind gänzlich für den Windkraft-Ausbau ausgeschlossen. Nur der dunkelgrüne kleine Bereich über Wybelsum und die hellgrünen Bereiche zwischen dem Bansmeer und dem Uphuser Meer wären dafür nutzbar, so das Fraunhofer Institut. Grafik: Institut
Die blassen Bereiche Emdens sind gänzlich für den Windkraft-Ausbau ausgeschlossen. Nur der dunkelgrüne kleine Bereich über Wybelsum und die hellgrünen Bereiche zwischen dem Bansmeer und dem Uphuser Meer wären dafür nutzbar, so das Fraunhofer Institut. Grafik: Institut

„Landkreise oder Regionen, die über mehr konfliktarme Standorte verfügen, können demzufolge einen größeren Beitrag zum Ausbau der Windenergienutzung leisten, als solche, die über weniger konfliktarme Flächen verfügen“, heißt es in der Studie. Je weniger Konflikte, desto schneller der Ausbau, so die Idee. Auch soll aus der Studie eine „gerechte, potenzialorientierte Verteilung des Landesziels auf Planungsregionen abzuleiten“ sein.

Andere Kommunen müssen jetzt nachziehen

Dadurch erklärt sich auch, dass beispielsweise der Landkreis Rotenburg (Wümme) als Spitzenreiter der Zielvorgaben-Tabelle 4,89 Prozent der Fläche ausweisen soll. Aktuell sind es nur 0,9 Prozent, wie es vom Landkreis Rotenburg heißt. Dort ist man verärgert über die neuen Vorgaben, die die Stadt Emden im Verhältnis zur Gebietsgröße schon mehr als überschritten hat. Ähnlich viel Windenergie-Ausbau erwartet das Land auch von Uelzen (4,79 Prozent) und Lüneburg (4,72 Prozent). Zum ostfriesischen Vergleich: Der Landkreis Aurich kommt auf 0,82 Prozent, der Landkreis Leer auf 0,90 und der Kreis Wittmund auf 1,05.

Der in Emden erzeugte Strom aus erneuerbaren Energien liegt schon heute deutlich über dem Verbrauch (Stand 2018: 122 Prozent), heißt es von der Stadt. Eine Photovoltaik-Freiflächenanlage der Stadtwerke kommt außerdem noch an die Autobahn 31 und der zurzeit größte zusammenhängende PV-Park Niedersachsens soll im Wybelsumer Polder entstehen. Hinzukommt die geplante Wasserstoff-Produktion. Im Emder Osten, im Borssumer Hammrich, stehen außer einem neuen Umspannwerk außerdem bereits mehrere Konverterstationen, in denen gewaltige Mengen Strom aus den Offshore-Windfarmen umgewandelt werden.

Emden soll keine weiteren Flächen ausweisen

Keine Stadt der Größe habe so viel an erneuerbarer Energie ausgebaut wie Emden, sagte Bernd Renken von der Ratsgruppe „Grüne feat. Urmel“ im Rat vergangene Woche. Deswegen hatte die Gruppe beantragt, dass die Stadt keine weiteren Flächen für Windkraft und für Photovoltaik ausweist.

Der Fokus soll auf dem sogenannten Repowering, also Erneuern der vorhandenen Windkraftanlagen, sowie beim Ausbau der PV-Anlagen auf Gebäuden und bereits versiegelte Flächen gelegt werden. Der Rat stimmte dem mehrheitlich zu. Die FDP stimmte geschlossen dagegen.

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