Geplantes Schleppnetzverbot Ostfriesische Küstenfischer fürchten um ihre Existenz
Pläne der EU zum Verbot von Grundschleppnetzen könnten die traditionelle Krabbenfischerei in Ostfriesland bedrohen. Doch der Widerstand wächst: Die Fischer bekommen Unterstützung.
Emden/Brüssel - Die Fischer an der ostfriesischen Küste sehen sich durch die Pläne der EU-Kommission für eine nachhaltigere Fischerei zunehmend unter Druck. Insbesondere durch das geplante Verbot des Einsatzes von Grundschleppnetzen fürchten sie ein Ende des traditionellen Krabbenfischens in der Region.
Nun springt auch die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) den Fischern zur Seite und spricht sich gegen ein pauschales Verbot aus. Die SDN fordert stattdessen einen Dialog mit den Krabbenfischern. „Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass die Planer und Entscheider offensichtlich überhaupt keine Ahnung von Krabbenfischerei haben und wie diese im traditionellen Familienbetrieb nachhaltig funktioniert“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Ulrich Birstein laut Mitteilung. Die Schleppnetze würden kaum den Boden berühren und nur minimale Spuren im Meeresboden hinterlassen, die schon nach einer Tide nicht mehr auffindbar seien.
LHV-Präsident: Brüssel schätzt ostfriesische Tradition zu wenig wert
Und auch vom Landwirtschaftlichen Hauptverein (LHV) für Ostfriesland kommt deutliche Kritik an den EU-Plänen: „Für mich zeigen sich deutliche Parallelen zur Diskussion um Pflanzenschutzmittel- und andere Verbote für die Landwirtschaft, die aus der politischen Blase Brüssels gefordert werden“, sagte LHV-Präsident Manfred Tannen laut Mitteilung. Er sei angesichts eines drohenden Schleppnetzverbots „tief besorgt“. Seiner Meinung nach werde die Tradition der Krabbenfischerei in Ostfriesland von den EU-Behörden zu wenig wertgeschätzt.
Dem Plan zufolge soll die Fischerei mit Grundschleppnetzen – also Netzen, die den Meeresgrund berühren – in Schutzgebieten spätestens 2030 unzulässig werden. Wenn es so käme, blieben aus Sicht der Fischer kaum noch Fanggebiete vor den Küsten, in denen etwa die traditionelle Krabbenfischerei betrieben werden könnte.
Minister Özdemir: Pauschalverbot ist nicht der richtige Weg
Unterstützung gibt es für die Fischer auch aus der Bundesregierung: Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), der am Montag in Brüssel mit seinen Amtskollegen aus den anderen Mitgliedstaaten über den entsprechenden EU-Aktionsplan sprach, sagte im Vorfeld des Treffens laut Mitteilung: „Wir müssen unsere Bemühungen verstärken, die Fischerei nachhaltiger zu machen. Dieses Ziel der Kommission teile ich voll und ganz. Über den Weg dahin müssen wir diskutieren. Ich halte das vorgeschlagene undifferenzierte Pauschalverbot von Grundschleppnetzen nicht für den richtigen Weg, denn es hätte gravierende Folgen für die deutsche Krabbenfischerei, die von großer sozioökonomischer und kultureller Bedeutung ist.“ Er wolle sich in Brüssel dafür einsetzen, gemeinsam mit Fischerei und Forschung die Fangmethoden weiterzuentwickeln, um die Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering zu halten, so Özdemir.
Deutliche Nachbesserungen in Sachen Naturschutz fordert hingegen die Umweltschutzorganisation WWF von den Fischern: „Es muss gelingen, die Fischerei mit bodenberührenden Netzen effektiv und zuallererst in den Schutzgebieten zu beschränken“, sagte die Geschäftsleiterin Transformation beim WWF Deutschland, Heike Vesper, laut Mitteilung. In Gesprächen der Krabbenfischer, der Politik und dem Naturschutz müsse es nun darum gehen, sowohl den Meeresschutz sicherzustellen als auch eine Zukunftsperspektive für die Fischerei zu schaffen. „Die Krabbenfischerei profitiert schon lange Zeit von gesetzlichen Ausnahmen und hat sich in der Vergangenheit viel zu wenig bewegt. Das muss sich jetzt zwingend ändern“, so Vesper.
Ab Mittwoch soll das Thema auch bei der Konferenz der Agrarminister von Bund und Ländern im schleswig-holsteinischen Büsum auf der Tagesordnung stehen. Auch ostfriesische Fischer wollen dann mit ihren Kuttern vor Ort sein.
Mit Material von DPA
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