Eigenartiger Fund  Gab es Schießübungen im Emder Stadtwald?

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 20.03.2023 15:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
2001 wurden die ersten Bäume für den Stadtwald gepflanzt. Mittlerweile ist das Gelände etwa 72 Hektar groß. Foto: Hanssen
2001 wurden die ersten Bäume für den Stadtwald gepflanzt. Mittlerweile ist das Gelände etwa 72 Hektar groß. Foto: Hanssen
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Am Samstag wurde beim Müllsammeln im Stadtwald ein Zielstreifen gefunden. Wir haben bei der Polizei und einem Jäger nachgefragt. Nach der Randale im Wald von vor knapp zwei Wochen ist Neues bekannt.

Emden - Bei der Müllsammel-Aktion am Samstag machte einer der Freiwilligen im Emder Stadtwald eine sonderbare Entdeckung: Eine Zielscheibe für Schießübungen lag im Bereich des Waldes bei Suurhusen. Seiner Einschätzung nach könnte mit einer Kleinkaliber-Waffe auf diese geschossen worden sein. Wir haben sein Foto an die Polizei geschickt und dort nachgefragt.

Dieser Zielstreifen mit Einschusslöchern wurde am Samstag im Stadtwald gefunden. Foto: Privat
Dieser Zielstreifen mit Einschusslöchern wurde am Samstag im Stadtwald gefunden. Foto: Privat

Svenia Temmen, Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden, schätzt den Fund als nicht so dramatisch ein. Das lässt sich zumindest ihren Worten entnehmen. „Die Zielscheibe ist alt, die muss da schon ewig liegen“, sagt sie. Außerdem könnte der Streifen von irgendwo anders her in den Wald gelangt sein, meint sie. Hinweise auf Schüsse, die Besucher des Stadtwalds gehört haben könnten, sind ihr nicht bekannt. Der Emder Jäger Joachim Eilts hält es für unwahrscheinlich, dass der Zielstreifen durch Zufall dort gelandet ist.

Polizeisprecherin: „Jäger machen so was nicht“

Ringsumher sind nur Felder, die nächsten offiziellen Schießstände sind weit weg. Er vermutet eher, dass im Wald Schießübungen durchgeführt wurden. Jäger würden so etwas aber nicht machen. Zum Üben gehen sie in Schießstände - etwa an der Knock, sagt er. Das betont auch Svenia Temmen. „Jäger machen so was nicht. Das würde den Verlust ihrer Jagdberechtigung bedeuten“, erklärt sie. Niemandem sei es auf öffentlichem Gelände erlaubt, das Schießen zu üben - auch nicht mit Luftgewehren oder Ähnlichem. Dabei könnte im Wald auch „viel daneben gehen“ und Leute getroffen werden, sagt Joachim Eilts. Von einem Luftgewehr getroffen zu werden, würde schon „richtig wehtun“, eine Kleinkaliber-Waffe sei sehr gefährlich.

Am Sonntag nach der Zerstörungsnacht vor zwei Wochen schaute sich die Polizei im Emder Stadtwald um. Foto: Müller
Am Sonntag nach der Zerstörungsnacht vor zwei Wochen schaute sich die Polizei im Emder Stadtwald um. Foto: Müller

Joachim Eilts, der gemeinsam mit dem Jagdpächter Richard Harders den Stadtwald betreut und fast täglich auf dem Gelände ist, hat bislang aber „noch nie“ von Schießübungen gehört. Durch Schüsse verletzte Tiere habe er bislang auch nicht gefunden. Stattdessen findet er von Hunden gerissene Rehe oder durch Krankheit verendete Tiere. Er appelliert - genau wie Svenia Temmen - an die Besucher des Waldes, sofort die Polizei zu rufen, wenn sie etwas Ungewöhnliches sehen oder hören. Die Jagdzeit beginne erst wieder so richtig im Herbst, erklärt er. Wenn jetzt Schüsse gehört würden, wäre das schon eigenartig.

Schadenssumme von Wald-Randale jetzt bekannt

Derzeit ist man in Emden wachsam, was Geschehnisse im Stadtwald betrifft. Vor knapp zwei Wochen hat ein noch unbekannter Täter oder unbekannte Täter eine Verwüstung in der Forstanlage angerichtet. „Insgesamt wurden 17 Bäume abgesägt, fünf Wegweiser und ein Brückengeländer zerstört“, teilt Stadtsprecherin Theda Eilers auf Nachfrage mit. Zudem wurden eine Werbetafel und eine Sitzbank in einen Graben geworfen. Die Schadenssumme wird auf fast 100.000 Euro geschätzt.

Das erklärt sich insbesondere aus dem Wert der fast 20 Jahre alten Bäume, die zerstört wurden. Der sentimentale Wert insbesondere der Wegweiser-Figuren, die von einem Ökowerk-Mitarbeiter in Handarbeit geschnitzt wurden, kann nicht bemessen werden. Die Beseitigung der Stämme und anderes habe das Ökowerk übernommen. „Wir werden nun zunächst eine neue Werbetafel beauftragen und Ersatz für die Sitzbank veranlassen“, so Eilers.

Ermittlungen laufen weiter

Die Polizei ermittelt indes noch weiter, sagt Svenia Temmen. Man sei sehr interessiert daran, zu erfahren, ob es ein Täter oder mehrere waren, ob es eine einmalige Impuls-Tat war oder weitere folgen könnten. Auf Holz hatte es der Unbekannte zumindest nicht abgesehen: Das wurde alles zurückgelassen. Auf die Frage hin, inwieweit nun weiter regelmäßig der Wald kontrolliert wird, erklärt sie: „Wir machen, was wir können.“ Es werde aber keine „dauerhaften Kontrollen im Stadtwald“ geben können. Das gehe im Alltagsgeschäft nicht.

Im Stadtwald ist der Frühling eingekehrt. Foto: Hanssen
Im Stadtwald ist der Frühling eingekehrt. Foto: Hanssen

Joachim Eilts ärgert sich über die Leute, die ihren Müll im Wald entsorgen, ihre Hunde unbeobachtet das Wild jagen lassen und mit einer Axt durch die Bäume ziehen. Sie vermiesten der Mehrheit den Besuch des in mehr als 20 Jahren schön gewachsenen Waldes. „Die meisten Leute sind vernünftig“, beobachtet er. Sie leinten ihre Hunde zur Schonzeit an, die am 1. April beginnt, und brachten sogar Tüten zum Müllsammeln mit. Er habe schon die Hoffnung aufgegeben, dass es bei den wenigen Störern noch ein Umdenken geben könnte.

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