Düsseldorf Wie riskant ist eine späte Schwangerschaft für Mutter und Kind?
Die Rate der Schwangerschaften von Frauen, die über 40 Jahre alt sind, steigt. Ist das gefährlich für Mutter und Kind? Frauenärztin Brigitte Strizek erklärt, welche Risiken das späte Mutterglück birgt.
Frauen in Deutschland bekommen immer später ihr erstes Kind: Im Jahr 2020 lag das Durchschnittsalter der Mütter bei ihrer ersten Geburt bei 30,2 Jahren, zehn Jahre zuvor noch bei 29 Jahren, wie das Statistische Bundesamt im Mai 2022 mitteilte. 2,9 Prozent der Mütter, die ihr erstes Kind zur Welt brachten, waren bei der Entbindung 40 Jahre und älter.
Insgesamt waren 5,9 Prozent der Mütter in Deutschland 2021 bei der Geburt in dieser Altersklasse – diese Zahl schließt also auch Frauen ein, die nicht zum ersten Mal ein Kind bekamen. Und während im Jahr 2017 noch 40.437 Frauen bei der Geburt über 40 Jahre oder älter waren, waren es vier Jahre später 48.939 Frauen.*
„40 plus und schwanger: Was nun? Das kann man so in die Google-Suchleiste eingeben”, sagte Brigitte Strizek, Leiterin der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn, vergangene Woche bei ihrem Vortrag auf dem Fachkongress des Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF). Die Ergebnisse von Strizeks Internetrecherche: Neben der Frage, wie man am besten schwanger wird, stünden alleine die Risiken der Schwangerschaft im Vordergrund.
Vor Fachkollegen und Presse ordnete Strizek diese ein: Die Expertin erläuterte, worauf Schwangere über 40 tatsächlich achten sollten und was von ärztlicher Seite bei der Betreuung dieser Patientinnen wichtig ist.
Es liege in der Verantwortung der Ärzte, die Patientin zu informieren, dass die Wahrscheinlichkeit von Schwangerschaftskomplikationen mit dem Alter (insbesondere über 45 Jahren) deutlich ansteigt, so Strizek:
Dazu gehörten unter anderem das Risiko für eine Fehl- und Totgeburt, Chromosomstörungen (wie Trisomie 21), Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck. „Alle diese Risiken steigen an”, sagte die Ärztin. Laut Mutterschaftsvorsorge werde schon 35 Jahre als „fortgeschrittenes maternales Alter” angesehen, allerdings müsse man zwischen 35 und 40 Jahren vor allem individuelle Faktoren der Schwangeren beachten, erläuterte sie.
Bestimmte Faktoren wie Adipositas, sowie bereits bestehender Diabetes und Bluthochdruck erhöhten nämlich die Chance für Komplikationen. Gleichzeitig treten genau diese Risikofaktoren statistisch öfter bei Menschen über 40 auf, als bei jüngeren Patientinnen, so Strizek.
All dies bedeute aber nicht, dass Komplikationen zwangsläufig auftreten, sagte die Gynäkologin. Die meisten Frauen in der Altersgruppe hätten eine komplikationslose Schwangerschaft mit Geburt eines gesunden Kindes. Für eine differenzierte Betrachtung von Ü-40-Schwangerschaften plädierte auch Klaus Doubek, Präsident des Bundesverbandes der Frauenärzte. Medien fragten häufig sehr allgemein nach den Risiken, die man nicht so einfach verallgemeinern könne.
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Den Patientinnen über 40 empfiehlt Strizek einige Maßnahmen, um Risikofaktoren zu modifizieren: Dazu gehört Gewichtsreduktion vor der Schwangerschaft, regelmäßige Bewegung, eine Blutdruck-Kontrolle, den Ausschluss von Diabetes und mit dem Rauchen aufzuhören.
Den Frauenärzten rät Strizek zusätzlich auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Pränataldiagnostik und auch die Möglichkeit des Screenings auf Präeklampsie (Bluthochdruck in der Schwangerschaft in Verbindung mit z.B. erhöhter Eiweißausscheidung) hinzuweisen. Es gehe bei Schwangeren über 40 besonders um die individuelle Einschätzung von Risiken durch die ÄrtztInnen. Frauenärzte sollten sich deshalb stets die Frage stellen: „Wer benötigt wirklich unsere intensive Betreuung?”
*Die Statistiken geben die Anzahl der Lebendgeborenen nach dem Alter der Mutter wieder.