Test an Petkumer Münte Emder Blitzer „Engelke“ hat an Landstraßen ein Problem
Seit September ist „Engelke“ im Dienst. An einem laut Anwohnern Raser-Schwerpunkt konnte sie aber aus einem bestimmten Grund keine klaren Antworten liefern. Bald soll sie Verstärkung kriegen.
Emden - Manchmal ist „Engelke“ ganz gut im Verstecken. An anderen Tagen ist sie sofort zu sehen. Die Rede ist natürlich vom teilmobilen Blitzer in Emden, der nach der Figur im Stadt-Wappen („Engelke up de Muer“) benannt ist. Seit September 2022 ist sie im Dienst und hat mittlerweile bei Facebook schon eine „Fan-Gemeinde“, die ihren jeweiligen Standort teilt. Mehr als 1100 Leute sind dort Mitglied. Der Blitzer könnte theoretisch an jeder Straße der Stadt auftauchen, um Rasern aufzulauern. Bei den ersten 14 Standorten, an denen sie aktiv war, erwischte sie mehr als 2500 Verkehrsteilnehmer, teilte die Stadt im Dezember mit.
Auch außerhalb geschlossener Ortschaften kann „Engelke“ stehen. Dort gibt es aber ein Problem. Zuletzt stand „Engelke“ beispielsweise an der Landstraße zwischen Petkum und Gandersum im Ortsteil Petkumer Münte. Ein Leser aus Gandersum hatte sich an diese Zeitung gewandt und gewundert, weil der Blitzer schon von weitem so klar erkenntlich an der Bushaltestelle-Bucht abgestellt wurde.
Welches Problem gibt es an Landstraßen?
„Gerade außerhalb geschlossener Ortschaften kann man Engelke, insbesondere aufgrund der zu beachtenden Aufstellparameter (Höchstabstand zur Fahrbahn bzw. den zu überwachenden Fahrspuren, Aufstellhöhe etc.) nicht beliebig weit von der Straße postieren“, teilt Hinrich Post vom Fachdienst Straßenverkehr, über die Pressestelle der Stadt mit.
Anders als im Innenstadtbereich, wo sich der massive Blitzer zwischen parkenden Autos „verstecken“ kann, sei an der Landstraße keine Deckung möglich. Nur die zum „Überwachungszeitpunkt“ etwa 13 Stunden lange Nacht habe „Engelke“ eine „Tarnung gegeben“, erklärt Post. „In anderen Landkreisen ist dies, insbesondere bei genau festgelegten Überwachungsschwerpunkten wie der Petkumer Münte, nicht anders“, fügt er hinzu.
Wie viele Raser wurden erwischt?
In der Zeit vom 27. Februar bis 6. März, als der Blitzer im Ortsteil Petkumer Münte stand, passierten mehr als 24.000 Fahrzeuge die Messstelle. In Fahrtrichtung Leer waren es 11.872, in Fahrtrichtung Emden 12.287. Nur 25 Verkehrsteilnehmer wurden laut Hinrich Post geblitzt. „Engelke“ kann auch Motorräder erwischen – und Lastwagen die eventuell eine andere Geschwindigkeitsbegrenzung haben, so Post.
Es ist nun schwer zu sagen, ob die geringe Anzahl der Geblitzten damit zu erklären ist, dass der Blitzer zu sichtbar war oder ob dort nicht so gerast wird, wie von der FDP-Ratsfraktion angemerkt wurde. Diese hatte einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, eine Geschwindigkeits-Absenkung zu überdenken. An der Stelle sind 100 Kilometer pro Stunde erlaubt. In anderen Abschnitten der Straße sind es Tempo 70 oder 50. Um zu überprüfen, inwiefern tatsächlich auf der Landesstraße in Petkumer Münte gerast wird, hatte CDU-Ratsmitglied Reinhard Hegewald vorgeschlagen, „Engelke“ dort aufzustellen. Die Stadtverwaltung hatte schon zuvor erklärt, dass nach gründlicher Untersuchung des Bereichs mit der Landesstraßenbehörde und der Polizeiinspektion keine Tempo-Absenkung nötig sei.
Sind dort rasende Lastwagen ein Problem?
Die FDP hatte insbesondere angemerkt, dass Motorradfahrer an der Stelle gerne am Gashahn ziehen würden. Das Emssperrwerk, ein beliebter Biker-Treffpunkt, liegt ganz in der Nähe. Der Leser aus Gandersum hatte im Gespräch eine andere Gruppe von Verkehrsteilnehmern angeprangert. Seinen Beobachtungen zufolge würden Lastwagen an der Stelle oft die für sie vorgegebene Geschwindigkeit überschreiten. Das kann Hinrich Post anhand der Blitzer-Ergebnisse nicht bestätigen: „Ein erhöhtes Aufkommen an Übertretungen bei LKW konnte nicht festgestellt werden.“
Hier sei jedoch anzumerken, dass speziell bei Lastwagen mit den dementsprechenden Ausmaßen und der Wucht, die beim direkten Vorbeifahren entsteht, sehr oft der Eindruck erweckt werde, dass diese zu schnell fahren, so Post. Tatsächlich sei die Tempo-Überschreitung von Lastwagen „konstant auf allen Straßen auf niedrigstem Niveau“ wie die modernen digitalen Fahrtenaufzeichnungen zeigten, erklärt er.
Was ist mit den kleinen, mobilen Blitzern?
Mit „Engelke“ wollte man die Lücken zwischen stationären und mobilen Blitzern schließen, sagte Hinrich Post bei der Vorstellung der Neu-Anschaffung im September. Mit stationären Blitzern sind die Geräte gemeint, die etwa an der Auricher, der Petkumer oder der Larrelter Straße stehen. Der erste Blitzer dieser Art war laut Post 2006 an der Auricher Straße errichtet worden.
Mobile Blitzer sind oftmals unauffällige Kameras, die je nach Bedarf täglich oder sogar stündlich den Standort wechseln können und teilweise versteckt angebracht werden dürfen. Im vergangenen Jahr waren mobile Blitzer allerdings bundesweit aus dem Verkehr gezogen worden, weil die Kameras nachgerüstet werden mussten.
Die Stadt hat neue mobile Anlagen bestellt. Sie sollen in den nächsten Wochen geliefert werden, teilt Post aktuell mit. Wenn die Mitarbeitenden dafür geschult seien, werde eine solche Anlage dann sicher auch in Petkumer Münte zum Einsatz kommen.