Besuch in Aurich  Ein Blick hinter den roten Kino-Vorhang

Dorothee Hoppe
|
Von Dorothee Hoppe
| 19.03.2023 19:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ein auf die Leinwand projiziertes Foto zeigt, wie es hinter der Leinwand in Kino 6 in Aurich aussieht: Sehr viel Technik macht den besonderen Klang durch Dolby Atmos möglich. Foto: Ortgies
Ein auf die Leinwand projiziertes Foto zeigt, wie es hinter der Leinwand in Kino 6 in Aurich aussieht: Sehr viel Technik macht den besonderen Klang durch Dolby Atmos möglich. Foto: Ortgies
Artikel teilen:

Wie wird entschieden, welcher Film in den Kinos vor Ort läuft, und wie kommt er dann dort hin? Diese und weitere Fragen haben Kinobetreiberin Astrid Muckli und ihre Mitarbeitenden beantwortet.

Aurich - Popcornduft zieht in die Nase, wenn man durch die Tür des Kinos in Aurich tritt. Filmplakate hängen an den Wänden. Die Treppe hoch, an Bildern aus alten Filmen vorbei, geht es an die Theke und mit Nachos und Co. gewappnet ab in den Kinosaal. Das Licht geht aus, der Vorhang geht auf und der Film beginnt.

Aber Moment, wie kommt der denn eigentlich auf die Leinwand? Und wie wird entschieden, welche Filme in unseren Kinos vor Ort laufen? Diese Zeitung hat im Auricher Kino einmal hinter die Kulissen geschaut.

Viele Säle, zwei mit besonderem Sound

Kino ist ein Erlebnis. Es schafft Erinnerungen, die man nie vergisst. „Das sind Momente, die man beim Streaming auf dem Sofa so nicht hat“, findet Astrid Muckli. Gemeinsam mit ihrem Großvater und ihrer Schwester betreibt sie das Kino in Aurich – und das mit Tradition, denn im Oktober dieses Jahres mache ihre Familie schon seit 95 Jahren Kino, sagt sie. Auch die Kinos in Leer, Meppen und Papenburg gehören der Familie Muckli.

Betreiberin Astrid Muckli ist mit dem Kino groß geworden. Foto: Hoppe
Betreiberin Astrid Muckli ist mit dem Kino groß geworden. Foto: Hoppe

Insgesamt haben diese vier Kinos 24 Säle. Zwei davon haben eine Besonderheit: In Kino 6 in Aurich und in Kino 7 in Meppen klingen die Filme nämlich ein bisschen besser als in allen anderen Sälen. Das liegt daran, dass sie mit „Dolby Atmos“ – ein besonderes 360-Grad-Soundsystem – ausgestattet sind. Das sorgt dafür, dass man alles nicht nur normal hört, sondern das Gefühl hat, als wäre man mitten im Film. Denn der Ton ist komplett um einen herum. Wenn also im Film zum Beispiel ein Vogel im Kreis fliegt, hört man das Schlagen der Flügel und das Zwitschern des Vogels erst von vorne und dann fliegt der Ton mit dem Tier einmal um einen herum. Wie das geht? Neben den Lautsprechern an den Wänden und an der Decke sind auch welche hinter der Leinwand versteckt. „Insgesamt haben wir hier in Kino 6 ganze 56 einzelne Lautsprecher verbaut“, sagt Lasse Kracht. Er ist Fachkraft für Veranstaltungstechnik und verantwortlich für alles, was mit der Projektion des Films und der Technik dahinter zu tun hat.

Das Bild wird vom Projektor im Raum hinter dem Kino in den Saal geworfen. Foto: Ortgies
Das Bild wird vom Projektor im Raum hinter dem Kino in den Saal geworfen. Foto: Ortgies

Wie kommt der Film auf die Leinwand?

Wer sich im Kino schon mal umgedreht hat, weiß, dass hinter jedem Saal ein kleiner Raum ist, zu dem ein Fenster führt. Dort steht der Projektor. „Das ist ein Video-Beamer, wie man sie auch vielleicht von zu Hause kennt, aber viel, viel größer“, erklärt der Veranstaltungstechniker. Um den zu bedienen, muss er teilweise auf eine Leiter steigen.

Veranstaltungstechniker Lasse Kracht muss auf die Leiter, um an den Projektor zu kommen. Foto: Ortgies
Veranstaltungstechniker Lasse Kracht muss auf die Leiter, um an den Projektor zu kommen. Foto: Ortgies

In der großen Maschine ist ein Server verbaut. Das ist ein Computer mit sehr viel Speicherplatz. Den braucht es auch, denn ein normaler Film hat etwa die Größe von 140 Gigabyte. Filme, die länger gehen und noch 3D-Effekte haben, sind noch größer. „Avatar hatte zum Beispiel 630 GB“, sagt Kracht. Zum Vergleich: Ein Foto, das mit einem Smartphone aufgenommen wird, hat etwa zwei Megabyte, was umgerechnet 0,002 Gigabyte sind. Es sind also große Datenmengen, die sich in den Kinos befinden, denn in der Woche sind dort bis zu 15 verschiedene Filme zu sehen. „Solche Datenübertragungen finden dann meist nachts statt. Manchmal bekommen wir auch eine Festplatte mit dem Film zugeschickt“, sagt Astrid Muckli. Die Filme seien aber speziell geschützt. Ein bestimmtes Programm bestimmt nämlich, an welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit der Film laufen darf. „Das ist ein gutes Sicherheitssystem vom Filmverleih“, sagt die Kinobetreiberin.

Wenn es ein 3D-Film ist, wird vor das Objektiv des Projektors ein spezieller Filter geschoben. Foto: Ortgies
Wenn es ein 3D-Film ist, wird vor das Objektiv des Projektors ein spezieller Filter geschoben. Foto: Ortgies

Was einen Film im Kino hält

„Ein Film ist immer mindestens drei Wochen lang in einem Kino zu sehen“, erklärt Muckli. Danach setzen sich Kinobetreiber und der Verleih zusammen und entscheiden, welcher Film noch länger gezeigt wird, welcher endet und welcher neu hinzukommt. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Wichtig ist zum Beispiel, wie beliebt ein Film ist, also ob die Vorstellungen gut besucht sind oder nicht. Der Film „Der gestiefelte Kater – Der letzte Wunsch“ sei zum Beispiel schon seit Ende Dezember in den Kinos zu sehen, aber es kämen immer noch Menschen, die sich den anschauen möchten, erklärt die Betreiberin. Deshalb gebe es weiterhin Vorstellungen.

Anneke Hinrichs hat lange als Servicekraft gearbeitet und ist nun für das Marketing zuständig. Foto: Ortgies
Anneke Hinrichs hat lange als Servicekraft gearbeitet und ist nun für das Marketing zuständig. Foto: Ortgies

Bei bestimmten Filmen ist es schon vor dem Start abzusehen, dass sie gut ankommen. Dazu gehören zum Beispiel die Filme aus dem Marvel-Universum. Auch bei „Der Super Mario Bros. Film“, der ab dem 5. April in die Kinos kommt, wird erwartet, dass er gut ankommt. „Da flippen die Kinder total aus“, sagt Anneke Hinrichs vorher. Sie ist für das Marketing der Muckli-Kinos, also für die Werbung und den Auftritt in den sozialen Medien, zuständig. Das macht sie inzwischen seit eineinhalb Jahren, aber auch vorher hat sie immer als Servicekraft im Kino in Aurich gearbeitet, und zwar seit 15 Jahren.

Sowohl bei der Marketing-Mitarbeiterin als auch bei dem Veranstaltungstechniker und ihrer Chefin merkt man: Sie alle lieben das Kino. „Mir geht einfach das Herz auf, wenn der Vorhang aufgeht“, sagt Astrid Muckli mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Ihre Schwester und sie seien ja auch mit der Filmwelt aufgewachsen. Außerdem werde es in der Filmbranche nie langweilig: „Die Produzenten überraschen uns immer wieder mit neuen Welten, das ist schön.“

Ähnliche Artikel