Berlin Lauterbach erkennt Corona-Impfschäden an: Wie hoch die Gefahr wirklich ist
Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat vor einem Jahr noch behauptet, dass Corona-Impfungen nahezu frei von Nebenwirkungen seien. Jetzt spricht er plötzlich über Impfschäden. So ist die Datenlage.
Die Testpflicht ist aufgehoben, in der Bahn müssen keine Masken mehr getragen werden und auch sonst sind Auswirkungen der Corona-Pandemie im Alltag vieler Menschen kaum noch spürbar. Nicht so für Menschen, die in vergangenen Monaten immer wieder über gesundheitliche Einschränkungen nach einer Covid-19-Impfung berichtet haben. Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat Betroffenen von Impfschäden nun Unterstützung versprochen – und sorgt damit für Wirbel.
Noch im Februar 2022 hat der SPD-Politiker im Interview mit Anne Will von „mehr oder weniger nebenwirkungsfreien“ Impfungen gesprochen, um mehr Menschen zur Immunisierung gegen das Coronavirus zu ermutigen. Jetzt sagte Lauterbach dem ZDF, dass es sehr wohl zu Nebenwirkungen und Langzeitfolgen durch Corona-Impfungen gekommen sei und er fehlerhafte Angaben in der Vergangenheit gemacht habe.
„Das war eine Übertreibung, die ich einmal in einem missglückten Tweet gemacht habe“, antwortete Lauterbach auf die Frage, warum er zu Hochzeiten der Pandemie von kaum vorhandenen Nebenwirkungen der Corona-Impfung gesprochen habe. Die Zahlen von Impfschäden – und damit beruft sich der Politiker auf Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts – seien ihm schon damals bekannt gewesen.
Berichte über mögliche Impfschäden werden inzwischen unter dem Begriff „Post-Vac-Syndrom“ zusammengefasst. Die Wahrscheinlichkeit, an diesem Syndrom zu erkranken, sei dem Paul-Ehrlich-Institut zufolge jedoch gering.
Der Nutzen der Corona-Impfung überwiege jedoch die Risiken, sagt Lauterbach. Es ist wissenschaftlich hinreichend erwiesen, dass die Impfung nicht nur vor schwerer Krankheit schützt, sondern auch das Risiko senkt, an Long Covid zu erkranken.
Doch wie häufig treten tatsächlich Impfschäden nach dem Verabreichen von Biontech, Moderna und weiteren Corona-Impfstoffe auf? Und wann spricht man überhaupt von Impfschäden?
In Deutschland sind laut Covid-19-Dashboard des Gesundheitsministeriums 63,6 Millionen Menschen grundimmunisiert. Das bedeutet, drei Viertel der Bevölkerung erhielten sowohl die Erst- als auch Zweitimpfung. 52,1 Millionen Menschen haben sich mindestens eine Auffrischungsimpfung geben lassen. Das sind rund 63 Prozent der deutschen Bevölkerung.
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) überwacht in Deutschland die Sicherheit von Impfstoffen und registriert mögliche Nebenwirkungen. Geimpfte können sich bei Verdacht auf schwerwiegende Impfreaktionen über ein Online-Formular an das Institut wenden.
Auf 10.000 Impfdosen kommen laut aktuellem Sicherheitsbericht des PEI 3 Verdachtsmeldungen zu möglichen Impfschäden.
Wer nach einer Impfung Symptome wie Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen an der Impfstelle beobachtet, zeige dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge typische Beschwerden, die unter dem Begriff Impfreaktion zusammengefasst werden. Auch Reaktionen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen gehören zu häufig auftretenden Nebenwirkungen der Impfung.
Von Impfschäden spricht das RKI erst, wenn die Folgen einer Impfung „über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion“ hinausgehen und eine längerfristige gesundheitliche Schädigung hervorrufen.
Trotz der geringen Zahlen sind durchaus Fälle bekannt, in denen eine Corona-Impfung schwerwiegende Folgen nach sich zog. Laut PEI zählen hier Entzündungen des Herzmuskels und des Herzbeutels zu den bedeutendsten, aber sehr seltenen schwerwiegenden Nebenwirkungen der Omikron-adaptierten Impfstoffe (Biontech und Moderna). Auch Hirnvenenthrombosen können Folgen einer Covid-19-Impfung sein. Deutschlandweit starben daran mindestens 40 Menschen.
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Laut Robert-Koch-Institut muss bei den Corona-Impfungen der Bund für Impfschäden aufkommen: „Wer durch eine öffentlich empfohlene Schutzimpfung einen Impfschaden erlitten hat, erhält auf Antrag Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz“.
In den Versorgungsämtern der Bundesländer seien bislang mehr als 250 Anträge auf Entschädigung aufgrund von schwerwiegenden Folgen nach Impfung eingegangen, wie eine bundesweite Umfrage der „Welt am Sonntag“ ergab.