Hamburg  Diese 10 Telefonbetrugs-Maschen sollten Sie unbedingt kennen

Eva Dorothée Schmid
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Von Eva Dorothée Schmid
| 14.03.2023 13:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Elder Scam Call, Elder Scam Call And Senior Pension Finance Fraud, Elder Scam Call And Senior Pension Finance Fraud mode Foto: www.imago-images.de
Elder Scam Call, Elder Scam Call And Senior Pension Finance Fraud, Elder Scam Call And Senior Pension Finance Fraud mode Foto: www.imago-images.de
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Telefonbetrüger entwickeln ständig neue Maschen, um ihre Opfer um Geld zu bringen. Die Methoden sind inzwischen so raffiniert, dass auch jüngere Menschen darauf hereinfallen. Das sind die zehn häufigsten Betrugsmaschen, die sie kennen sollten.

Vor ungefähr 20 Jahren kam der Enkeltrick auf. Inzwischen gibt es viele verschiedene Betrugsmaschen, mit denen Telefonbetrüger versuchen, Menschen um Wertsachen oder Geld zu bringen. Telefonbetrug hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Und auch die Methoden werden immer dreister. Die grundsätzliche Idee, mit einer falschen Geschichte Menschen am Telefon zu betrügen, bleibt aber immer gleich.

Inzwischen verschleiern Kriminelle ihre wahre Identität, indem auf dem Telefondisplay des potentiellen Opfers eine gefälschte Nummer angezeigt wird. Das Phänomen, unter einer anderen Identität, beziehungsweise Telefonnummer jemanden anzurufen, nennt sich Call ID Spoofing. Dabei werden unter anderem die Notrufnummern 110 oder 112 missbraucht. Das Ganze funktioniert aber auch mit Nummern von Polizeidienststellen, Behören oder Banken. Die Kriminellen, die meist aus dem Ausland anrufen, geben so vor, von der Polizei, einer Behörde oder Bank zu sein.

Um gewarnt zu sein, sollte jeder von den folgenden Telefonbetrugsmaschen gehört haben.

Die älteste Telefonbetrugsmasche ist der Enkeltrick. Anfang der 2000er-Jahre gaben sich die Täter zunächst oft als Enkel aus, die Geld für einen Hauskauf brauchten, und stammten meist aus Polen. Seit 2015 explodierte die Zahl der Betrugsversuche mit dem Enkeltrick.

Beim Enkeltrick geben sich die Anrufer als Enkel oder sonstige Verwandte aus und schildern eine Notlage. Andere behaupten, ein Verwandter habe sich mit einem Virus infiziert, liege im Krankenhaus und benötige dringend Geld für die Behandlung, oder der angebliche Verwandte sitze im Ausland fest und könne den Rückflug nicht bezahlen.

Der Schaden für die Opfer kann sehr hoch sein, wie dieser Fall zeigt.

Ab etwa 2015 entstand die Masche des falschen Polizisten, hinter der oft Banden oder Clans aus der Türkei stecken. Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus und berichten von einem Einbruch oder einem Tötungsdelikt in der Nachbarschaft. Dann wird Druck aufgebaut: Bei festgenommenen Tätern habe man Listen mit weiteren möglichen Zielobjekten der Kriminellen gefunden. Um mögliches Diebesgut zu schützen, müsse man die Wertsachen kurzfristig sicherstellen. Hierfür wird der Dienst eines Abholers in Aussicht gestellt. Manchmal will der falsche Polizist bei den Opfern auch vermeintliches Falschgeld sicherstellen. Die Opfer sind meist Senioren im fortgeschrittenen Alter.

Während des Telefongesprächs schaltet sich immer wieder ein zweiter Betrüger in das Telefongespräch ein, der vorgibt ein Staatsanwalt zu sein und der die Maßnahmen bestätigt. Ein Mittäter erscheint dann kurze Zeit später an der Adresse der Senioren und nimmt als vermeintlicher Polizeibeamter die Wertsachen entgegen.

Opfer dieser Masche gibt es viele: So ist beispielsweise eine 92-Jährige in Fürstenau Opfer dieses Betrugs geworden. Manchmal werden Enkeltrick und der falsche Polizist auch kombiniert: Ein Ehepaar verlor so sein gesamtes Vermögen.

Recht neu ist die Betrugsmasche Schockanruf. Dabei rechnen Betrüger skrupellos mit der Schockstarre erschütterter Opfer. Die Kriminellen täuschen als angebliche Kinder, Enkel, vermeintliche Polizeibeamte oder Rechtsanwälte eine Notlage oder gar die Lebensgefahr des Angehörigen vor und treiben ihre Opfer durch eine manipulative Gesprächsführung, den Aufbau eines Drohszenarios und durch Zeitdruck massiv in die Enge.

Auf derartige Maschen fallen sogar Experten rein. Kriminologe Christian Pfeiffer aus Hannover, der von 2000 bis 2003 niedersächsischer Justizminister war, berichtete im August auf einer Pressekonferenz von seinen Erfahrungen. Und auch Bremens Altbürgermeister Henning Scherf wäre Schockanrufern fast auf den Leim gegangen.

Wie ein solcher Schockanruf abläuft, erzählt eine Frau, die den Telefonbetrügern gerade noch rechtzeitig auf die Schliche kam.

Bei dieser Maschen geben sich die Telefonbetrüger als Anwälte aus und fordern Gebühren. Besonders häufig sagen sie, sie seien Anwalt der Verbraucherzentrale. Dann fordern sie aus den verschiedensten Gründungen Zahlungen von den angerufenen Personen.

Einer ist zum Beispiel eine angebliche Gebührenerstattung durch Banken. Dadurch wollen sich die Betrüger Zugriff zu sensiblen Nutzerdaten verschaffen. Auch angebliche Beratungen zur Senkung der Energiekosten oder Gesetzesänderungen bei der Lebensversicherung werden für die Masche genutzt. Opfer berichten außerdem von vermeintlichen Listen von Gewinnspielfirmen, aus denen sie gegen Zahlung einer Gebühr gelöscht werden könnten. 

Auch mit angeblichen Kontopfändungen oder Gerichtsverfahren wegen offener Rechnungen aus Gewinnspielen drohen die falschen Anwälten ihren Opfern. 

Auch wenn ein vermeintlicher Kundenberater der Bank anruft, ist Vorsicht geboten. Es gibt eine Betrugsmasche, bei der der falsche Bankmitarbeiter sagt, dass die verwendete Push-Tan-App für das Onlinebanking unsicher sei und eine neue – „sichere“ – installiert werden müsse. Der Betrüger begleitet dann die Installation am Telefon. So gelangen die Kriminellen an die Kontodaten – und räumen später dann das Konto ab.

Auch geringe Guthaben auf dem Konto schützen nicht vor Schaden. Dann buchen die Betrüger einfach massenhaft Lastschriften zurück. Die Geschädigten müssen diese dann erneut begleichen, samt Gebühren. Hier erzählt eine Frau, die Opfer dieser Masche geworden ist.

Telefonbetrüger geben sich auch gerne mal als Amazon-Mitarbeiter aus. Sie täuschen ein Problem mit einer Bestellung vor und fordern Kunden auf, Zahlungsdaten freizugeben. Insbesondere für diejenigen, die tatsächlich ein Amazon-Paket erwarten, klingen die Gründe plausibel.

Amazon selbst hat für die Masche die E-Mail-Adresse stop-spoofing@amazon.com eingerichtet, an die man Fälle melden kann.

Sehr populär unter den Telefonbetrügern ist derzeit auch die Europol-Masche. Bei der Bundesnetzagentur sollen schon zehntausende Beschwerden bezüglich dieser Masche eingegangen sein.

Dabei hört der Angerufene zuerst eine angebliche Bandansage von Europol, in der er darüber informiert wird, dass er Opfer eines Identitätsklaus geworden sei. Um weitere Informationen zu erhalten, soll das Opfer dann eine Taste drücken. Im folgenden Gespräch berichten die vermeintlichen Europol-Beamten von verdächtigen Kontobewegungen im Namen des Opfers. Um das eigene Konto zu schützen, sollen die Opfer dann ihr Guthaben auf ein spezielles Europol-Konto überweisen.

Lesen Sie hier mehr zu dieser Masche: Telefonbetrug: Täter weisen sich als Interpol, Europol oder BKA aus und Anruf von „Europol“? Macht nicht den gleichen Fehler wie ich.

Diese Betrugsmasche ist seit Jahren ein Dauerbrenner: Opfer werden von angeblichen IT-Firmen angerufen, zum Beispiel von Microsoft. Die Anrufer melden sich mit Worten wie „Hallo, ihr Rechner ist von Viren befallen“.

Gegen Zahlung bieten sie Hilfe beim Entfernen der vermeintlichen Schadsoftware an. Mit Software und Fernzugriff lassen sich die Täter auf den Rechner des Opfers schalten. Dort spähen sie Daten wie Online-Banking-Zugänge und Kreditkarteninformationen aus. Oft erfolgen die Anrufe auf Englisch oder in gebrochenem Deutsch.

Bei dieser Masche behauptet ein Anrufer, man habe bei einem Gewinnspiel angeblich zehntausende Euro gewonnen. Den Betrag erhalte man aber nur, wenn eine Bearbeitungsgebühr von 500 Euro gezahlt wird.

Vor allem während der Corona-Pandemie kam es zu dieser Betrugsmasche. Anrufer geben sich dabei als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus. Sie rufen an und teilen mit, dass der Wohnort des Angerufenen unter Quarantäne stehe und ein Kollege des Gesundheitsamtes vorbeikommen werde, um Untersuchungen vorzunehmen. Auf diese Weise verschaffen sich die Betrüger Zugang zu den Wohnungen.

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