Osnabrück  Neue KfW-Förderung gestartet: So sichern sich Hausbauer die Niedrigzins-Kredite

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 14.03.2023 11:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Seit Anfang März können Hausbauer bei der staatlichen Förderbank KfW Kredite im Rahmen des Programms „Klimafreundlicher Neubau“ beantragen. Foto: www.imago-images.de
Seit Anfang März können Hausbauer bei der staatlichen Förderbank KfW Kredite im Rahmen des Programms „Klimafreundlicher Neubau“ beantragen. Foto: www.imago-images.de
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Am 1. März ist die neue KfW-Förderung für energieeffiziente Neubauten gestartet. Ein Überblick, welche Immobilien der Staat jetzt fördert und wie viel Geld es gibt. Kleiner Spoiler: Die Anforderungen sind hoch.

Seit dem 1. März gibt es eine neue Förderung der staatlichen Förderbank KfW für energieeffiziente Neubauten: Unterstützung bekommt, wer ein klimafreundliches und energieeffizientes Gebäude baut oder erstmals einen entsprechenden Neubau kauft.

Einige Bauherren haben auf den neuen Fördertopf in Höhe von insgesamt 1,1 Milliarden Euro ungeduldig gewartet – nicht zuletzt, weil gestiegene Zinsen und Baukosten den Weg in die eigenen vier Wände deutlich verteuert haben.

Wie frühere Programme soll auch die neue Förderung beim Eigenheimerwerb unterstützen. Das Geld wird allerdings nicht direkt überwiesen. Denn anders als früher gibt es keine Zuschüsse für die Tilgung, sondern Darlehen mit besseren Zinskonditionen als am Markt. Dabei können Verbraucher eine Förderung bis zu einer Darlehenssumme von 150.000 Euro bekommen.

Wie hoch genau die Förderung ausfällt, hängt dabei von der Immobilie ab: Voraussetzung für die Förderkredite ist, dass das Gebäude, das gekauft oder gebaut werden soll, mindestens dem energetischen Standard eines Effizienzhauses 40 (EH40) entspricht. Heißt: Es darf nur 40 Prozent der Energie verbrauchen, die ein gesetzlich definiertes Referenzhaus benötigt. Ist „nur“ dieser Standard erfüllt, liegt die maximale Fördersumme bei 100.000 Euro pro Wohneinheit.

„Die wichtigen Größen sind dabei der Gesamtenergiebedarf des Gebäudes und die Wärmedämmung der Gebäudehülle“, erklärt Victoria Kropp vom Energieberaterverband GIH.

Denn Häuser, die derart effizient sind, verbrauchen weniger Energie beim Heizen, da sie besser gedämmt und isoliert sind, weil sie dickere Fenster haben – etwa Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung, die zusätzlich wärmedämmende Fensterrahmen aufweisen – sowie sparsame Anlagen verwenden, die teilweise mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Für die Heizung heißt das zum Beispiel: Systeme auf Basis fossiler Energien oder Biomasseheizungen mit hohem Feinstaubausstoß sind verboten. Stattdessen fördert die KfW etwa effizientere Wärmepumpen. Weitere Anforderungen an ein EH40-Haus können sein, dass ein Lüftungskonzept vorliegt oder ein sommerlicher Wärmeschutz gegeben ist, sagt Kropp vom GIH. „Die Maßnahmen können variieren. Es gibt kein Standard-Paket, das die Anforderungen an ein EH40-Haus automatisch erfüllt.“

Auch deswegen kommen Betroffene nicht um einen Energieberater herum, der in einer eigens dafür angelegten Datenbank gelistet sein muss. „Der Energieeffizienz-Experte muss bei dem Vorhaben zwingend eingebunden werden, ansonsten ist eine Förderung ausgeschlossen“, sagt Kropp. Der Energieberater prüft und bestätigt, ob das Gebäude dem EH40-Standard entspricht und erstellt dann eine sogenannte Bestätigung zum Antrag. Wichtig: Der Antrag muss eingereicht worden sein, bevor das Bauvorhaben beginnt.

Mehr Förderung ist drin, wenn das EH40-Haus zusätzlich über das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) verfügt. Dann steigt die maximale Fördersumme auf 150.000 Euro pro Wohneinheit. Allerdings sind die Regeln hier noch strenger: Für das QNG-Siegel muss man sein Vorhaben von einer speziellen Organisation absegnen lassen, die durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) genehmigt ist.

Je nach Schärfe der Kriterien bekommt das Siegel dabei entweder den Zusatz Plus oder Premium. Für das Siegel QNG Plus müssen Hausbauer beispielsweise die „grauen Emissionen“ ihres Projekts berücksichtigen, also die Treibhausgase, die entstehen, wenn ihre Baumaterialien und Teile hergestellt werden. Diese lassen sich reduzieren, wenn Immobilienbesitzer lokal gefertigte Produkte nutzen, die aus natürlichen Materialien hergestellt wurden und wenn sie kaputte Geräte reparieren, statt sie zu ersetzen. Zu den Anforderungen gehören beispielsweise aber auch die Anpassung und Flexibilität des Hauses, sprich, ob das Gebäude für sich ändernde Nutzungsbedürfnissen und -bedingungen anpassbar ist. Um die Stufe Premium zu erreichen, müssen noch höhere Anforderungen in den einzelnen Kategorien erfüllt sein.

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Der Schritt vom KfW-40-Haus zu den Qualitätssiegeln bringt zwar 50.000 Euro zusätzlichen KfW-Kredit, er bedeutet aber auch höhere Kosten. „Wer zusätzlich das QNG-Siegel haben will, muss bei einem Einfamilienhaus für die Zertifizierung des Vorhabens, sprich von der Bearbeitung bis hin zum Siegel, mit Kosten von 10.000 bis 15.000 Euro rechnen“, sagt Uwe Staufenbiel, zweiter Vorsitzender vom GIH Niedersachsen.

Allerdings ist dem Experten zufolge der eigentliche „Zuschuss“ ohnehin der Zinsvorteil über die Darlehenslaufzeit. Bei 150.000 Euro würde dieser schon knapp 5.000 Euro im tilgungsfreien ersten Jahr betragen, sagt Staufenbiel. „Gehen wir mal der Einfachheit halber von einem Darlehen über 450.000 Euro aus, dann sind die Mehrkosten von 15.000 Euro schon im ersten Jahr wieder drin und geben einen sehr attraktiven Vorteil gegenüber einem Haus ohne QNG.“

Doch auch schon der EH40-Standard kann den Bau oft deutlich teurer machen, zumal es für die Begleitung durch einen Energieberater keine Zuschüsse mehr gibt. „In der alten Förderung gab es einen zusätzlichen Posten für die Kosten eines Energieberaters, die mit 50 Prozent bezuschusst wurden“, so Kropp. „Die Kosten müssen nun über den Kreditbetrag beglichen werden, weshalb die Kosten für die Planung und Begleitung durch Berater höher sind als vorher. Damit bleibt auch weniger Geld übrig für die anderen baulichen Maßnahmen“, erklärt die Expertin.

Ihrem Kollegen vom GIH Niedersachsen zufolge lohnt sich dennoch die KfW-Förderung, „zumindest für Verbraucher, die ohnehin nachhaltig – das heißt unter anderem ressourcenschonender, bewusster und schadstoffreduzierter – bauen und den Zinsvorteil mitnehmen wollen“, so Staufenbiel.

Wer die Förderung in Anspruch nehmen will, sollte sich dem Experten zufolge mit dem Antrag allerdings beeilen. „Der Ansturm dürfte groß sein. Ich gehe davon aus, dass die Fördertöpfe in sechs bis acht Wochen leer sind.“

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