Hamburg E-Fuels an Tankstellen? Hamburger CDU-Chef sorgt für Irritationen
E-Fuels sollen den bedrohten Verbrennungsmotor am Leben erhalten. Im Bundestag will der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß die synthetischen Kraftstoffe bewerben und eine Grafik liefern, auf der Tankstellen für E-Fuels im Ausland abgebildet sein sollen. Doch damit widerlegt er seine Aussagen selbst.
Der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß will bei einer Rede im Deutschen Bundestag eine Lanze für E-Fuels brechen. Eine Nachfrage von den Grünen sorgt jedoch für Gelächter im Plenarsaal. Irritationen ruft im Nachhinein auch ein Twitter-Post des Abgeordneten mit einer Tankstellen-Karte hervor.
Bereits am 3. März hält Christoph Ploß eine Rede im Bundestag zum Thema „bezahlbare und klimafreundliche Mobilität“. Der CDU-Landesvorsitzende bewirbt darin E-Fuels und behauptet, die synthetischen Kraftstoffe könnten in Zukunft an Tankstellen vertrieben werden. Ploß stellt fest: „Wir sind eines der letzten Länder in der Europäischen Union, in denen das nicht möglich ist.“
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Diese Aussage führt zu einer Nachfrage seitens des Grünen-Abgeordneten Stefan Gelbhaar. Er will von Ploß wissen: „Können Sie mir sagen, in welchen Ländern denn tatsächlich E-Fuels getankt werden?“
Das kann Ploß offenbar nicht. Zumindest bleibt der CDU-Politiker eine konkrete Antwort schuldig. Stattdessen umschifft er die Frage: „Jetzt fehlt mir die Redezeit, die alle aufzuführen“, entgegnet er. Zwar spricht er dann noch weiter, nennt aber keine Länder, in denen man E-Fuels tanken könnte. Am Ende verspricht Ploß: „Ich schicke Ihnen gerne eine Grafik.“
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Diesem Versprechen kommt er einige Tage später nach und sorgt damit abermals für Irritationen. „Ein Servicetweet für Stefan Gelbhaar und die Grünen“, kündigt Ploß am Wochenende auf seinem Twitter-Profil an. In dem dazugehörigen Post taucht eine Karte von Mitteleuropa mit einer Vielzahl von roten und blauen Tankstellensymbolen auf.
Tweet von Christoph Ploß mit Tankstellen-Karte:
Was die Grafik allerdings nicht zeigt, sind Tankstellen für E-Fuels. Wie aus der Beschreibung hervorgeht, ist auf der EU-Karte stattdessen verzeichnet, „wo heute bereits synthetische biogene KS (HVO) getankt werden können“. Anders als E-Fuels bestehen HVO-Kraftstoffe jedoch aus erneuerbaren und vorwiegend pflanzlichen Rohstoffen. Dazu zählen etwa Speisefette.
Eine weitere Information aus dem Tweet lautet, dass aktuell weltweit E-Fuel-Fabriken nach Industriemaßstab gebaut würden. Und weiter: „Noch gibt es keine Mengen u[nd] zudem gibt es in [der] EU noch keine passenden Zulassungskriterien.“
Wenn Ploß mit der Karte also zeigen wollte, wo es Tankstellen für E-Fuels bereits gibt, hat er sich vertan. Darauf weisen auch Kommentatoren unter seinem Tweet hin. Dazu heißt es etwa: „HVO ungleich eFuels. Erst informieren, dann posten. Jetzt lieber Tweet löschen.“ Ploß wird auch vorgeworfen: „Sie verstehen nicht mal inhaltlich, wovon Sie im Bundestag reden.“