Los Angeles  „Bester internationaler Film“: Diese vier deutschen Filme schrieben Oscar-Geschichte

Pia Hinrichs
|
Von Pia Hinrichs
| 13.03.2023 12:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bei den Oscar-Verleihungen 2023 gelten die Filme „Im Westen nichts Neues“ und „Everything Everywhere All at Once“ als die Sieger des Abends. Foto: dpa/Li Rui
Bei den Oscar-Verleihungen 2023 gelten die Filme „Im Westen nichts Neues“ und „Everything Everywhere All at Once“ als die Sieger des Abends. Foto: dpa/Li Rui
Artikel teilen:

Nie war ein deutscher Film in der Geschichte der Oscar-Verleihungen so erfolgreich wie „Im Westen nichts Neues“. Nur selten gelang es deutschen Regisseuren zuvor, die Auszeichnung für den besten internationalen Film zu gewinnen – genau genommen erst drei Mal.

Edward Berger brach bei der diesjährigen Oscar-Verleihung sämtliche Rekorde in der deutschen Filmszene: Neun Nominierungen, vier Auszeichnungen und vor allem die Trophäe in der Kategorie „Bester internationaler Film“. Damit reiht sich der Wolfsburger in eine kurze Reihe deutscher Regisseure ein, die den Oscar in vergangenen Jahrzehnten gewannen – zu damaligen Zeiten noch unter offizieller Bezeichnung „Bester fremdsprachiger Film“.

Lesen Sie auch: Oscars 2023: Deutscher Film „Im Westen nichts Neues“ gewinnt vier Preise

Oskar Matzerath und seine Blechtrommel begeisterten nicht nur die Literaturwelt, sondern auch Cineasten weltweit. Mit der gleichnamigen Verfilmung des Grass-Klassikers „Die Blechtrommel“ gelang es Regisseur Volker Schlöndorff erstmals, einen Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film für Deutschland zu gewinnen.

1979 veröffentlicht und im darauffolgenden Jahr prämiert, setzte sich „Die Blechtrommel“ als einer der ersten deutschen Filme mit der Schuldfrage zu Zeiten des Nationalsozialismus auseinander und überzeugte – ähnlich wie der Antikriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ – durch seine politische Botschaft.

Wieder ein Film nach Buchvorlage, wieder ein Film mit NS-Thematik: Regisseurin Caroline Link brachte 2001 den autobiografischen Weltbestseller „Nirgendwo in Afrika“ von Stefanie Zweig auf die Kino-Leinwände – und konnte sich hierfür bei den Oscar-Verleihungen nach 23 Jahren leerer deutscher Hände neben Volker Schlöndorff in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film einreihen.

„Nirgendwo in Afrika“ verfilmt das Leben einer jüdischen Familie, die sich im Jahr 1938 gezwungen sieht, vor dem NS-Regime nach Kenia zu fliehen. Auf den Erfahrungen von Autorin Stefanie Zweig basierend, erzählt die Geschichte vom Zusammenprall der Kulturen und zeigt faszinierende Bilder des afrikanischen Kontinents.

Direkt mit seinem ersten Spielfilm gelang Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck der internationale Durchbruch: „Das Leben der Anderen“ aus dem Jahr 2006 räumte sämtliche renommierte Preise ab, darunter den Europäischen Filmpreis, den Deutschen Filmpreis und nicht zuletzt den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

In dem Politik-Thriller finden deutsche Schauspielgrößen wie Ulrich Tukur, Sebastian Koch und Ulrich Mühe zusammen. Sie erzählen die Geschichte eines Stasi-Hauptmanns, der durch einen Spionage-Auftrag in ein moralisches Dilemma zwischen Staatstreue und freiheitlichem Denken, Kunst und Kultur gerät.

Die Oscar-Erfolge der deutschen Filmszene weisen offenbar ein gewisses Muster auf: so scheinen Polit-Dramen und Buchverfilmungen Garanten für internationale Anerkennung zu sein. Denn auch Edward Bergers Verfilmung „Im Westen nichts Neues“ erzählt keine unbekannte Geschichte. Erstmals erregten die Schilderungen eines jungen Soldaten des Ersten Weltkriegs bereits im Jahr 1928 Aufsehen – der Roman von Erich Maria Remarque erlangte schnell Klassiker-Status in der Weltliteratur.

Dass angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine die Kriegsthematik auch in diesen Tagen von trauriger Aktualität ist, hat den Erfolg des Antikriegsdramas sicherlich noch bestärkt. Darüber hinaus konnte sich „Im Westen nichts Neues“ in drei weiteren Oscar-Kategorien durchsetzen und brachte der deutschen Filmszene damit so viele Auszeichnungen wie nie zuvor ein.

Lesen Sie auch: Oscars 2023: Die Gewinner im Überblick

Ähnliche Artikel