Berlin In Deutschland verrissen: Vier Gründe, warum Hollywood „Im Westen nichts Neues” liebt
Bei den Oscars wird Edward Bergers „Im Westen nichts Neues“ mehr gefeiert als in Deutschland. Vier Gründe für den sensationellen Erfolg des deutschen Kriegsfilms.
„Blockbuster-tauglicher Kriegskitsch“ schrieb die „Süddeutsche“ über Edward Bergers „Im Westen nichts Neues“. Einen „Kriegsfilm ohne Idee“ nannte ihn „Die Zeit“. Jetzt hat der Kriegskitsch vier Oscars – und ist damit Deutschlands größter Erfolg aller Zeiten. Wie kam es zu diesem Triumph? Und warum wird der Film in Deutschland so anders wahrgenommen?
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Wenn der Netflix-Film etwas verdeutlicht, dann die Sinnlosigkeit eines Sterbens für den Frontverlauf. Wann würde diese Botschaft besser gehört sein als jetzt, wo Putin Hunderttausende Soldaten in einen Abnutzungskrieg schickt? Ohne dass Edward Berger damit rechnen konnte, wurde „Im Westen nichts Neues” zum Film der Stunde.
Alle deutschen Oscar-Erfolge erzählen die deutsche Geschichte: „Die Blechtrommel” (1980) und „Nirgendwo in Afrika“ (2001) spielen im Zweiten Weltkrieg, „Das Leben der Anderen“ (2007) in der DDR. Die Remarque-Adaption schließt eine Lücke: Jetzt gibt es auch den deutschen Oscar-Film zum Ersten Weltkrieg. Der Film mag einfallsloser als das Kriegskino der letzten Jahre sein. Dass Berger ihn mit dem Schlagwort einer deutschen Schuld-Perspektive vermarktet hat, dürfte die fehlenden Ideen ausgeglichen haben.
Hinter “Im Westen nichts Neues” steckt ein Streamingdienst, der sein Geld nicht nur in Inhalte steckt, sondern auch in Renommee. Netflix muss demonstrieren, dass sein Vertriebsmodell nicht das Ende des Kinos ist. Oscars sind dabei ein Argument - entsprechend massiv dürfte die Lobby-Arbeit ausgefallen sein.
Berger hat Remarques Roman bis zur Sinnwidrigkeit umgeschrieben: Mit dem Fronturlaub streicht er die Entfremdung der Soldaten von ihren Familien. Mit den Friedensverhandlungen ergänzt er eine allwissende Perspektive, die der Roman bewusst vermeidet. Und den Tod des Protagonisten verlegt er in die letzte Kriegssekunde, sodass selbst der Romantitel nicht mehr passt. Darüber ärgert sich ein deutsches Publikum, das den Stoff schon in der Schule kennenlernt. International spielt es keine Rolle.
Vielleicht spielt es aber genauso wenig eine Rolle, ob „Im Westen nichts Neues“ nun verdient gewonnen hat oder nicht. Was bleibt: Ein weiterer Preisträger, mit dem die Oscar-Academy den Blick über Hollywood hinaus wagt. Das wertet das internationale Kino auf – und damit auch die Oscars selbst.