Traditionsveranstaltung  Nautisches Essen in Emden – Die ... des Abends

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 11.03.2023 11:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Trat zum letzten Mal beim Nautischen Essen in Emden auf: die Emder Shanty-Gruppe. Dafür gab es die stehenden Ovationen des Abends. Foto: Hock
Trat zum letzten Mal beim Nautischen Essen in Emden auf: die Emder Shanty-Gruppe. Dafür gab es die stehenden Ovationen des Abends. Foto: Hock
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Themen mit Tradition, ein Abschied, Matjes und markante Sätze: Am Freitagabend fand im Klub zum guten Endzweck das Nautische Essen statt.

Emden - Kaufmannsmahl und Nautisches Essen: Beides sind Traditionsveranstaltungen in Emden. Das Nautische Essen, welches am Freitag erneut stattfand, wird ausgerichtet vom Nautischen Verein zu Emden. Was Sie zum Abend wissen müssen.

Die Ausrichter des Abends

Der Nautische Verein zu Emden hat seinen Ursprung 1869, wurde in seiner jetzigen Form aber 1957 wieder gegründet. Der Verein ist mit seinen rund 700 Mitgliedern der größte Nautische Verein Deutschlands.

Die Mitglieder kommen aus dem In- und Ausland, vor allem aus den Gegenden entlang der Ems von Haren und Papenburg bis nach Eemshaven und Borkum, aber auch aus Groningen, Oldenburg, Hamburg und Hannover. Niedersachsens früherer Umwelt- und jetziger Wirtschaftsminister Olaf Lies ist ebenfalls Mitglied. Er war der Hauptredner des Abends.

Die stehenden Ovationen des Abends

Ihren Abschied vom Nautischen Essen nahm die Emder Shanty-Gruppe, eine „der ältesten und bekanntesten Shantychöre an der Nordsee“, wie sich die Gruppe selbst beschreibt. Seit Jahren gehören die Shantys und Seemannslieder der Gruppe zum Nautischen Abend wie der Matjes.

1969 bei einer Flaute auf der Ems gegründet, könne man nun nicht mehr so wie früher. „Wir sind nicht mehr die Jüngsten“, sagte Ulrich Goebel, Vorsitzender der Shanty-Gruppe. Verabschiedet wurden die Sänger mit den einzigen stehenden Ovationen des Abends. „Wir sind voller Wehmut und wissen noch nicht, wie wir diese Lücke schließen sollen“, so Frank Wessels, Vorsitzender des Nautischen Vereins zu Emden.

Die Themen des Abends

Folgt man den offiziellen Redebeiträgen, dann war der Abend eine Reise zurück in die Vergangenheit. Denn: Entwicklung der Außenems und die Fahrrinnenverbesserung, Anbindung des Emder Hafens, Entwicklung der Emder (Hafen)Wirtschaft, Eisenbahnklappbrücke, zweite Brücke, Rysumer Nacken, Wybelsumer Polder, Erleichterung der Ansiedlung von Unternehmen – fast alles Themen, die schon länger auf der Agenda stehen, teilweise schon seit rund zwei Jahrzehnten. „Neu“ ist da Emden als Standort für eine Batteriefabrik, wobei einem selbst das Thema schon „alt“ vorkommen mag.

Die Sätze des Abends

Wer an der Knock stehe, der sehe „auf holländischer Seite Industrie und bei uns Galloway Rinder“, war einer der Sätze von Wessels. Die merk-würdigsten Sätze von Olaf Lies: „Alles, was wir heute sagen und fordern, kann umgesetzt werden.“ (Es folgte Gelächter.); „Ich merke den Zweifel am nachlassenden Applaus“ (nachdem Lies davon sprach, dass es bei den Planungsvorhaben zur Vertiefung der Außenems voran geht). Ebenfalls eher „durchwachsen“ kam ein Satz von Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) an. Sein Grußwort kam vor dem Nachtisch, der roten Grütze. „Dabei hätte die rote Grütze doch viel besser zum Hauptredner gepasst! Nur der Farbe wegen natürlich!“ Besser kam an: „Die Landesregierung und Olaf Lies werden sich an der Umsetzung der Projekte in Emden messen lassen müssen.“

Hauptredner des Abends: Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Foto: Hock
Hauptredner des Abends: Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Foto: Hock

Die Gänge des Abends

Erstmals besorgte das Emder Unternehmen Haase-Catering die Bewirtung beim Nautischen Essen. Fest am Tisch: Wasser und König Pilsener, dazu nach dem Tischgebet von Seemannspastor Meenke Sandersfeld auch Doornkaat. Matjes als Vorspeise, Reis und Curry als Hauptgang und dann die rote Grütze.

Die Kleidung des Abends

Nicht ganz so förmlich wie beim Kaufmannsmahl, wo eine relativ strenge Smoking-Pflicht herrscht, geht es beim Nautischen Essen zu. Wahl der Farbe bei den Herren, Gästinnen (ein veralteter Begriff, aber immerhin schon in den Grimm‘schen Wörterbüchern verzeichnet) gibt es traditionell nicht so viele, ist der schwarze oder der dunkle Anzug. Bei den Krawatten war aber durchaus Farbenpracht zu entdecken. Mancher verzichtete gar ganz darauf.

Die Stufen des Abends

Stau gab es deswegen zwischen den Gängen vor allem bei der Herrentoilette im Klub zum guten Endzweck. 33 Stufen sind es übrigens vom Eingang zum Klub bis in die obere Etage, wo sich der Festsaal befindet. Wer rauchen möchte, muss noch ein paar Stufen mehr bis zum Straßenlevel hinter sich bringen – oder in die Raucherbar gehen. Im Raucherbereich und vor der Tür wird übrigens nicht weniger Politik gemacht als im Saal.

Die Spenden des Abends

Traditionell wird beim Nautischen Essen für den guten Zweck gesammelt. Dieses Jahr für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). 11.495,50 Euro kamen zusammen. Eine weitere Spende gab es vom Nautischen Verein für die Stadt Emden: Tafeln mit Seemannsknoten zum Nachmachen. Diese sollen rund um den Neuen Delft aufgestellt werden.

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