Prügeleien bei Vorführungen  Kein Beef wegen „Creed III“ in Ostfriesland

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 11.03.2023 17:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schauspieler Michael B. Jordan als Adonis Creed in einer Szene des Films „Creed III - Rocky’s Legacy“ . In mehreren Kinos in Deutschland und anderen Ländern ist es in den vergangenen Tagen zu Ausschreitungen gekommen, während der Film lief. Foto: Eli Ade/Metro-Goldwyn-Mayer Studios/Warner Bros./dpa
Schauspieler Michael B. Jordan als Adonis Creed in einer Szene des Films „Creed III - Rocky’s Legacy“ . In mehreren Kinos in Deutschland und anderen Ländern ist es in den vergangenen Tagen zu Ausschreitungen gekommen, während der Film lief. Foto: Eli Ade/Metro-Goldwyn-Mayer Studios/Warner Bros./dpa
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Bei Vorführungen des Boxfilms „Creed III“ kam es in einigen Kinos zu Ausschreitungen. Ostfriesische Betreiber reagieren darauf mit Wums.

Ostfriesland/Berlin - Fliegendes Popcorn, laute Menschengruppen und sogar Polizeieinsätze: In mehreren Kinos in Deutschland und anderen Ländern ist es in den vergangenen Tagen zu Ausschreitungen gekommen, während dort „Creed III“ lief, der neunte Film der Saga um den Boxer „Rocky“.

Was und warum

Darum geht es: Beim Boxfilm „Creed III“ hat es Ausschreitungen in Kinos gegeben. In Ostfriesland kam das bisher nicht vor. Die Betreiber reagieren auf Störenfriede aber auch sofort.

Vor allem interessant für: Kinobesucher und Kulturinteressierte

Deshalb berichten wir: Es gab zahlreiche Berichte über Ausschreitungen in Kinos bei Creed III.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Es gibt Hinweise auf einen Trend im Netzwerk TikTok, auch in ostfriesischen Kinos war das Problem Thema.

Was war los?

Das Vorgehen ähnelt sich in diversen Kinos in Groß- und Kleinstädten, sogar im Ausland. Der Film beginnt und damit die Rangeleien und andere Störversuche von Kinobesuchern. Im Netzwerk TikTok bekommen Videos der Stör-Aktionen während des Films große Aufmerksamkeit. Die Polizei Essen hat nach eigenen Angaben Hinweise auf eine Challenge. Dabei stacheln sich die Akteure dazu an, mit ihren Aktionen den Abbruch von Kinovorführungen zu erzwingen und so Aufmerksamkeit bei TikTok zu bekommen.

Fachleute machen noch keinen weitreichenden Trend aus. In Essen, Hamburg und Bremen war die Polizei kürzlich im Einsatz, weil Kino-Beschäftige der Lage nicht mehr Herr wurden. „Gäste standen auf, kletterten über Sitze und warfen mit Snacks durch den Saal“, schilderte ein Polizeisprecher in Essen. Auch hätten Jugendliche die Vorstellungen gestört und mit Cola, Nachos oder Popcorn auf die Leinwand, Wände und andere Menschen geworfen.

Wie reagieren die Kinos?

Kinoverbandschefin Christine Berg hat die Ausschreitungen bei „Creed III“-Vorführungen kritisiert. Nach ihrer Einschätzung handelt es sich um Einzelfälle. Es sei wichtig das einzuordnen, sagte Berg als Vorstandsvorsitzende des Verbands HDF Kino der Deutschen Presse-Agentur. Sie mache das Verhalten sprachlos, sagte Berg. Offenbar gehe es um Aufmerksamkeit, sie wolle aber keine Küchenpsychologie betreiben. „Wir empfinden das als einen aggressiven Akt. Wir finden das auch nicht lustig.“ Für sie sei eine Grenze überschritten. Kinos seien ein Ort, an dem man in Ruhe einen Film genießen könne.

Beim Kino-Betreiber Cine Star, der auch in Emden vertreten ist, sieht man es ähnlich: „Wir verurteilen dieses Verhalten aufs Schärfste und bedanken uns gleichzeitig bei dem Gros unseres Publikums, das einen angenehmen Kinoabend möglich macht und zu schätzen weiß“, so Oliver Fock, Geschäftsführer Cine Star. In bundesweit 598 Vorstellungen sei es in zwei zu Problemen gekommen, so Fock. Dennoch reagiert das Unternehmen. Für die kommenden Vorführungen haben wir nun an einigen Standorten zusätzlich Security eingeplant und halten im Vorfeld nach auffälligen Personen Ausschau. Wir behalten uns außerdem vor, bei Fehlverhalten Hausverbot zu erteilen und gegebenenfalls Schadenersatzforderungen zu stellen. Ob das auch für Emden gilt, teilte er nicht mit, man wolle niemanden animieren.

Wie sieht es in ostfriesischen Kinos aus?

Die Kinobetriebe Muckli betreiben vier Kinos in Ostfriesland und dem Emsland. Laut Geschäftsführerin Astrid Muckli sei es dort nicht zu nennenswerten Vorkommnissen gekommen. „Es haben ein paar Gruppen jüngerer Zuschauer probiert mit ihrem Handy zu stören, aber nach einer scharfen Ansage, war die Sache schnell erledigt“, sagt sie. Störungen dulde man nicht. Zuschauer müssten sich keine Sorgen machen, wenn man den Film schauen möchte. „Da ist die mediale Berichterstattung sehr übertrieben“, sagt sie.

Dass TikTok-Trends ins Kino schwappen, habe sie aber dennoch bereits mehrfach beobachtet. So habe im vergangenen Jahr der Horrorfilm „Smile“ für Aufsehen gesorgt, weil er bei TikTok als gruseligster Film aller Zeiten gehandelt wurde. Da seien die Besucherzahlen in die höhe gegangen. Eine weiterer - sehr freundlicher Trend - seien die „Gentleminions“ gewesen. Zuschauer des Animationsfilms „Minions“ seien im Anzug – als Gentleman – ins Kino gegangen und hätten sich so fotografiert. Die sozialen Netzwerke hätten mittlerweile Einfluss auch auf die Kinowelt, so Muckli.

Haben die Ausschreitungen mit dem Film zu tun?

„Creed III“ ist ein Boxfilm und ist eine Weiterführung der Rocky-Reihe. Im Film wird Adonis Creed, unehelicher Sohn des legendären Rocky-Gegners Apollo Creed, mit Rockys Hilfe selbst zum Box-Star. Die Boxaufnahmen sind explizit und auch in gewisserweise brutal, aber dass der Film die Zuschauer zum Mitmachen animiert, bezweifelt Filmkenner Edzard Wagenaar.

Er ist Leiter des Filmfests Emden-Norderney. „Ich denke, dass es dabei nicht ums Kino geht. Die Leute suchen einen Ort, wo sie Aufmerksamkeit bekommen“, sagt er. Wenn die Challenge darin bestehen würde, sich im Späti zu prügeln, wäre es eben dort, so Wagenaar. „Das wäre ja auch billiger“, meint er. Schließlich kostet Kinobesuch und Popcorn auch auch gutes Geld.

*Mit Material der Agentur

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