Entwicklung läuft  Neues zur Krabbenpulmaschine aus Ostfriesland

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 13.03.2023 08:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ostfriesische Krabbenfischer hoffen darauf, ihren Fang bald mithilfe einer Krabbenpulmaschine vor Ort verarbeiten zu können. Foto: Archiv/Heinz Wagenaar
Ostfriesische Krabbenfischer hoffen darauf, ihren Fang bald mithilfe einer Krabbenpulmaschine vor Ort verarbeiten zu können. Foto: Archiv/Heinz Wagenaar
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Laut Entwickler sieht es „sehr vielversprechend“ aus um die Maschine, die ein „Game Changer“ für die örtlichen Fischer werden könnte. Demnächst soll ein Prototyp vorgestellt werden.

Greetsiel/Großheide/Bremerhaven - Um die Krabbenpulmaschine aus Ostfriesland war es zuletzt ruhig geworden. Die Erfindung von Christin Klever und ihrem Vater Günter Klever aus Großheide soll es möglich machen, die Tierchen mithilfe von Ultraschallwellen von ihrer Schale zu befreien. Dann könnten die Krabben direkt vor Ort geschält und müssten nicht wie bisher üblich nach Marokko geschifft werden, um sie dort von Hand pulen zu lassen. Aktuell bleibt vom Gewinn nur wenig für die Krabbenfischer über. Außerdem werden die weiten Transportwege von Umwelt- und Verbraucherschützern kritisiert.

Mit der Maschine, so die Hoffnung, könnte wieder ein größerer Teil des Gewinns der Krabbenverarbeitung in der Region bleiben. Diese Zeitung hatte zuletzt vor etwa einem Jahr über den Stand der Dinge berichtet, als das Land Niedersachsen mit rund 2,3 Millionen Euro in die Finanzierung des Projekts eingestiegen war. Was hat sich seitdem getan?

Patentanmeldung läuft

„Der Prototyp ist in Arbeit“, sagt Günter Klever, Fischwirtschaftsmeister und Miterfinder der Maschine, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wenn alles gut läuft, werden wir im Sommer den Prototyp vorstellen können.“ Derzeit würden „einige Prozesse im Hintergrund“ laufen. Zu technischen Details hält sich Klever bedeckt - auch aus dem Grund, dass derzeit die Patentanmeldung der Maschine läuft, sagt er.

Arne Schröder ist Projektkoordinator für Alternative Krabbenwertschöpfung beim Thünen-Institut für Seefischerei in Bremerhaven, das maßgeblich an der Entwicklung des Projekts beteiligt ist. „Bis jetzt funktioniert das alles sehr gut“, sagt er. Aktuell befinde man sich „mitten in der Phase der Datenerhebung“ mit „sehr vielversprechenden Aussichten“. Die Arbeitsgruppen am Thünen-Institut kümmerten sich nicht nur um die Entwicklung der Maschine, sondern untersuchten auch die Wirtschaftlichkeit ihres Einsatzes, die Vermarktungsmöglichkeiten einer regional gepulten Krabbe und die allgemeine Situation der Krabbenfischerei. Einige Aspekte können aber erst abschließend untersucht werden, wenn der Prototyp fertig ist, erklärt der Experte. „Aktuell haben wir ein sogenanntes Versuchsmodell“, sagt Günter Klever. Die Daten dieses Modells seien dann die Grundlage für das Modell des Prototypen, welcher voraussichtlich im Juni oder Juli vorgestellt werden soll.

Maschine „Game Changer“ für Krabbenfischerei

Bei dem von Christin und Günter Klever entwickelten Verfahren brechen die Stoßwellen des Ultraschalls die Chitin-Panzer der Krabben auf, ohne dass das Krabbenfleisch beschädigt wird. Nach einigen Minuten lassen sich so Schale und Fleisch trennen. Andere Pulmaschinen auf dem Markt arbeiten meist mit Messern. Sie sind nur wenig zuverlässig und können nicht im großen Stil eingesetzt werden.

Die innovative Technik, könnte nun einen „Game Changer“ für die Krabbenfischerei darstellen, sagte der Leiter des Thünen-Instituts für Seefischerei, Gerd Kraus, vor einem Jahr bei der Übergabe des Förderbescheids im Hafen von Greetsiel. Das Projekt wird noch bis Ende 2024 gefördert, sagt Projektkoordinator Arne Schröder. „Bis dahin haben wir noch viel vor.“

Corona hatte den Krabbenfischern an der Nordsee schwer zugesetzt. Die Abhängigkeit von den Pulzentren in Marokko führte schnell zu Problemen, als es dort zu pandemiebedingten Engpässen kam. Später schnellten wegen des Ukraine-Kriegs die Spritpreise in die Höhe. Einige Fischer, auch in Ostfriesland, ließen deshalb ihre Kutter in den Häfen liegen. Aktuell bereitet ihnen eine mögliche EU-Verordnung Sorge, die das Fischen mit Grundschleppnetzen - also Netzen, die den Meeresgrund berühren - vebieten würde. Viele Fischer fürchten um ihrer Existenz.

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