Bildung  IGS Emden schlägt Alarm – „überlaufen“

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 09.03.2023 10:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die IGS Emden hat in den unteren Jahrgängen die Kapazitätsgrenzen erreicht. Foto: Archiv
Die IGS Emden hat in den unteren Jahrgängen die Kapazitätsgrenzen erreicht. Foto: Archiv
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Mitten im Schuljahr meldet die IGS Emden, dass sie keine Schüler mehr in den unteren beiden Jahrgängen aufnehmen kann. Woran liegt das?

Emden - Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Emden hat in einigen Jahrgängen keine Kapazitäten mehr, um weitere Schüler aufzunehmen. Das teilte die Schule am Mittwochabend, mitten im Schuljahr, mit. „Im kommenden sechsten und siebten Jahrgang sind keine Plätze mehr frei“, heißt es. Woran liegt das?

Was und warum

Darum geht es: Die aktuellen Jahrgänge fünf und sechs an der IGS Emden haben die Kapazitätsgrenzen erreicht. An den Oberschulen in Emden nimmt man noch Wechsler auf.

Vor allem interessant für: Eltern, die vor der Wahl der weiterführenden Schule stehen oder deren Kinder Probleme am Gymnasium haben.

Deshalb berichten wir: Die IGS hatte eine Pressemitteilung verschickt. Wir haben nachgefragt.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Die Gründe haben zwei Seiten: Einerseits verzeichnet die IGS Emden von sich aus steigende Anmeldezahlen für den Jahrgang 5. „Auch der kommende 5. Jahrgang wird wahrscheinlich wieder sehr voll“, so Nils Thorweger, Jahrgangsleiter 8 und Pressebeauftragter der Schule, auf Nachfrage. Hinzu komme aber, dass auch sowohl zu den Halbjahren als auch zum Jahrgangswechsel immer wieder Schülerinnen und Schüler von den Emder Gymnasien an die IGS wechseln.

18 Kindern vom Gymnasium zur IGS gewechselt

„Nach einem halben Jahr Schulbesuch in Jahrgang fünf am Gymnasium haben aktuell bereits wieder 18 Kinder die Emder Gymnasien verlassen, um bei der IGS unterzuschlüpfen“, heißt es in der Mitteilung. Dadurch sei der aktuelle fünfte Jahrgang (kommender sechster) an der IGS überbelegt. Ebenso sehe es im künftigen siebten Jahrgang aus. Die IGS Emden ist fünfzügig zugelassen, maximal 150 Schülerinnen und Schüler passen so in einen Jahrgang. „Wir lehnen niemanden gerne ab“, so Thorweger. „Aber irgendwann sind die Kapazitäten voll.“

Die Zahl der 18 Schüler sei relativ hoch, aber an sich keine Neuerung. „Wir haben regelmäßig Wechsler“, so Thorweger. IGS-Schulleiter Olaf von Sacken empfiehlt deshalb, sich die Schulwahl nach der Grundschule gründlich zu überlegen. Ein späterer Wechsel sei immer mit Problemen verbunden, und das Kind werde aus seiner gewohnten Lernumgebung gerissen und von Klassenfreunden getrennt. Ein Fingerzeig auf die Emder Gymnasien sei das aber nicht, betont Thorweger. „Die Gymnasien machen keine schlechte Arbeit!“, sagt er. Nur sei das Schulkonzept ein anderes und eben nicht für jeden Schüler geeignet.

Eltern sollten Schulwahl genau überlegen

Die IGS wendet sich daher an die Eltern, die Schulwahl nach der Grundschule genau zu überlegen. Alternativen zum Gymnasium gebe es in Emden genügend. Neben der IGS auch die Oberschulen. Und ein Abitur sei auch dann möglich, wenn Kinder nicht auf ein Gymnasium gehen. Offenbar sei es noch zu wenig bekannt, dass die IGS über eine „ganz normale“ Oberstufe verfüge, die zum allgemeinbildenden Abitur führe, betont von Sacken in der Mitteilung. Lediglich in Jahrgang 11 würden besondere Aufbau- und Förderangebote laufen, um auf die Kursstufe auch jene besser vorzubereiten, die bisher nicht gymnasial beschult wurden. Daher sei die Abiturvorbereitung an der IGS besonders auch für Jugendliche aus den Oberschulen geeignet. In der Oberstufe (Jahrgänge 11 bis 13) gebe es derzeit keine Kapazitätsprobleme: Die Klassen und Kurse seien dort so klein, dass die Lernatmosphäre recht persönlich sei.

Doch wie sieht es an den Oberschulen aus? „Wir lehnen niemanden ab und nehmen auch gerne Wechsler auf“, heißt es von der Oberschule Borssum auf Nachfrage dieser Zeitung. Man habe gerade erst zwei Wechsler aufgenommen. „Von der IGS.“ An der Oberschule Herrentor hat man regelmäßig mit Wechslern vom Gymnasium zu tun. „Allerdings eher in Klasse 7, wenn die zweite Fremdsprache dazu kommt, oder in Klasse 8“, so Schulleiterin Susanne Rautmann.“ Probleme oder ein „Überrennen“ sehe man allerdings nicht.

Anders an der IGS. Da die Wartelisten an der IGS weiterhin voll seien, bittet Schulleiter von Sacken, dass Eltern auch die Oberschulen in Betracht ziehen. „Die Kinder, die nach Jahrgang fünf oder sechs die Gymnasien zum Sommer verlassen, mögen bitte bei den Oberschulen anklopfen“, heißt es in der Mitteilung.

Woher kommt die hohe Zahl an Wechslern?

Angesichts der hohen Wechselzahlen liegt die Frage nach den Gründen nahe. Die Pandemie, die jetzigen Fünftklässler haben einen Großteil ihrer bisherigen Schullaufbahn unter Pandemiebedingungen erlebt, möchte Thorweger dafür nicht verantwortlich machen. „Die, die am Gymnasium bleiben, haben ja die gleiche Situation auch hinter sich.“

Die Wechsler scheinen sich derweil vor allem auf Emder Schülerinnen und Schüler zu beschränken. Das Johannes-Althusius-Gymnasium (JAG) darf auch von Schülern aus den Gemeinden Krummhörn und Hinte besucht werden. Diese müssten dann an die IGS Krummhörn-Hinte wechseln, wenn das JAG nichts für sie ist. Auf Nachfrage sagt die IGS Krummhörn-Hinte, dass es kein Problem mit hohen Wechselzahlen gebe.

Anmeldungen für den künftigen 5. Jahrgang im April

Aber egal, welche Schüler betroffen sind, der Wechsel könne oft vermieden werden. Daher will die IGS Emden die Eltern sensibilisieren, im Sinne ihrer Kinder zu entscheiden. „Mit dem Wechsel ist auch ein Gefühl des Scheiterns bei den Kindern verbunden“, sagt Thorweger. Das könne man zwar in der Regel durch neue Erfolgserlebnisse ausgleichen, „aber die Situation stellt die Kinder vor große Herausforderungen“.

Und die nächsten Entscheidungen stehen an: Die Anmeldungen für den künftigen fünften Jahrgang werden an allen Emder Schulen vom 26. April bis 5. Mai entgegengenommen. Das Sekretariat der IGS ist am 27. April und 2. Mai auch nachmittags bis 16 Uhr besetzt, ansonsten schultags bis 14 Uhr.

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