Hamburg Ist es ok, seine Freunde selten zu sehen?
Es gibt Freunde, die sieht man seltener als andere. Aber braucht Freundschaft nicht gemeinsame Zeit und ist es überhaupt noch Freundschaft, wenn man kaum Kontakt hat?
In der Schulzeit habe ich meine Freundinnen jeden Tag gesehen, manchmal sogar zweimal, wenn wir uns auch nachmittags verabredet hatten, was oft genug vorkam. Genau diese Freundinnen treffe ich mittlerweile nur noch selten. Wir wohnen in verschiedenen Städten, befinden uns in unterschiedlichen Lebenssituationen, neue Freundschaften sind hinzugekommen.
Neue Freunde, mit denen ich womöglich zusammenarbeite oder die in der gleichen Stadt wohnen, bekommen von mir und meinen Alltagssorgen deutlich mehr mit. Bei ihnen reicht ein Stichwort und sie wissen worum es geht.
Bei den Freunden, die ich seltener sehe, braucht es jeweils ein längeres Update. Und wen interessiert im Februar noch, was im November alles passiert ist? Die ausgetauschten Infos beziehen sich auf die Höhepunkte. Vom Alltag des anderen bekomme ich wenig mit. Ich habe keine Ahnung, wie die Tagesroutine dieser Freundinnen aussieht, genauso wenig weiß ich, welche Sorgen sie im Alltag umtreiben. Ist es ok, nur unregelmäßig ein Update zu bekommen oder ist das ein Zeichen, dass die Freundschaft an Bedeutung verliert?
Regelmäßiger persönlicher Kontakt ist für eine funktionierende Freundschaft elementar. Das muss kein Treffen sein, aber doch ein Telefonat. Es reicht nicht, Whatsapp-Nachrichten und Instagram-Reels zu verschicken. Freundschaft lebt vom Austausch und nicht von Kurznachrichten.
Mit regelmäßigen Telefonaten kann ich die Durststrecken ohne Treffen überbrücken. Diese Treffen sind dann etwas Besonderes - und dauern im besten Fall ein ganzes Wochenende. Da können wir nachholen, was ich verpasst habe, aber auch nur, weil es vorher Kontakt gab.
Nicht alle Freunde und Bekannte bleiben für immer. Aber mit den guten und echten Freunden klappt es, aber nicht ohne Arbeit hineinzustecken. Damit meine ich vor allem die Zeit, die man sich im stressigen Alltag freischaufeln muss. Am Ende lohnt es sich. Wer kennt einen besser, als die Menschen, die mit einem die Pubertät erlebt haben oder die Höhen und Tiefen des Studiums? Und wer ist einem näher, als die Freundin, die man Tag und Nacht anrufen kann, wenn es nötig ist?