Fehlende Fahrbahnmarkierung  Emder Neutorstraße ist bei Starkregen nicht verkehrssicher

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 08.03.2023 21:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das Verkehrsexperiment in der Neutorstraße ist beendet, bis zur Einrichtung der langfristigen Lösung dauert es aber noch. Bis dahin sollte die Markierung erneuert werden, denn diese lösen sich auf. Fotos: Hanssen
Das Verkehrsexperiment in der Neutorstraße ist beendet, bis zur Einrichtung der langfristigen Lösung dauert es aber noch. Bis dahin sollte die Markierung erneuert werden, denn diese lösen sich auf. Fotos: Hanssen
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Die provisorische Fahrbahnmarkierung auf der Neutorstraße löst sich auf. Mal wieder. Doch kann neue Farbe offenbar erst aufgetragen werden, wenn die Politik sich einigt. Das aber kann dauern.

Emden - Wer mit dem Auto durch die Emder Neutorstraße fährt, fragt sich derzeit noch mehr als sonst, wo man sich denn vor dem Alten Rathaus nun richtig einordnet. Die Fahrbahnmarkierung für Geradeausfahrer und Abbieger ist insbesondere bei regennasser Straße kaum noch zu erkennen. Auch die Zebrastreifen haben gelbe Farbe verloren, was Fußgänger wie Auto- und Radfahrer irritieren könnte. Bei Starkregen sei die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben, sagte Stadtbaurätin Irina Krantz im Ratsausschuss für Stadtentwicklung am Dienstagabend. Doch einfach so wie vorher kann die Markierung nicht erneuert werden.

Die Zebrastreifen lösen sich langsam, aber stetig, auf. Das verunsichert Verkehrsteilnehmer.
Die Zebrastreifen lösen sich langsam, aber stetig, auf. Das verunsichert Verkehrsteilnehmer.

Denn: Das Verkehrsexperiment Neutorstraße ist von der Stadtverwaltung offiziell beendet worden. Nun geht es darum, sich mit Öffentlichkeit und Politik auf eine langfristige Variante in der Straßengestaltung zu einigen. Die Verwaltung schlägt vor, dass eine der Hauptverkehrsachsen der Stadt zu einer Einbahnstraße wird. Fahrtrichtung ist vom Agterum zum Alten Rathaus. Zu beiden Seiten gibt es einen zwischen 1,50 bis 2 Meter breiten Radweg. Die Straße insgesamt wird angehoben und gepflastert. Als „verkehrsberuhigter Geschäftsbereich“ kann dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 bis 30 Kilometern pro Stunde gelten.

Selbst innerhalb der Fraktionen ist man sich nicht einig

Am Montag hat es eine Bürger-Info-Veranstaltung gegeben, bei der die rund 150 Anwesenden sich größtenteils einen noch radikaleren Schritt von der Verwaltung gewünscht hätten – nämlich eine komplett autofreie Zone. An diesem Dienstag kam der zuständige Ratsausschuss zusammen. Doch auf Irina Krantz‘ Hinweis, dass sie die „Realität überholt“ habe und die provisorischen Gelbmarkierungen für das finale Verkehrsexperiment abgängig seien, weswegen man „zeitnah“ reagieren müsse, sprachen die Fraktionen noch von viel Diskussionsbedarf.

Die Fahrbahnmarkierungen können schon verwirren, wenn sie deutlich zu erkennen sind. Jetzt aber lösen sich die gelben auf. Im Regen weiß man kaum noch, wo wer fahren darf.
Die Fahrbahnmarkierungen können schon verwirren, wenn sie deutlich zu erkennen sind. Jetzt aber lösen sich die gelben auf. Im Regen weiß man kaum noch, wo wer fahren darf.

„Wir diskutieren gerade intern heftigst. Ich kann noch nicht sagen, wohin es geht“, meinte etwa Harald Hemken (SPD). Auch in der CDU, der zweitstärksten Fraktion im Rat nach der SPD, sei man sich „nicht einig“, so Bernd Gröttrup. Man fühle sich von der Verwaltung übergangen und kritisiere die Vorgehensweise, zunächst eine Bürger-Info-Veranstaltung abzuhalten und dann die Politik zu informieren, hatte Hemken schon im Voraus gegenüber dieser Zeitung gesagt. Man wünsche einen „zeitnahen“ Termin, um das Thema noch einmal zu diskutieren. Weil der Sitzungskalender sehr voll sei, wisse sie noch nicht, wann sich das einrichten lasse, sagte Irina Krantz.

Erst nach dem 20. April könnte neue Farbe kommen

Am Rande der Ratssitzung in der kommenden Woche soll es einen weiteren Austausch zur Fahrbahnmarkierung geben, lässt Irina Krantz auf Nachfrage am Mittwoch über die Pressestelle mitteilen. Wenn sich da keine Einigkeit finden lässt, wird erst in der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungs-Ausschusses am 20. April eine Diskussion anstehen können. Das heißt, bis dahin könnte es dauern, bis die Fahrbahn neu markiert wird. Auf Nachfrage am Mittwoch bei der Stadtverwaltung, ob man mit der Farbentscheidung wirklich auf die Politik warten muss, denn während der Verkehrsexperimente hat die Stadt auch frei in den (blauen) Farbtopf gegriffen, heißt es: „Wir warten hier auf die Entscheidung aus der Politik. Die oberste Priorität ist es natürlich, die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden sicherzustellen.“ Sollten Wetterereignisse Markierungsarbeiten vor einer politischen Entscheidung nötig machen, so werde man auch handeln – „im Schulterschluss mit der Politik“, so Stadtsprecherin Theda Eilers.

Die Markierung hatte schon vorher – die Experimente laufen seit August 2021 – für Kritik gesorgt. Die gelben Streifen hatten sich oft früh aufgelöst. Bei einer ersten Variante hatten aufgelegte Fahrbahntrenner zu drei Unfällen geführt. Eine Radfahrerin hatte sich den Ellenbogen gebrochen. Auf einem der Zebrastreifen war eine Frau gestürzt und hatte sich schwer am Kopf verletzt. Auch die blaue Farbe bei der finalen Variante war von vielen kritisiert worden.

Wichtige Infos zur Trogstrecke „bis Ostern“

Bis zur langfristigen Lösung, die Umbauarbeiten mit sich bringt, soll die aktuelle verkehrliche Situation bleiben, heißt es zum kurzfristigen Vorgehen der Stadt. Die Parklets, also die Möbel am Fahrbahnrand, werden eventuell verschoben. Denn: Der östliche Seitenbereich soll für Radfahrer als Ausweichspur freigegeben werden. Ein zusätzlicher Fahrradstreifen soll entstehen. Die genaue Gestaltung der Neutorstraße soll, wenn der Vorschlag der Stadt von der Politik so angenommen wird, über einen Wettbewerb ermittelt und anschließend im Gutachterverfahren umgesetzt werden. Es sei zwar „sportlich“, aber man wünsche sich einen Abschluss der Umbauarbeiten bis spätestens Mitte 2026.

Die Entwicklung in der Neutorstraße ist eng mit der generellen Aufwertung der Innenstadt verknüpft. Diese soll autofreier werden und es soll mehr Aufenthaltsqualität entstehen. Im „nächsten Quartal“ wäre es „wünschenswert, wenn es an die Planung von Verkehrsexperimenten rund um die Straße Am Delft und Rathausplatz gehe, sagte Irina Krantz. „Dafür brauchen wir aber Sicherheit zum Trog.“ Die Sanierung der als Trogstrecke bekannten Südumgehung ist komplizierter als zunächst gedacht. „Es ist aber anvisiert, dass bis Ostern dafür eine Ausführungsplanung vorliegt“, sagte sie. „Derzeit warten wir hier noch auf die Rückmeldung des Ingenieurbüros Grassl – die Planungen liegen bisher noch nicht vor. Wir gehen aber davon aus, dass diese bis Ostern vorliegen und dann auch eine aktualisierte Zeitplanung festgelegt werden kann“, heißt es von der Stadtpressestelle.

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Ein Vorschlag der Verwaltung zu einem Parkraumkonzept, das ebenfalls eng mit der Innenstadt-Aufwertung verknüpft ist, soll in der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungs-Ausschusses vorgestellt werden. Ein externes Büro war beauftragt worden, um Daten zur Parkplatz-Situation in Emden zu sammeln. Diese Daten hätten eigentlich schon Ende vergangenen Jahres vorgestellt werden sollen, das hatte sich aber verzögert.