Wiesmoor träumt  Dach für die Freilichtbühne – nur ein Luftschloss?

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 08.03.2023 16:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Freilichtbühne – hier bei der Wahl von Blütenkönigin Anna-Lea Oltmanns 2021 – ist ein wichtiger Veranstaltungsort für Wiesmoor. Doch Akteure und Publikum sind dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Foto: Archiv/Ortgies
Die Freilichtbühne – hier bei der Wahl von Blütenkönigin Anna-Lea Oltmanns 2021 – ist ein wichtiger Veranstaltungsort für Wiesmoor. Doch Akteure und Publikum sind dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Foto: Archiv/Ortgies
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Auf der Freilichtbühne in Wiesmoor ist man Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert. Ein Dach nach Meppener Vorbild soll Abhilfe schaffen. Doch das kostet Millionen.

Wiesmoor - Die Freilichtbühne in Wiesmoor soll überdacht werden. Wann und wie genau, ist offen, denn über Geld wird bislang nicht gesprochen. Der Rat hat am Dienstagabend einstimmig beschlossen, dass die Verwaltung recherchieren möge, wie und zu welchen Kosten eine Überdachung durch ein zeltartiges Dach möglich ist.

Die Freilichtbühne ist für die Blumenstadt von zentraler Bedeutung. Dort findet unter anderem jedes Jahr im September die Wahl der Blütenkönigin statt. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren einiges getan, um den Veranstaltungsort aufzuwerten. Sie ließ unter anderem die Sitze erneuern. Bei schlechtem Wetter jedoch müssen die Besucher Regencapes überstreifen oder Schirme aufspannen. Das Wetterrisiko schreckt manche Veranstalter ab.

„Eine schöne Atmosphäre“

Die Freie Wählergemeinschaft Wiesmoor (FWW) hatte beantragt, Geld für die Überdachung der Freilichtbühne im Haushalt 2023 einzuplanen. Sie stellt sich keine starre Überdachung vor, sondern Stahlmasten, zwischen denen Segeltücher aufgespannt werden. „Der Nebeneffekt ist eine schöne Atmosphäre“, heißt es in dem Antrag.

Mit ihrem Wunsch rennt die FWW bei den anderen Fraktionen offene Türen ein. Der Rat hat allerdings noch kein Geld in den Haushalt eingestellt, sondern die Verwaltung zunächst nur mit Recherchen beauftragt. Das Knifflige an der Sache könne die Statik sein, heißt es aus dem Rathaus. Als Vorbild hat die Verwaltung die Freilichtbühne Meppen ausgeguckt. Diese habe allerdings den Vorteil, dass sie durch einen Verein mit ehrenamtlichen Kräften betrieben werde.

„Das neue Dach ist einfach klasse“

Die Freilichtbühne Meppen hat seit dem vergangenen Jahr ein Membrandach, wie man es zum Beispiel aus Fußballstadien kennt. Die lichtdurchlässige, 2400 Quadratmeter große Fläche schützt Publikum und Ensemblemitglieder vor Regen und Sonne. Dennoch ermöglicht sie einen freien Blick auf den Wald. Das Dach wird mit Stahlseilen und -stützen gesichert. Insgesamt haben die Stadt Meppen und der Landkreis Emsland rund 3,1 Millionen Euro investiert. „Das neue Dach ist einfach klasse“, sagte der US-amerikanische Dirigent Jason Weaver im vergangenen Jahr der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Für die Stadt Wiesmoor dürfte eine solche Investition ein paar Nummern zu groß sein. Kämmerer Jens Brooksiek sagte am Mittwoch im Gespräch mit der Redaktion: „Es geht ja zunächst nur darum zu sehen, was möglich ist und ob überhaupt etwas möglich ist.“ Dabei stelle sich auch die Frage der technischen Machbarkeit und der Gründung. Brooksiek: „Wir heißen nicht umsonst Wiesmoor. Da weiß man nie so genau, wie der Untergrund ist.“ Die Stadt Wiesmoor werde sich jedenfalls in Meppen nach der Überdachung erkundigen.

„Reine Luxusausgaben“

Für die CDU ist das Freilichtbühnendach eher ein Luftschloss. Die Christdemokraten haben dem Antrag zwar zugestimmt, doch Fraktionschef Klaus-Dieter Reder sagte in seiner Haushaltsrede: „Eine Überdachung zum jetzigen Zeitpunkt halten wir für völlig verfrüht. Kosten in Millionenhöhe, die hierfür aufzuwenden wären, stehen derzeit in keinerlei Verhältnis zur Auslastung. Zum jetzigen Zeitpunkt sind dies reine Luxusausgaben, die wir keinesfalls mittragen werden.“

Der Wiesmoorer Haushalt 2023 ist vom Rat ohne Gegenstimme beschlossen worden. Diedrich Kleen (Tierschutzpartei) enthielt sich, alle anderen stimmten zu – ein Zustand, von dem die Stadt Aurich nur träumen kann. Dort fand der Haushaltsentwurf keine Mehrheit. Die Kreisstadt steht nun ohne Haushalt da. Ihr droht Handlungsunfähigkeit.

Die Stadt Wiesmoor nimmt neue Kredite auf. Sie investiert unter anderem in die Sanierung des Hallenbades (1,6 Millionen Euro) und in den Straßen- und Wegebau (1,7 Millionen Euro). Die Nettoneuverschuldung beträgt 6,7 Millionen Euro. Insgesamt steigt der Schuldenstand auf den Rekordwert von 36,8 Millionen Euro. Trotz der Zustimmung äußerten einige Ratsmitglieder Kritik. Frieda Dirks von der Freien Bürgerliste Wiesmoor (FBW) beispielsweise beklagte sich über den Kompromiss zum Torfabbau. Die Torfabbauer seien die großen Gewinner. Ihnen werde der rote Teppich ausgerollt. „Es ist eine Unverschämtheit, dass die Bürger das noch bezahlen müssen.“

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