Kolumne Intern  Corona, Ukraine und dann? Eine Krise jagt bei den Medien die andere

Joachim Braun
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Eine Kolumne von Joachim Braun
| 10.03.2023 09:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Joachim Braun.
Joachim Braun.
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Gefühlt ist unser aller Leben in den vergangenen Jahren viel schwieriger geworden. Auch wurden wir ärmer. Auch die Zeitungsverlage. Und trotzdem: Jede Krise ist anders.

Manche Zeitungshäuser, so heißt es, sind mit hervorragenden Ergebnissen durch die Corona-Jahre gekommen. Die Gründe sind einfach: Ganze Abteilungen waren viele Monate in 60, 80 oder noch mehr prozentige Kurzarbeit geschickt worden. Die Verlage reduzierten so ihre Kosten massiv (zulasten des Steuerzahlers), während die Einnahmen, zumindest die Abogebühren, einigermaßen stabil blieben oder sogar stiegen, weil auch vormalige Nichtleser erkannten, dass unsere Informationen ganz nützlich sind. Im Anzeigenverkauf war Kurzarbeit nachvollziehbar, weil Geschäfte im Lockdown ja tatsächlich nicht inserierten. Kurzarbeit in den Redaktionen diente indes nur der Gewinnmaximierung, denn wir hatten aufgrund der Umstände defacto mehr Arbeit als ohne Krise.

Zur Person

Joachim Braun (57) ist Chefredakteur der Ostfriesen-Zeitung, des General-Anzeigers und der Borkumer Zeitung. Davor leitete er die Redaktionen der Frankfurter Neuen Presse und des Nordbayerischen Kurier in Bayreuth. 2012 wurde er von einer Fachjury zu Deutschlands „Regional-Chefredakteur des Jahres“gewählt.

(Nur am Rande bemerkt und auch nicht als Heldengeschichte: Unser Verlag schickte bis auf zwei Handvoll Anzeigenverkäufer für zwei oder drei Monate nicht einen einzigen Mitarbeiter in Kurzarbeit. Klare Aussage des Verlegers: „Wenn wir Staatsferne betonen, dann nicht nur in guten, sondern auch in schwierigen Zeiten.“)

Seit die Pandemie weg ist, haben wir den Ukraine-Krieg. Auch eine Krise, aber eine völlig andere. Die lokalen Informationen, die zu Corona-Zeiten für die Menschen so wichtig waren, spielen gar keine Rolle. Wer was wissen möchte, zu Putins Angriffskrieg, sucht bei Spiegel, SZ, FAZ & Co., aber nicht bei OZ und GA. Online helfen uns da nicht mal aufwändige und gute gemachte Angebote wie der Liveblog zum Krieg. Für die Reichweiten der Regionalverlage landauf landab ist die Ukraine die Pest. Kurzarbeit ist zwar kein Angebot, dafür funktioniert der Anzeigenmarkt ganz ordentlich, weil die Menschen Konsum nachholen möchten. Aber: Inflation, Energie- (ist gleich Papierpreis-)Erhöhung und die durch 25 Prozent Mindestlohnsteigerung explodierenden Zustellkosten, reißen die ganze Branche in die Krise. Wir haben etwas Glück, weil viele Leser aufs E-Paper gewechselt sind.

Und welche Krise kommt nun? Ich bin mal gespannt.

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