Hamburg 1500 neue Stellen allein in Hamburg: Jobboom auch bei Lufthansa Technik
Erst Airbus, jetzt auch die Lufthansa Technik: Der Technikdienstleister hatte in der Pandemie massenhaft Stellen abgebaut. Ein Kahlschlag, den Chef Sören Stark verteidigt, auch wenn jetzt nicht zuletzt in Hamburg Fachkräfte fehlen.
Nach dem Absturz in der Corona-Krise hat die Hamburger Lufthansa Technik AG schneller als erwartet wieder kräftig Wind unter den Flügeln. Vorstandschef Sören Stark hat am Dienstag einen massiven Ausbau des Geschäfts angekündigt – einschließlich Jobboom am Hauptsitz. „Wir werden in diesem Jahr in Hamburg etwa 1500 zusätzliche Stellen schaffen“, versprach Stark bei seinem Ausblick auf 2023.
In Deutschland sollen es insgesamt 2000 zusätzliche Mitarbeiter sein, weltweit 4000. Damit übertrifft der Stellenzuwachs sogar die Dimensionen bei Airbus. Der Flugzeugbauer will in diesem Jahr im Hauptwerk Hamburg-Finkenwerder mehr als 1000 neue Beschäftigte einstellen.
Lufthansa Technik wartet, repariert und überholt Verkehrsflugzeuge – und zwar nicht nur die Jets der Konzernmutter Lufthansa, sondern auch die vieler anderer Airlines. Fast jedes fünfte Flugzeug weltweit nehmen die Hamburger technisch unter ihre Fittiche, sind damit einer der größten Anbieter in diesem Bereich. Der Ausbruch der Covid-Pandemie hatte den Konzern jäh in eine schwere Krise gestürzt. Weltweit fiel von 25.000 Jobs jeder fünfte weg, in Hamburg 800.
Weil sich der globale Flugmarkt nun aber eben so rasant wieder erholt, geht es auch beim technischen Dienstleister steil bergauf. „Die Zeichen stehen weiter auf Wachstum“, sagte Stark zuversichtlich, der für 2022 bereits einen Rekordgewinn vor Steuern von 511 Millionen Euro verkünden konnte. Der Umsatz kletterte um knapp 40 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Das ist zwar immer noch weniger als vor der Krise. Der Vorstandschef geht aber fest davon aus, den Höchstwert aus 2019 bereits in diesem Jahr zu übertreffen.
Dafür spricht, dass die Hamburger 2022 neue Aufträge in einem Rekordumfang von 9,6 Milliarden Euro abgeschlossen haben. Um all die Aufträge abarbeiten zu können, sucht das Unternehmen nun händeringend nach Fachkräften – ein äußerst schwieriges Unterfangen. „Knappheit von Fachpersonal ist die aktuell größte Herausforderung bei der Bewältigung der enormen Kundennachfrage“, gestand Stark.
Die Beschäftigten, die in der Krise gingen oder gegangen wurden, fehlen nun schmerzlich. Im Rückblick sei die Massivität des Stellenabbaus ein Fehler gewesen, räumte der Vorstandschef ein, sagte aber auch: „Damals war die Entscheidung richtig, weil die Lufthansa kurz vor der Insolvenz stand.“
Unter Hochdruck rekrutiert Lufthansa Technik nun neues Personal, 2022 seien bereits 2100 offene Stellen hierzulande wieder besetzt worden. Stark: „Wir sprechen auch gezielt ehemalige Mitarbeiter an, ob sie zurückkehren wollen.“ Um für Bewerber attraktiver zu werden, verspricht das Unternehmen nicht nur höhere Gehälter und Erfolgsbeteiligungen. Als Lockmittel dienen auch „innovative Lösungen für die Work-Life-Balance“, beispielsweise durch Umwandlung von Bonuszahlungen in Freizeit.
Vom neuen Höhenflug profitiert der Standort Hamburg (aktuell: knapp 9100 Beschäftigte) nicht nur personell in besonderer Weise. Auch die Infrastruktur auf dem Gelände am Flughafen Fuhlsbüttel will das Unternehmen massiv ertüchtigen. Es läuft bereits der Weiterbau einer neuen Hydraulikwerkstatt (65 Millionen Euro, Fertigstellung: 2025). Vorgesehen sind zudem der Neubau von Werkstätten samt Lackiercenter für VIP-Flugzeuge (hohe zweistellige Millionensumme, 2025 fertig) sowie die Schaffung neuer Kapazitäten in der Triebwerksüberholung (bis 2026).
Stark bestätigte Pläne, dass Lufthansa eine Minderheitsbeteiligung an seiner Techniktochter verkaufen will. Welche Teile des Unternehmens betroffen sind und an wen sie gehen werden, solle spätestens im dritten Quartal des Jahres feststehen.