Aussage irritiert Wegen Vandalismus keine Bestattungen im Emder Stadtwald?
Am Wochenende wurde mit einer Axt randaliert. Die Stadtverwaltung sieht das als weiteren Grund, dass dort keine Bestattungen möglich sein sollten. Jetzt äußert sich auch die Jägerschaft.
Emden - Die jüngsten Fälle von Vandalismus im Emder Stadtwald ist ein Dämpfer für die Pläne, dort Baumbestattungen möglich zu machen. Das meint zumindest die Stadtverwaltung. Am Wochenende hatte ein noch unbekannter Täter mit einer Axt Bäume gefällt, Bänke und Brücken beschädigt. Die Stadtverwaltung bleibt mit ihrer aktuellen Aussage ihrer kritischen Linie treu, die sie verfolgt, seitdem die FDP-Ratsfraktion 2020 die Diskussion zu einem Bestattungswald losgetreten hatte. FDP-Fraktionschef Erich Boliniuslässt diese Aussage aber nicht gelten. Es sei „von einem Vorstand der Stadt Emden mit dem OB an der Spitze nicht in Ordnung und angemessen. Aus dieser Stellungnahme kann man ableiten, dass man vor den Vandalen kapituliert“, so Bolinius.
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Stadt Emden will mindestens 3000 Baumbestattungen möglich machen
Die Mehrheit stimmt gegen einen Bestattungswald in Emden
Vandalismus gebe es auch auf Friedhöfen immer wieder. Er gibt ein persönliches Beispiel: „Von dem Grab meiner Eltern in Petkum wurde der Grabschmuck entwendet, und auch auf dem Friedhof Tholenswehr kommen solche Diebstähle sehr oft vor. Sollen die Trauernden also zukünftig bei derartigen Delikten die Gräber danach nicht wieder mit Grabschmuck versehen? Die Antwort ergibt sich meines Erachtens von selbst“, so der Emder. Ostfriesland- und bundesweit liest man immer wieder von Störungen der Totenruhe. In Berlin muss ein Friedhof nachts sogar gesperrt werden, eine Wache mit Hund läuft dann Streife und die Gebäude sind alarmgesichert.
Großteil der Politik wünscht Bestattungswald
Nicht nur die Rats-FDP wünscht die Möglichkeit von Waldbestattungen in Emden. An diesem Donnerstag geht im Ausschuss des Bau- und Entsorgungsbetriebs (BEE), der für die Friedhöfe in Emden zuständig ist, ein Antrag aller Fraktionen und Gruppen außer der CDU in die Abstimmung. Dieser lautet: „Der Rat der Stadt Emden beschließt die Erstellung eines Gedächtniswaldes im Emder Stadtwald zum nächstmöglichen Zeitpunkt.“ Die Stadtverwaltung schlägt indes vor, dass dieser Beschluss vom Rat abgelehnt wird.
Der Antrag war schon im vergangenen Sommer gestellt worden. Weil noch Fragen offen waren, hatte die FDP den Antrag, der im Oktober auf der Tagesordnung der BEE-Sitzung stand, vorerst zurückgezogen. Er sei danach erneut aktiv geworden und habe die Gründe der Ablehnung durch die Verwaltung von der „Gräflich von Wedel’sche Verwaltung“ beurteilen lassen. Die Verwaltung ist nicht nur für das Schloss Gödens (Landkreis Friesland) zuständig, sondern auch für den Gedächtniswald in Leer-Logabirum. Außerdem plant sie eine solche Fläche im Karl-Georgs-Forst in Friedeburg (Landkreis Wittmund) und hat Interesse an einer solchen Entwicklung im Popenser Gehölz in Aurich.
Beurteilung widerspricht der Stadtverwaltung
Nach der Beurteilung der gräflichen Verwaltung sehe er „keinen Grund einer Ablehnung durch die Fraktionen und der Verwaltung“, so Bolinius. Die Stadtverwaltung gibt an, dass schon jetzt das Betreiben und Pflegen der öffentlichen Friedhöfe ein Minusgeschäft sei. Im Sommer 2021 war man einen Kompromiss eingegangen und hatte auf dem größten Stadtfriedhof Tholenswehr einen Linden-Begräbnishain eingerichtet. Dort sind Urnen-Bestattungen zu den Wurzeln von Bäumen möglich. „Für den Teil des Gedächtniswaldes entfallen für die Stadt Emden die Kosten der Pflege dieses Waldstückes, da dies der Betreiber übernimmt“, heißt es in der Beurteilung der Wedel‘schen Verwaltung.
Dort werden auch andere Argumente der Stadt entkräftet. So sieht die Stadt einen Konflikt darin, dass der Stadtwald als Naherholungsort dient und auch für Umweltpädagogik genutzt werden soll - unter anderem von den Kindern, die in den neuen Kindergarten am Wald gehen. Auch gibt es dort einen neuen Spielplatz. „Mit einer zusätzlichen Nutzung des Waldes als Bestattungswald, einem Ort der Trauerbewältigung, an dem Angehörige ruhig und ungestört gedenken können, entsteht aus Sicht der Verwaltung ein starker Interessenskonflikt mit dem ursprünglichen Nutzungskonzept dieser Waldfläche“, heißt es in der Beschlussvorlage. Hinzu komme auch die „nicht unerhebliche Geräuschbelastung durch den in unmittelbarer Nähe befindlichen Flugplatz“.
Jägerschaft sieht Bestattungen kritisch
„Ein Gedächtniswald steht weiterhin allen Interessensgruppen zur Verfügung“, betont die Wedel‘sche Verwaltung. Es gehe außerdem nur um eine kleine Fläche beim Eingangsbereich von der Herderstraße aus. Der Rest des Waldes bleibe unberührt. Auch sei es nichts Ungewöhnliches, wenn Friedhöfe direkt neben Lärmquellen wie Schulen, Autostraßen und anderem errichtet würden. Vom Emder Flugplatz gebe es derzeit pro Tag etwa sechs Starts und Landungen, daher habe man „keine Bedenken, dass dies den Bestattungsbetrieb empfindlich stören würde“, heißt es in der Beurteilung.
Nun bekommt der Gedächtniswald Gegenwind aus neuer Richtung. Bislang wurde die Emder Jägerschaft noch nicht zu den Plänen befragt, ärgert sich Uwe Kampenga im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Kreisjägermeister erklärt, dass im Stadtwald – dem einzigen richtigen Waldbereich in Emden – die Rehdichte sehr hoch sei. Die meisten Wildunfälle in der Stadt passierten daher auch ringsum diesen Forst. Von der Stadt Emden gebe es daher „stramme Abschussvorgaben“ und die Rehe müssten im Rahmen der Jagdzeiten „ständig bejagt“ werden. Er sehe schon jetzt „Reibereien“ auf die Jägerschaft zukommen, wenn in einem Bereich des Stadtwalds Trauernde ihren Angehörigen gedenken, aber auch mal ein „Jäger mit Gewehr“ vorbeikommt.
Außerdem gelten Friedhöfe, wozu auch Bestattungswälder gezählt werden, als „befriedete Bezirke“. Dort ist die Jagd verboten. Sollten sich die Rehe also in dem Bestattungsbereich aufhalten, können sie nicht geschossen werden. „Emden hat nur einen Wald. Ich finde Bestattungen dort abwegig“, sagt Uwe Kampenga. Die Regelung zu „befriedeten Bezirken“ hatte schon beim Stadtfriedhof Tholenswehr, der teilweise sehr parkähnlich und von Feldern umgeben ist, für Probleme gesorgt, weil viele Rehe dort vom Grabschmuck geknabbert haben.
→ Sollte im BEE-Ausschuss für den Bestattungswald gestimmt werden, muss noch der Verwaltungsausschuss am 13. März sowie der Rat am 16. März entsprechend beschließen.