Schwerin  Privatleute wollen Insel im Norden kaufen: Das steckt hinter der Aktion

Katharina Golze
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Von Katharina Golze
| 03.03.2023 05:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Insel Großer Kirr liegt im Barther Bodden. Foto: Imago Hans Blossey
Die Insel Großer Kirr liegt im Barther Bodden. Foto: Imago Hans Blossey
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Auf der Insel Kirr südlich des Darß (Mecklenburg-Vorpommern) leben Kiebitz, Rotschenkel und Uferschnepfe. Um diese Arten zu schützen, beteiligen sich Privatpersonen am Inselkauf. So funktioniert die Aktion.

Angela aus dem Allgäu, Joachim aus Rechlin, Hannelore aus Barth, Simon aus Berlin – sie alle und noch viele mehr haben 25, 50 oder 200 Euro gegeben, um eine kleine Insel im Barther Bodden mitzukaufen und deren Bewohner zu schützen.

Naturfund heißt die Plattform, auf der Privatpersonen den Urwald in den Anden, Regenwald in Costa Rica und Madagaskar oder Wildbienen in Hessen schützen können – und auch die Vögel auf der Insel Großer Kirr südlich des Darß. Hier, im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, leben Kiebitz, Rotschenkel, Großer Brachvogel und Uferschnepfe. Bedrohte Vogelarten, die ein ganz besonderes Biotop brauchen, um zu brüten.

Das Problem: Handtuchflurstücke der 360 Hektar großen Insel liegen in Privathand. Gut dreiviertel sind bereits Eigentum des Landes oder der Stiftung Umwelt und Naturschutz MV, es sollen aber 100 Prozent werden. „So ist gesichert, dass es im Sinne der Vögel keine Interessenkonflikte gibt“, sagt Maria Berndt, zuständig für Liegenschaften und Naturefund beim Nationalparkamt Vorpommern. Etwa in der Frage der Beweidung.

Für kurzrasige Wiesen – das Paradies für Wiesenbrüter – schickt das Nationalparkamt im Sommer Rinder auf die Insel. „Wir brauchen die Beweidung für Bruterfolge und zum Erhalt des Salzgraslandes“, sagt Amtssprecherin Katrin Bärwald. Zudem ist die Insel Kirr nicht nur ein Vogelschutzgebiet und Salzgrasland, sondern im Untergrund ein Küstenüberflutungsmoor, das besonderem Moorschutz bedarf.

Doch wie kommen nun private Spender ins Spiel? „Das Land hat nur begrenzte Mittel. Pflichtaufgaben werden gelöst, aber beim Landkauf sind wir auch auf Dritte angewiesen“, sagt Katrin Bärwald. Um von Privateigentümern die Flurstücke abzukaufen, braucht es finanzielle Mittel der Bevölkerung. „Seit 2012 haben wir mit Naturefund schon 14 Hektar auf der Insel Kirr gekauft“, berichtet Maria Berndt.

Hinzu kommen sechs Hektar, die durch Landesmittel erworben oder per Schenkung überlassen wurden. Welche Fläche welcher Spender mitfinanziert hat, könne man nicht sagen. Doch können Privatpersonen die geschützte Insel mit einer Naturführerin betreten und aus nächster Nähe ihr mitfinanziertes Vogelschutzgebiet erleben.

Vielleicht entdecken sie dann Kiebitz, Rotschenkel oder Uferschnepfe, denn ihre Populationen sind seit Beginn der Naturschutzmaßnahmen stabil und von 2021 zu 2022 sogar gestiegen. „Eine erfreuliche Entwicklung“, nennt es Bärwald. Zugleich sind bedeutende Seeschwalben- und Möwenkolonien wieder von der Insel verschwunden. Deswegen sammelt das Nationalparkamt weiter Spenden auf Naturefund. Online können Naturfreunde nicht nur Land schützen, sondern auch eine Spende verschenken.

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