Keine Entscheidung zur Bedarfsanalyse  Zukunft der Krummhörner Kitas und Schulen bleibt offen

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 05.03.2023 18:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mit einer Entscheidung zur Zukunft der Kitas und Grundschulen in der Krummhörn ist so schnell nicht zu rechnen. Symbolfoto: Archiv
Mit einer Entscheidung zur Zukunft der Kitas und Grundschulen in der Krummhörn ist so schnell nicht zu rechnen. Symbolfoto: Archiv
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Am Sonnabend fand eine weitere Klausurtagung zur Zukunft der Kitas und Grundschulen in der Krummhörn statt. Das Ergebnis: Es gibt keine Tendenz.

Krummhörn - Werden Schulen und Kitas in der Krummhörn geschlossen? Die Verwaltung empfiehlt es: Zwei Grundschulen sowie mehrere Kitas sollen geschlossen werden. Das ist die Lösung, die Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) und die Verwaltung aus der Analyse der Firma Biregio ziehen. Doch daraus wird erstmal nichts und auch die öffentliche Vorstellung wird verschoben.

Was und warum

Darum geht es: Die öffentliche Vorstellung der Bedarfsanalyse im Bildungsausschuss wird von der Tagesordnung genommen.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Zukunft der Grundschulen und Kitas in der Krummhörn interessieren.

Deshalb berichten wir: Am Sonnabend fand eine weitere Klausurtagung zur Bedarfsanalyse statt.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.d

Am Sonnabend wurde die sogenannte Bedarfsanalyse ein weiteres Mal einem geschlossenen Personenkreis aus Eltern, Schul- und Kitapersonal sowie der Politik vorgestellt. Die Sitzung dauerte mehrere Stunden und war erst am Nachmittag beendet. Statt sich auf eine Variante oder eine Tendenz zu einigen, ist sich die Politik einig: Es gibt noch Redebedarf. Unter anderem soll es eine Bereisung geben.

Keine Vorstellung im Ausschuss

Die Bereisung der Grundschulen und vor allem der Kindertagesstätten soll die von Biregio erarbeitete Analyse ergänzen, so der Tenor aus der Politik. Man wolle sich auch noch mit Eltern und auch Erzieherinnen austauschen, bevor man zur Lösungsfindung übergeht. „Die einzigen, die sich schon auf eine Lösung festgelegt haben, sind Bürgermeisterin und Verwaltung“, kommentierte Heiko Ringena von der Freien Bürgerliste Krummhörn (FBL). „Es war eine gute und ergebnisoffene Veranstaltung“, so Ringena weiter. Es seien auch noch, zum Teil durch Eltern- und Schul- sowie Kitavertreter, neue Varianten ins Gespräch gebracht worden. „Das muss auch erstmal sortiert werden.“ Am Sonntag meldete sich Looden in einer Mitteilung zu Wort. Demnach sei „im Zuge der Klausurtagung“ die „Zahl der Varianten um eine“ gestiegen. Wie genau die neue Variante aussieht, wurde nicht mitgeteilt.

Erstmals öffentlich beraten werden sollte die Bedarfsanalyse am kommenden Dienstag, 7. März, ab 18.30 Uhr im Bildungsausschuss der Gemeinde. Dieser wurde dafür extra aus dem kleinen Sitzungszimmer im Rathaus in die Mensa der IGS in Pewsum verlegt. Nun wird der Tagesordnungspunkt aber gestrichen, eine öffentliche Vorstellung im Rahmen einer Sitzung wird es somit erstmal nicht geben. Dies teilte Looden ebenfalls am Sonntag mit. Die Ergebnisse der Bedarfsanalyse sollen aber ab diesem Montag, 6. März, über die Internetseite der Gemeinde (www.krummhoern.de) öffentlich zugänglich gemacht werden. Bislang waren diese mehr oder weniger unter Verschluss gehalten worden. Die Veröffentlichung solle ohne eine Positionierung passieren.

Kritik an Gemeinde für Beschlussvorlage

Öffentlich von der Gemeinde bestätigt wurde zuvor nur, dass es gerade im Bereich der Kindertagesstätten dringenden Handlungsbedarf gebe. Jüngst war die Verwaltung, noch vor der Klausurtagung am Samstag, mit einem Beschlussvorschlag an die Öffentlichkeit gegangen. Dies hatte zu zum Teil scharfer Kritik aus den Reihen der Politik gesorgt. Die Gemeinde, das war der Beschlussvorlage zum Bildungsausschuss zu entnehmen, empfiehlt demnach die Schließung der Grundschulen Loquard und Greetsiel. Die dann frei werdenden Gebäude sollen zu Kitas umfunktioniert werden. Die Zahl der Kitas soll dadurch aber nicht aufgestockt, sondern stärker konzentriert werden: Mehrere Einrichtungen sollen geschlossen werden. In der Krummhörn gibt es elf Kindertagesstätten. Von diesen Kitas sind laut Biregio fünf „ohne Entwicklungspotenzial“: Greetsiel, Groothusen, Loquard, Manslagt und Uttum. Die Gemeindeverwaltung schlägt vor, „zukünftig in den Ortschaften Greetsiel, Loquard, Jennelt, Pewsum und Woquard“ Kindertageseinrichtungen vorzuhalten. Also nur noch fünf statt elf. Dies deckt sich mit der von Biregio bislang empfohlenen Vorgehensweise.

Doch auch das ist nun erstmal vom Tisch. „Der Entscheidungsprozess wird sicher noch dauern“, so Ringena. „Und er wird nicht am Dienstag mit einem Beschluss im Bildungsausschuss eingeleitet. Davon können wir ausgehen“, sagte er weiter. Ähnliches sagten Roelf Odens (CDU) und Reiner Willms (SWK). Einigkeit herrsche darüber, dass man die Tragweite der zu treffenden Entscheidung verstanden habe. „Niemand macht sich die Sache leicht“, kann man den Tenor zusammenfassen. Auch Alfred Jacobsen (SPD) betonte: „Es gibt noch viele Punkte, die beleuchtet werden müssen.“

Entschluss bis zum Sommer?

Auf der Klausurtagung wurde aber eine Bereisung der Grundschulen und Kitas beschlossen. Das bestätigen sowohl Politik als auch Verwaltung. Auch sollen die von Biregio erarbeiteten sowie die von Eltern und Einrichtungen vorgebrachten Varianten besprochen werden. „Niemand will einen Schnellschuss“, so Willms. „Nach der Bereisung und den Anhörungen soll eine Entscheidung gefällt werden“, heißt es in der Mitteilung der Gemeinde.

Ob damit das von Bürgermeisterin Looden vorgebrachte Ziel einer Entscheidung bis spätestens zum Sommer noch zu halten ist? „Ich bin da nach wie vor zuversichtlich“, so Looden am Sonnabend gegenüber dieser Zeitung. Sie sehe aber auch, dass es noch Besprechungsbedarf gibt. „Es ist aber zu merken, dass alle zusammen an einer Lösung arbeiten wollen.“

Nur eine Variante vom Tisch

Bei der Bürgerinitiative Jennelt rund um die ehemalige Jennelter Grundschulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn ist damit weiter Abwarten angesagt. Einen Grund zum aufatmen gebe es noch nicht, denn auch die Schließung der Grundschule Jennelt steht nach aktuellem Stand weiter zur Debatte. „Ich kann nicht einschätzen, in welche Richtung es gehen wird“, so Lerche-Schaudinn am Sonnabend.

Tatsächlich ist von den Biregio-Vorschlägen nur einer nach aktuellem Stand vom Tisch: eine zentrale Grundschule in Pewsum. Diese müsste nämlich fünfzügig sein – und das ist in Niedersachsen nicht möglich.

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