Natur an der Ems Ufer bei Papenburg soll Teil des Masterplans Ems werden
300 Hektar südlich der Meyer-Werft sollen neu angelegt werden. Flachwasserzonen, die durch Begradigungen verschwunden waren, sollen so zurückkehren.
Papenburg / Landkreis Leer - Die Ems wurde in der Vergangenheit mehrfach begradigt, vertieft, befestigt. Die Folge: Die ursprüngliche Flusslandschaft verschwand bis auf wenige Reste. Vor allem die Uferrandzonen haben sich stark verändert, weil die Fließgeschwindigkeit mit den Vertiefungen zugenommen hat. Ein Maßnahmenpaket des Masterplans Ems 2050 ist daher die Schaffung von naturnaher Landschaft. Dazu werden jetzt zusätzliche Flächen bei Papenburg ins Auge gefasst.
Was und warum
Darum geht es: Für den Masterplan Ems werden ganz neue Flächen in Höhe Papenburg ins Auge gefasst.
Vor allem interessant für: Menschen, die sich für die Natur interessieren.
Deshalb berichten wir: Wir erkundigen uns laufend zum Fortschritt bei dem Plan zur Verbesserung der ökologischen Verhältnisse an der Ems. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Um welche Flächen geht es?
Aktuell wird ein Gebiet von rund 300 Hektar Größe untersucht, das in Höhe Tunxdorf direkt an der Ems liegt. Es ist ein schmaler Streifen, der sich bis Aschendorf herunterzieht. Für den Masterplan Ems 2050 sollen insgesamt etwa 500 Hektar beschafft werden, die dem Einfluss von Ebbe und Flut ausgesetzt werden sollen. „Mit den derzeit im Bau oder in der Planung befindlichen Poldern (Coldemüntje, Stapelmoor, Polder Leer) wären vorbehaltlich der baurechtlichen Genehmigung etwa 194 Hektar in Sicht“, heißt es in einer Mitteilung der Geschäftsstelle des Masterplans. Zum Vergleich: Das Große Meer ist 289 Hektar groß, der Stadtstaat Monaco nur 202. Ursprünglich standen mal 1500 Hektar im Raum, aber diese wurde durch den Masterplan auf rund 700 Hektar als Zielvorgabe verkleinert.
Was soll dort geschehen?
Es geht laut Thorsten Kuchta, Pressesprecher der Masterplan-Geschäftsstelle, um die Schaffung von naturnahen Uferrandzonen. Denn der Ems fehlen Flachwasserzonen, die an einem natürlichen Flusslauf zu finden wären. Dort wächst nicht nur Röhrricht, sondern auch Wildstauden und Bäume wie Erlen oder Weiden, die eine regelmäßige Überflutung aushalten. Das ist gemeint, wenn von „ästuartypischem Lebensraum“ die Rede ist.
Was ist jetzt auf diesen Flächen?
Aktuell befinden sich in dem Areal im Deichvorland etwa 150 Hektar Wiesenvogelflächen, Kompensations- und Kohärenzfestlegungen sowie FFH-Lebensraumtypen (Magere Flachlandmähwiesen) – also Gebiete, die schon jetzt einem gewissen Schutz unterliegen. Den heutigen Status können sie laut Kuchta jedoch nicht behalten, wenn sie für den Masterplan genutzt werden. Das gilt zum Beispiel für den Wiesenvogelschutz: Das Gelände soll künftig dem Einfluss von Ebbe und Flut ausgesetzt werden. Das heißt: Es steht bis zu zweimal täglich unter Wasser. Wiesenvögel können dann nicht mehr dort brüten.
Deshalb muss zuvor geklärt werden, ob für die heutigen Schutz- und Kompensationsgebiete andere Flächen binnendeichs gefunden werden. „Der Landkreis Emsland hat vor diesem Hintergrund deutlich gemacht, dass er einer Umgestaltung nur zustimmen könne, wenn die Beschaffung der dafür notwendigen Flächen spannungsfrei erfolge“, so die Pressemitteilung. Ob dieses möglich sein wird, soll mit der Machbarkeitsstudie ermittelt werden.
Wer hat etwas von den neuen Flächen?
Vor allem Tiere und Pflanzen, die am Rand von Gewässern zu finden sind. Laut Kuchta sind flache Flussufer eigentlich eine Kinderstube für verschiedene Fische. Außerdem leben dort Watvögel, die in den feuchten Uferzonen und im flachen Wasser Nahrung finden. Zahlreiche Pflanzen sind auf diesen Lebensraum spezialisiert, die sich dort ebenfalls ansiedeln können.
Was ist der Sinn?
Der Masterplan Ems 2050 hat das Ziel, die ökologischen Bedingungen im Fluss zu verbessern, aber gleichzeitig die ökonomische Infrastruktur (Schifffahrt, Häfen und Werften) zu sichern. Dieser Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland (vertreten durch die Bundeswasserstraßenverwaltung), dem Land Niedersachsen (vertreten durch den Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz), den Landkreisen Emsland und Leer sowie der Stadt Emden, die Naturschutzverbände WWF, Nabu und BUND sowie der Meyer-Werft wurde auf Drängen der Europäischen Union geschlossen, weil kein Fluss in Deutschland in einem ökologisch guten Zustand ist.
Ein Hauptproblem in der Ems ist die starke Verschlickung. Diese trübt das Wasser und senkt im Sommer den Sauerstoffgehalt im Wasser so stark, dass es für Fische und andere Lebewesen bedrohlich wird. Versuche für eine Tidesteuerung mit dem Emssperrwerk, bei dem die Fluttore so geöffnet und geschlossen werden sollen, dass die Tide langsamer aufläuft, der Ebbstrom aber mehr Schlick aus dem Fluss heraustransportiert, waren erfolgreich verlaufen. Deshalb ist geplant, dieses Verfahren künftig anzuwenden. Allerdings gibt es noch viele offene Fragen zum Beispiel zu den Auswirkungen auf Schifffahrt und Häfen. Der Antrag auf Planfeststellung soll noch in diesem Jahr gestellt werden.
Die Tidepolder in Coldemüntje sowie bei Leer sollen zwar vorrangig dafür sorgen, verloren gegangenen Lebensraum für Tiere und Pflanzen wieder herzustellen, doch haben auch diese einen gewissen Einfluss auf die Wasserqualität, weil damit zu rechnen ist, dass Sediment auf den Flächen liegen bleibt, dass damit dem Emswasser entzogen wird. Das würde auch auf den 300 Hektar an der Ems der Fall sein.