Hoher Aufwand  Scheitert die Erweiterung des Gewerbegebiets in Jemgum?

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 06.03.2023 11:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Gemeinde Jemgum gibt es immer wieder Anfragen von ansiedlungswilligen Unternehmen nach freien Flächen. Foto: Gettkowski/Archiv
In der Gemeinde Jemgum gibt es immer wieder Anfragen von ansiedlungswilligen Unternehmen nach freien Flächen. Foto: Gettkowski/Archiv
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Die Gemeinde kann die Erweiterung des Gewerbegebiets am Emstunnel finanziell nicht alleine stemmen. Eine Förderung wäre möglich, doch Auflagen und hoher Aufwand sind ein Problem.

Holtgaste - Die Flächen gehören schon der Gemeinde Jemgum, es gibt auch immer wieder Anfragen nach Gewerbegrundstücken von ansiedlungswilligen Unternehmen und die Gemeinde könnte Gewerbesteuereinnahmen dringend gebrauchen. Trotzdem kann die Kommune nicht einfach mit der Erweiterung des Gewerbegebietes am Emstunnel in Holtgaste loslegen. Problem: Der Gemeinde fehlt das Geld für die Erschließung.

„In der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses haben wir uns sehr intensiv mit einem möglichen Förderantrag für die Erweiterung des Gewerbegebietes in Holtgaste befasst“, berichtet Bürgermeister Hans-Peter Heikens auf Nachfrage. Es handelt sich um eine Fläche von etwa fünf Hektar, die unmittelbar westlich an das bestehende Gewerbegebiet angrenzt.

Schwierige Haushaltslage

Die direkte Autobahnanbindung zur A 31 macht das Gewerbegebiet für viele Unternehmen und Betriebe attraktiv. Die Fläche befindet sich seit 2019 im Eigentum der Gemeinde. In den vergangenen Jahren hatte es in Jemgum immer wieder mal Anfragen von ansiedlungswilligen Firmen gegeben. Die Nachfragen konnte die Gemeinde aber nicht bedienen. Zwar sind im bisherigen Gewerbegebiet nicht alle Grundstücke bebaut, aber bereits alle verkauft.

„Angesichts der aktuellen Haushaltslage ist es der Gemeinde selbst nicht möglich, die Gesamterschließung zu finanzieren,“, macht Heikens deutlich. Bemühungen, einen Investor hierfür zu gewinnen, sind nach Worten des Verwaltungschefs erfolglos verlaufen. „Rechnet man Ankauf, Kompensation, Planungskosten und Erschließungsarbeiten zusammen, dann ergibt dies unter dem Strich einen Quadratmeterpreis, der deutlich über den Preisen liegt, die andere Kommunen im näheren und auch im weiteren Umfeld für Gewerbegrundstücke verlangen“, berichtet der Bürgermeister, „wir wären deutlich zu teuer und somit nicht konkurrenzfähig.“

Auflagen und Aufwand sind ein Problem

Aus diesem Grunde überlegen Politik und Verwaltung, bei der N-Bank eine Förderung zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW)“ für „Hochwertige wirtschaftsnahe Infrastruktur“ zu beantragen. „Mit der Antragstellung haben wir die Stadterneuerungsgesellschaft re.urban aus Oldenburg beauftragt“, so Heikens. Für den Förderantrag habe es im Dezember eine Onlinekonferenz mit Vertretern der N-Bank, dem Büro re.urban sowie der Verwaltung gegeben, um nähere Informationen zu diesem Förderprogramm und den Möglichkeiten aber auch den Auflagen zu erhalten.

Wie der Bürgermeister berichtet, habe das Büro in der Sitzung des Verwaltungsausschusses im Februar die Ergebnisse der Konferenz vorgestellt. Die Gemeinde ist in der Zwickmühle: Es stehen zwar Zuschüsse bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten in Aussicht, „allerdings ist eine solche Förderung auch mit erheblichen Auflagen und einem doch großen Aufwand verbunden“. Mitte März wollen die Fraktionen eine Entscheidung treffen, ob tatsächlich ein Förderantrag gestellt werden soll.

In der Nachbarschaft geht es voran

In Leer ist man ebenfalls um Erweiterung bemüht: Die Stadt kann kaum noch Gewerbeflächen anbieten. Deshalb hatte sie die Erweiterung des jetzigen Gewerbegebiets Benzstraße ins Auge gefasst. Dass es nun so schnell geht, liegt auch am Land Niedersachsen. Vergangenes Jahr überraschte der damalige Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) die Stadt mit einer Förderung. Er verkündete, dass das Land die Förderung für die Erschließung des Gewerbegebiets Benzstraße von zugesagten fünf Millionen Euro auf stolze 11,7 Millionen Euro aufstocken wird. Die 11,7 Millionen Euro entsprechen 60 Prozent der Summe von 19,5 Millionen Euro, die die Stadt für die Erschließung des Gewerbegebiets veranschlagt hat. Von den fehlenden 7,8 Millionen Euro wird wohl der Landkreis auch noch einen Teil übernehmen. Das ließ Landrat Matthias Groote (SPD) durchblicken.

In Bunde möchte man auch erweitern. Foto: Gettkowski/Archiv
In Bunde möchte man auch erweitern. Foto: Gettkowski/Archiv
Die Nachfrage nach Flächen ist auch in der Gemeinde Bunde groß, das Angebot aber fast komplett erschöpft: Das Gewerbegebiet Bunde-West soll deshalb wachsen. Fast eine halbe Million Euro sollen in das Vorhaben hineingesteckt werden. Man benötigt Nachschub an Grundstücken. 42.000 Quadratmeter sollen also hinzukommen, um weiteren Betrieben Flächen nahe der Autobahn 280 anbieten zu können. Um genau zu sein, ist der Autobahnzubringer, wie die Gemeinde mitteilt, nur etwa 200 Meter vom Gewerbegebiet entfernt und die niederländische Grenze etwa 500 Meter. Der Ortskern von Bunde sei in etwa zwei Minuten erreichbar.

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