Nur Wochen bis Saison im Kreis Leer  Camping auf dem Bauernhof – wo klappt der Urlaub auf dem Land?

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 03.03.2023 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Urlaub auf dem Bauernhof: Dieses Foto ist auf einem Hof entstanden, der bei Landvergnügen gelistet ist. Foto: Brennerei-Brogilus/Madlen Krippendorf/Landvergnügen
Urlaub auf dem Bauernhof: Dieses Foto ist auf einem Hof entstanden, der bei Landvergnügen gelistet ist. Foto: Brennerei-Brogilus/Madlen Krippendorf/Landvergnügen
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Wohnmobil abstellen, im Hofladen einkaufen, Schafe streicheln: Leeraner Landwirte, die Gäste aufnehmen wollen, haben durch eine Initiative aus Jemgum die Chance. Wie läuft es?

Kreis Leer - Die Camping-Saison ist nur noch Wochen entfernt. Nachdem Orte wie das Fischerdorf Ditzum von Touristen mit Wohnmobil gerade während der Pandemie überrollt worden sind, ist eine Idee gereift: Auf Bauernhöfen sollen Stellplätze entstehen dürfen.

Was und warum

Darum geht es: Die Camping-Saison steht an. Im Kreis Leer haben Landwirte die Möglichkeit bis zu drei Stellplätze auf ihren Höfen einzurichten.

Vor allem interessant für: Camper, die die es werden wollen und Landwirte

Deshalb berichten wir: Wir haben das Projekt begleitet. Und wollten wissen, wie es läuft.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Treibende Kraft hinter diesem Ansatz war Annegret Bommelmann, Vorsitzende des Verkehrsvereins Ems-Dollart, die sich lange dafür einsetzte. „Von Ditzum aus kann man Urlauber nicht einfach weiterschicken, hier ist eben das ‚Entje van de Welt‘“, erklärt Bommelmann, vielleicht sei deswegen die Motivation besonders groß gewesen, eine Lösung zu finden. Und sie hatte Erfolg.

Wie läuft es im Kreis Leer?

Schleppend. „Im vergangenen Jahr gab es fünf lockere Anfragen“, erklärt Landkreissprecher Philipp Koenen. Hinterher habe sich allerdings keiner wirklich einen Antrag gestellt. „Eine Anfrage gab es in diesem Jahr“, so Koenen.

Wer also bald mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil in den Kreis Leer kommt, kann noch nicht auf einem der Stellplätze stehen, die durch das Projekt entstanden wären.

Wieso klappt es nicht?

Ganz genau lässt sich das natürlich nicht sagen, aber es gibt eine Idee: „Nach meiner Kenntnis ist die Rückmeldung bislang verhalten, weil die bürokratischen Auflagen zur Genehmigung doch höher sind als erwartet“, sagt Rudolf Bleeker, Geschäftsführer des Kreisverbands Leer im landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland.

Die Vorgaben: Die landwirtschaftliche Betätigung muss im Mittelpunkt stehen, die Plätze dürfen nicht irgendwo liegen oder das Erscheinungsbild des Betriebes verändern. Es ist etwas Papierkram nötig, um das nachzuweisen: Baugenehmigung und/oder eine Stellungnahme der Landwirtschaftskammer, ein Lageplan mit den vorgesehenen Plätzen und eine Beschreibung, wie die Stellplätze betrieben werden sollen.

Gibt es denn überhaupt genug Camper?

Auch nach Abflachen der pandemischen Lage liegt der Campingurlaub weiterhin im Trend, wie eine Auswertung des Portals „Statista“ zeigt. „Fast 22 Prozent der Deutschlandurlauber bevorzugten für das Jahr 2022 als Urlaubsart den Campingurlaub.“

Funktioniert es denn woanders?

Etwas anders: Bommelmann ist selbst passionierte Wohnmobilistin und hat unterschiedlichste Höfe zum Beispiel in Frankreich besucht, die Stellplätze anboten, so kam sie auf die Idee: „Einen Honigbauern oder ein Weingut. Das war über ‚Landvergnügen‘. Das ist ein Konzept für Wohnmobilübernachtungen auf Bauernhöfen. Dieses und andere gibt es auch in Deutschland“, sagt sie.

Geht das auch hier?

Ja. In „Landvergnügen“ – einem Stellplatzführer – sind nach Angaben des Unternehmens mehr als 1300 Reiseziele für Wohnmobil, Wohnwagen oder Campingbus zu finden. 192 davon in Niedersachsen, wie der Landesbauernverband Landvolk Niedersachsen im vergangenen Jahr mitteilte. Neben Bayern sei Niedersachsen das Bundesland mit dem größten Zuwachs. Auf der Karte des Unternehmens sind fünf, sechs Punkte auch im Bereich von Ostfriesland eingezeichnet. Das Prinzip ist, dass man mit dem Katalog eine Jahresvignette für rund 50 Euro kauft. Für 2023 kann man das ab dem 20. März. 24 Stunden kann man auf den Höfen bleiben. Für die Anbieter ist die Listung im Katalog kostenlos. „Der Landwirt generiert seine Einnahmen vor allem durch den Einkauf der Gäste im Hofladen“, heißt es vom Landvolk.

Es gibt auch andere Anbieter wie zum Beispiel My Cabin (zu deutsch „Meine Hütte“). Über diese Vermittlungsplattform im Internet können ebenfalls naturnahe Übernachtungsmöglichkeiten bei privaten Gastgebern gebucht werden – Plätze für Reisende mit Rucksack, Zelt oder Camper. Landwirtschaftliche Betriebe, aber auch Vereine, Verbände oder andere Grundstücksbesitzer können sich anmelden. Es gibt zum Beispiel zwei Angebote in Weener (Blockhaus und Zeltplatz), und Stell- oder Zeltplätze auf einer Wiese nah einer Pferdekoppel in Rhauderfehn, und auf einer wilden Gartenwiese in Uplengen.

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