Umfrage unter Bezirksliga-Trainern Ist der TuS Esens noch abzufangen? Und wer steigt ab?
Die Bärenstädter sind in der Fußball-Bezirksliga die Gejagten. Nur ein Trainer glaubt nicht an den Titel für den TuS. Unten wird ein enger Abstiegskampf erwartet.
Ostfriesland - Wer wird Meister in der Fußball-Bezirksliga? Der TV Bunde oder TuRa Westrhauderfehn. So tippten jedenfalls die meisten Vereinsverantwortlichen vor der Saison. Mittlerweile sieht das ganz anders aus. Jetzt zum Wiederbeginn der Bezirksliga nach der Winterpause hat sich unsere Redaktion erneut einen Meister-Tipp von den 18 Trainern eingeholt – und nicht einer glaubt mehr an den Titel für den TV oder TuRa. Hoch gehandelt wird stattdessen ein Team, das im Sommer gar nicht bei den Titelkandidaten aufgetaucht war: der TuS Esens.
Die Bärenstädter thronen mit 49 Punkten ganz oben, gefolgt vom SV Großefehn mit 40 Zählern und einem mehr zu absolvierenden Spiel. Erst auf Rang sieben und acht finden sich Vorjahresmeister Bunde (31 Punkte) und Landesliga-Absteiger TuRa (29 Punkte) wieder. Während die 18 Trainer an der Spitze eher weniger Spannung – oder gar einen Wechsel – erwarten, rechnen sie im Abstiegskampf mit einem engen Rennen und durchaus mit Positionsveränderungen.
Wer wird Meister?
Der Favorit auf den Meistertitel der Bezirksliga ist schnell ausgemacht. Von den 18 Cheftrainern erwarten 17, dass Esens nicht mehr von ganz oben zu verdrängen ist. Der TuS sei „reif für den Titel und erfahren genug“ (Wallinghausen-Coach Ewald Mühlenbrock), habe die „kompletteste Mannschaft“ (Jheringsfehns Uwe Welzel), besitze die „beste Defensive der Liga“ (Nordens Thomas Jacobs), präsentiere sich „sehr konstant“ (Struddens Frank Winkler) und habe „einfach ein zu gutes Punktepolster“ (Middels’ Bruno Mönck) lauteten einige Begründungen der Konkurrenztrainer. Lediglich der neue Coach von Germania Leer, Arndt Watzema, tippt auf Verfolger SV Großefehn als Meister. „Großefehn hat einen breiten Kader, die spielstärkste Mannschaft der Liga und mit Holger Wulff eine Granate dazubekommen“, begründet Watzema. Wenn auch nicht als Titel-Topfavorit, trauen auch die anderen Bezirksliga-Trainer dem SV Großefehn zumindest am ehesten zu, sich mit Esens ein Duell um den Titel zu liefern. Dem Drittplatzierten TuS Middels wird nicht zugetraut, dass er noch die elf Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter aufholt. „Zu dünn“ sei der Middelser Kader dafür, wurde oft genannt.
Während Matthias Schmidt (TV Bunde) und Marten Sandmann (SF Larrelt) davon ausgehen, dass Esens recht souverän den Titelgewinn einfahren wird, können sich manche Trainer einen Zweikampf zwischen Esens und Großefehn an der Tabellenspitze vorstellen. „Esens sollte sich von dem Punktepolster nicht blenden lassen. Gerade nach einer längeren Pause kann es auf einmal anders laufen“, sagt Hage-Coach Mario Look. „Da spreche ich aus Erfahrung.“ Sein Team hatte in der vergangenen Spielzeit eine überragende erste Hälfte hingelegt, wurde Staffelsieger und ging als Erstplatzierter in die Aufstiegsrunde. „Da haben wir dann leider viel liegen gelassen“, so Look. Hage wurde am Ende nur noch Sechster der Aufstiegsrunde. Esens sollte also gewarnt sein. „Wir gehen ganz klar mit dem Ziel in die restliche Saison, unsere Spitzenposition zu verteidigen“, betont Esens-Coach Ralf Backhaus. „Wenn wir das schaffen, werden wir auch den Aufstieg in die Landesliga wagen.“ In der abgelaufenen Spielzeit wollten weder Meister Bunde noch die Verfolger Strudden und Holtland den Gang in die Sechstklassigkeit antreten. Das missviel den Verantwortlichen des Bezirks Weser-Ems, ein Machtwort stand im Raum. „Es spricht doch gegen die Prinzipien des Sports. Es ist Sinn des Spiels und der Leistungsgedanke, dass mindestens der Meister aufsteigt“, sagt Staffelleiter Frank Schulte. Die Vorschrift, dass der Meister aufsteigt, ist nicht nötig. Denn Esens hat Schulte bereits signalisiert, aufsteigen zu wollen. „Wenn Esens Federn lässt, wollen wir da sein. Auch wir würden in die Landesliga gehen wollen“, sagt SVG-Coach Bi Le Tran.
Wer steigt ab?
Anders als bei der Meisterfrage tun sich die Bezirksliga-Trainer bei der Prognose für das untere Tabellendrittel schwer. Es werden ein enges Rennen, teils auch Positionsveränderungen erwartet. Den mit vier Punkten abgeschlagenen Teams Suurhusen und Moordorf traut keiner der Konkurrenz-Teams den Klassenerhalt mehr zu. „Wir brauchen einen sehr guten Start, dann ist vielleicht noch was möglich“, gibt sich Moordorf-Coach Dennis Debelts kämpferisch. „Wenn wir von Verletzungspech verschont bleiben, sind noch ein paar Siege drin. Dann kehrt auch der Spaß zurück.“ Die Freude am Fußball steht auch bei Concordia Suurhusen hoch im Kurs. „Wir wollen noch ein paar Zähler einfachen und die Liga nicht als Letzter abschließen“, sagt Suurhusens Neu-Trainer Keno Stalke. Mindestens die beiden Letztplatzierten steigen ab. Der Drittletzte geht in die Relegation – sofern Firrel in der Landesliga bleibt.
Auf diesem 15. Rang befindet sich derzeit die SpVg Aurich. Einige Trainer trauen von den Kellerkindern vor allem der SpVg zu, mit den Abstieg zu verhindern. Aurichs gute Vorbereitungsergebnisse seien „ein Fingerzeig“ (Ralf Backhaus), die SpVg spiele „guten Fußball“ (Holtlands Jörn Janssen), auch Trainerroutinier Uwe Groothuis könnte ein „entscheidender Faktor“ (Westhrauderfehns Erhan Colak) werden, heißt es. Für den „eingeschworenen Haufen“ SV Jheringsfehn/Timmel/Stikelkamp (derzeit 15.) sei ein direkter Klassenerhalt ebenfalls realistisch, sagen einige Trainer. Nach den Kaderveränderungen wird vermutet, dass Germania Leer (12.) noch um den Klassenerhalt bangen muss. Auch Norden „könnte unten richtig mit reingezogen werden“, kann sich Pewsums Bernd Buß vorstellen.
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