Einmal pro Woche Post-Vac-Syndrom – Sprechstunde für Impfgeschädigte in Wiesmoor
Bisher mussten Post-Vac-Betroffene im Landkreis Aurich zu Julien Dufayet, einem Spezialisten, nach Bremen fahren. Die lästigen Reisen können sie sich jetzt sparen.
Wiesmoor - Auf dem Boden liegt ein Berner Sennenhund aus Plüsch, an den Wänden hoppeln Hasen in knallbraunen Farben die Tapete entlang. Die Praxisräume in Wiesmoor an der Wittmunder Straße sind auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmt. Andrea Radde-Reinhard hat dafür gesorgt, dass ihre Patienten möglichst viel Ablenkung haben. Seit Mittwoch teilt sich die Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin ihre Praxis erstmals mit einem Kollegen, allerdings nur für einen Tag und aus einem ganz speziellen Grund. Julien Dufayet ist Arzt für Innere Medizin. Er befasst sich mit den den schweren Nebenwirkungen, die die Impfung gegen Covid-19 bei manchen Menschen verursachen kann, dem sogenannten Post-Vac-Syndrom. Die Symptome sind unspezifisch, sie reichen von chronischer Erschöpfung, Gliederschmerzen, Zittern und Gangunsicherheiten bis hin zu Lähmungserscheinungen. Weil er einer der wenigen Spezialisten auf diesem Gebiet sei, habe er viele Anfragen, sagt Julien Dufayet. Alleine aus Ostfriesland suchten 20 Patientinnen und Patienten seine Praxis in Bremen auf. Um ihnen den Weg dorthin zu ersparen, bietet er ab jetzt immer mittwochs eine Sprechstunde in Wiesmoor an, und zwar in der Praxis von Andrea Radde-Reinhard, die ebenfalls an dem Post-Vac-Syndrom leidet.
Das sei besonders wichtig, weil viele der Betroffenen nicht mobil seien und die Hilfe anderer in Anspruch nehmen müssten, um sich in Bremen behandeln zu lassen, hieß es am Mittwoch bei einer hastig einberufenen Pressekonferenz. Etliche Post-Vac-Patienten würden die anderthalbstündige Fahrt im Sitzen nicht überstehen, einen Liegend-Transport könne man in der Regel auch nicht umstandslos organisieren. Deshalb sei das neue Angebot in Wiesmoor für viele Betroffene eine unschätzbare Unterstützung. Dabei handelt es sich um so etwas wie Selbsthilfe. Von den Krankenkassen wird die Behandlung durch Julien Dufayet nicht bezahlt. „Offiziell gibt es das Post-Vac-Syndrom nicht“, sagt Andrea Radde-Reinhard mit einem Anflug von Verbitterung. Deshalb könne die Leistung nicht mit den Krankenkassen abgerechnet werden.
Mediziner ermitteln keine Befunde
Nach eigenen Angaben hat der Facharzt aus Bremen bereits mehr als 200 Post-Vac-Betroffene aus ganz Deutschland behandelt. Viele hätten einen Ärztemarathon hinter sich. Das Problem liege seines Erachtens in der Schulmedizin begründet. Der Patient werde nicht ganzheitlich betrachtet, sondern lediglich wegen einer bestimmten organischen Schwäche oder Dysfunktion behandelt: „Ich interessiere mich bei meiner Anamnese für die Biografie des Patienten, frage nach seiner Kindheit und Jugend, nach Vorerkrankungen, auch nach Erkrankungen der Eltern. Ich schaue weiter in die Tiefe, als es ein Schulmediziner in der Regel macht.“ Häufig könnten seine Berufskollegen mit den diagnostischen Standardmethoden keine Befunde ermitteln. Dann heiße es lapidar, es handele sich um ein psychosomatisches Krankheitsbild. Der Bremer berichtet aus seiner Praxis, dass bei den Post-Vac-Patienten breit gestreute Erkrankungsbilder vorlägen. Oft sei das Immunsystem schwer geschädigt.
Er wende auf den jeweiligen Patienten eng abgestimmte Behandlungsmethoden an, sagt der 42-Jährige auf Nachfrage. Dabei koppele er schulmedizinische mit alternativen Behandlungsmethoden. Ziel sei es, die Blutdruck- und Cholesterinwerte zu senken. Gleichzeitig versuche er, die oft träge Mikrozirkulation zu beleben. Darunter versteht man die Durchblutung und den Stoffaustausch in den kleinsten Blutgefäßen. Wenn es Störungen in diesem Bereich gibt, funktioniert oft auch die lokale Immunabwehr nicht. Die will Julien Dufayet unter anderem mit Nahrungsergänzungsmitteln ankurbeln, deren Dosierung er individuell auf die Bedürfnisse des Patienten zuschneide. Wichtig sei auch die Entgiftung des Körpers, also eine Befreiung von sogenannten Schlacke-Stoffen, die den Lymphfluss beeinträchtigen könnten. Lichttherapie und Fußsohlenreflexmassage seien weitere Verfahren, mit denen er arbeite.
Andrea Radde-Reinhard ist froh über die Sprechstunde von Julien Dufayet: „Weil sich auf der offiziellen Ebene so wenig bewegt hat, fangen wir jetzt mal mit kleinen Schritten an.“ Wer als Post-Vac-Patient von dem Bremer Facharzt behandelt werden möchte, kann sich unter der Mailadresse praxis@juliendufayet.de anmelden.
Gesprächskreis zu Impfschäden hat getagt
Impfgeschädigte sehen sich vor einem Wettlauf gegen die Zeit
Impfgeschädigte warten sehnsüchtig auf Hilfe
Binnen 24 Stunden war sie eine todkranke Frau
Die Leidenszeit einer jungen Frau aus Wiesmoor